# taz.de -- Premier übersteht 51. Vertrauensfrage: Zittersieg für Silvio Berl… | |
> Italiens Regierungschef übersteht knapp ein Vertrauensvotum im Parlament. | |
> Das dürfte an der Dauerblockade innerhalb der Regierung kaum etwas | |
> ändern. | |
Bild: Rot auf schwarz: Berlusconi hat es mal wieder geschafft. | |
ROM taz | Mit 316 Ja-Stimmen hat Silvio Berlusconi am Freitag ein | |
Vertrauensvotum im italienischen Abgeordnetenhaus gewonnen. 301 | |
Oppositionsabgeordnete votierten mit Nein. Zum zweiten Mal innerhalb von | |
zehn Monaten konnte der Premier damit eine Krise seiner seit 2008 | |
amtierenden Regierung abwenden. | |
Nötig geworden war das Vertrauensvotum, weil die Rechtskoalition am | |
Dienstag die Abstimmung über den Rechenschaftsbericht der Regierung für das | |
Haushaltsjahr 2010 überraschend verloren hatte. Staatspräsident Giorgio | |
Napolitano hatte deshalb von Berlusconi verlangt, er solle per | |
Vertrauensvotum demonstrieren, dass seine Regierung noch handlungsfähig | |
sei. | |
Eben dies behauptete der Ministerpräsident dann in einer müden Rede vor dem | |
Parlament. Die Vertrauensdebatte erlebte am Donnerstag ein Novum in der | |
italienischen Politik: Sämtliche Oppositionskräfte mit Ausnahme von fünf | |
Abgeordneten der kleinen Radikalen Partei waren der Aussprache | |
ferngeblieben. Sie wollten nicht mehr als Staffage für Berlusconis | |
Politiktheater zur Verfügung stehen, erklärten ihre Vertreter. | |
Übereinstimmend forderten sie den sofortigen Rücktritt Berlusconis. | |
Doch Berlusconi, dem nur noch 24 Prozent der Bürger vertrauen, denkt | |
vorerst nicht ans Aufhören. Ihm ist es wichtiger, seine Mehrheit zur | |
Verabschiedung immer neuer Gesetze zu nutzen, die ihm bei seiner | |
Abwehrschlacht gegen die Staatsanwälte helfen sollen. | |
Schon in den nächsten Wochen soll eine Norm durchgeboxt werden, die seinem | |
Prozess wegen Bestechung eines Rechtsanwalts ein Ende machen soll. Zudem | |
soll die Möglichkeit der Staatsanwaltschaften, Verdächtige abzuhören, | |
drastisch eingeschränkt werden. | |
## Angeschlagene Rechtskoalition | |
Doch ob Berlusconis Koalition zu solchen Aktionen noch in der Lage ist, ist | |
zweifelhaft. Das jüngste Vertrauensvotum wurde nicht zuletzt deshalb | |
notwendig, weil immer mehr Abgeordnete aus den Reihen der Rechten der | |
Regierung die Gefolgschaft zu verweigern drohen. In Berlusconis Partei | |
Popolo della libertà (Volk der Freiheit) wollen jetzt schon einige Dutzend | |
Parlamentarier eine Diskussion über politische Lösungen ohne Berlusconi | |
erzwingen. Und auch beim Koalitionspartner Lega Nord werden die Stimmen der | |
Dissidenten lauter. | |
Die Regierung, die über eine denkbar knappe Mehrheit verfügt, war deshalb | |
in den letzten Wochen nicht in der Lage, das lange angekündigte Gesetz zur | |
Stimulierung des Wirtschaftswachstums vorzulegen, da die Befürworter eines | |
rigiden Sparkurses um Schatzminister Giulio Tremonti sich nicht mit dem | |
Gros der Regierungsfraktionen auf einen Kurs einigen können. | |
Auch das Votum vom Freitag wird an dieser Dauerblockade nichts ändern. Ein | |
Hinterbänkler aus Berlusconis Partei sagte zwar vor dem Votum den Sieg | |
Berlusconis voraus, ergänzte aber, "schon nächste Woche" werde der Premier | |
im Parlament neuen Abstimmungsniederlagen entgegengehen. | |
14 Oct 2011 | |
## AUTOREN | |
Michael Braun | |
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