| # taz.de -- WEM GEHÖRT DIE STADT?: Die Liegenschafts-Erleuchtung | |
| > Nach langem Streit hat der Senat ein Konzept für landeseigene Immobilien | |
| > beschlossen. Sie sollen nicht mehr einfach an den Höchstbietenden gehen. | |
| Bild: Auch sie dürfte das Liegenschaftskonzept interessieren: Prinzessinengär… | |
| In der Diskussion über den Umgang mit landeseigenen Grundstücken und | |
| Immobilien ist der Senat einen guten Schritt weitergekommen: Am Dienstag | |
| beschloss die Landesregierung ihr lang erwartetes Liegenschaftskonzept. | |
| Beendet ist der Konflikt damit nicht. Denn die Frage, ob nach bestem Preis | |
| oder nach künftiger Nutzung verkauft wird, ist nicht grundsätzlich | |
| beantwortet. Im Einzelfall soll entschieden werden, was angemessen ist. | |
| Bedingung für eine direkte Vergabe sollen „nachvollziehbare fachpolitische | |
| Kriterien“ sein – und eine „Stadtrendite“ als gesellschaftlicher Gewinn… | |
| das der Fall ist, bleibt Auslegungssache. Für Liegenschaften von | |
| Landesunternehmen gilt das Konzept nicht. | |
| Dem Beschluss voran ging ein Dauerstreit zwischen Finanzsenator Ulrich | |
| Nußbaum (parteilos) und Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). | |
| Nußbaum bestritt das allerdings am Dienstag – nur „Diskussionen“ habe es | |
| gegeben. In die Debatte schaltete sich zuletzt auch ein Teil der | |
| SPD-Fraktion ein: Sie forderte, dass landeseigene Gesellschaften wie BVG | |
| oder BSR ihre Grundstücke abgeben sollten, also quasi enteignet würden. Das | |
| lehnte Nußbaum ab: Man könne nicht erst solche Unternehmen gründen und | |
| ihnen Eigenständigkeit zugestehen und ihnen ebendiese dann wieder nehmen. | |
| ## Erst mal ein Überblick | |
| Das neue Konzept sieht als ersten Schritt vor, sich einen genauen Überblick | |
| über die landeseigenen Liegenschaften zu beschaffen. Man wisse natürlich, | |
| welche Grundstücke man habe, sagte Nußbaum. Doch nun soll es darum gehen, | |
| sie jeweils einzeln zu begutachten und zu bewerten. Das kann nach seinen | |
| Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Dann werden laut | |
| Konzept jene Grundstücke ausgesiebt, die der Daseinsvorsorge dienen sollen | |
| – Ver- und Entsorgung, Wohnraum, Bildung. Um alle anderen soll sich der | |
| Liegenschaftsfonds mit seinen 120 Mitarbeitern kümmern. | |
| Ein Ziel von Rot-Schwarz – mehr preiswerter Wohnraum – ist herausgehoben: | |
| Geeignete Grundstücke, vorerst 18 an der Zahl, sollen vom Fonds an die | |
| landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften gehen. Damit soll allerdings noch | |
| nicht Schluss sein. | |
| Für den Finanzsenator bleibt das Bieterverfahren trotz allem der Regelfall: | |
| „weil Sie da einen transparenten und objektiven Preis rausbekommen“. Soll | |
| das Grundstück an jemanden gehen, der weniger zahlen kann, aber ein | |
| besonderes Konzept anbietet, ist für Nußbaum die Transparenz entscheidend. | |
| „Es darf nicht nach Sympathiewerten gehen“, sagte er am Dienstag, „die | |
| Öffentlichkeit muss nachvollziehen können, warum wir unter Wert vergeben.“ | |
| Nußbaum wandte sich gegen den Vorwurf, er wolle mit Grundstücksverkäufen | |
| den Berliner Haushalt sanieren. Solche Verkäufe müsse es geben, sagte er, | |
| aber sie seien nicht Kern der Sanierung. Nach jüngster Finanzplanung kommt | |
| das Land Berlin bereits 2015 ohne neue Kredite aus und macht dann sogar | |
| über 117 Millionen Euro Plus. | |
| 25 Sep 2012 | |
| ## AUTOREN | |
| Stefan Alberti | |
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