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# taz.de -- Kommentar Syrischer Nationalrat: Was der Nationalrat leisten muss
> Die syrische Opposition ist dringend auf eine politische Front
> angewiesen. Ob der neue Nationalrat diese Aufgabe übernehmen kann ist
> noch ungewiss.
Bild: Schlechte Aussichten für Assad? Die Statue seines Vaters wurde am Wochen…
Nach monatelangen Verhandlungen hat die syrische Opposition in Istanbul die
Gründung eines Nationalrats verkündet. Die Protestbewegung ist dringend auf
eine solche politische Front angewiesen, sonst droht ihr über kurz oder
lang die Luft auszugehen.
Zwar gibt es in Syrien keinen Weg zurück zur politischen Grabesruhe. Doch
wenn es schlecht läuft, könnte das Land am Anfang eines jahrelangen
Bürgerkriegs stehen.
Inwieweit der neue Nationalrat tatsächlich Einfluss auf die Entwicklung
nehmen kann, ist unsicher. Für das Gremium spricht, dass es ein breites
Spektrum politischer Strömungen umfasst. Dagegen steht, dass der Rat aus
dem Exil operiert.
Ein zusätzliches Problem ist weiterhin die zerfaserte Struktur der
Opposition: Die Kritik an Zusammensetzung und Ausrichtung des Rates hat
längst eingesetzt. Und während seine Mitglieder für einen friedlichen
Protest eintreten, werden die Forderungen nach einem bewaffneten Aufstand
immer lauter.
Eine wichtige Rolle dabei soll die "Free Syrian Army" spielen. Niemand
weiß, wie viele Soldaten zur Opposition übergelaufen sind. Schätzungen
bewegen sich zwischen 1.000 und 10.000. Doch von einer Spaltung der Armee
kann noch keine Rede sein.
Somit stellt ein bewaffneter Aufstand ein hohes Risiko dar: Die friedlichen
Massenproteste haben eine zivilgesellschaftliche Macht entfaltet, der das
Regime zunehmend hilflos gegenübersteht. Wenn die Aufständischen allerdings
Waffen statt Bannern tragen, hätte Assad einen Vorwand für noch mehr
militärische Gewalt.
Andererseits aber berichten Aktivisten tagtäglich von Hinrichtungen, zu
Tode gefolterten Demonstranten und Vergewaltigungen. Die Menschen werden
nicht ewig friedlich demonstrieren.
Die Opposition steckt damit in einem Dilemma - und die Mitglieder des
Nationalrats müssen praktische Antworten auf die drängenden Fragen finden,
wenn sie die Demonstranten tatsächlich vertreten wollen
4 Oct 2011
## AUTOREN
Gabriele M. Keller
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