| # taz.de -- Klimagas kommt nicht unter die Erde: Verbot statt Moratorium | |
| > Das Verpressen von Kohlendioxid in den Boden will Niedersachsens | |
| > rot-grüne Landesregierung per Gesetz untersagen. Bislang galt lediglich | |
| > ein Moratorium. | |
| Bild: Ausgespielt: CO2-Verpressungs-Anlagen wie diese werden in Niedersachsen w… | |
| HANNOVER taz | Niedersachsens rot-grüne Landesregierung will die | |
| umstrittene unterirdische Speicherung von klimaschädlichem Kohlendioxid mit | |
| einem eigenen Landesgesetz verbieten. Einen entsprechenden Gesetzentwurf | |
| wolle man möglichst noch vor der Sommerpause im Landtag einbringen, | |
| erklärte ein Sprecher von Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Dienstag. | |
| Dieser Weg ist im Bundesgesetz zur sogenannten CCS-Technologie von 2012 | |
| vorgesehen. Vor allem auf Druck Niedersachsens und Schleswig-Holsteins kam | |
| damals ein Veto-Recht für die Länder ins Gesetz. Die beiden Nord-Länder | |
| gelten als geologisch besonders für CCS geeignet: Dort liegen laut | |
| Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe die meisten der | |
| deutschlandweit 408 potenziellen CO2-Speicherstätten. | |
| In diese unterirdischen Stätten wird beim CCS Kohlendioxid, das in | |
| Kohlekraftwerken anfällt, verpresst. Dort soll es eingeschlossen und von | |
| der Atmosphäre getrennt bleiben, so die Hoffnung der Befürworter. Kritiker | |
| befürchten Gefahr für Mensch um Umwelt, sollte Kohlendioxid wieder | |
| austreten. „Die Risiken sind nicht abzuschätzen“, fürchtet auch ein | |
| Sprecher des Wirtschaftsministeriums. | |
| Während Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) nach | |
| Inkrafttreten des Bundesgesetzes umgehend von der Länderklausel Gebrauch | |
| machte, beschränkte sich Niedersachsens damalige schwarz-gelbe | |
| Landesregierung auf einen befristeten Stopp: Statt CCS wie im Nachbarland | |
| per Landesgesetz auszuschließen, rief man ein dreijähriges Moratorium aus. | |
| Die Zeit wolle man nutzen, um zu allen potenziell geeigneten | |
| CCS-Lagerstätten in Niedersachsen die erforderlichen Gegenargumente zu | |
| finden, so die Ankündigung 2012. | |
| Ein solches Abwägen zwischen der Nutzung für CCS und anderen Nutzungen wie | |
| etwa dem Tourismus schreibt der Bund den Ländern vor, wenn sie ihr | |
| Veto-Recht einsetzen wollen. Die damalige rot-rot-grüne Opposition warf | |
| Schwarz-Gelb dennoch vor, sich vor der Landtagswahl 2013 um eine endgültige | |
| Entscheidung zu drücken. | |
| Man „gaukelt falsche Sicherheit vor“, hieß es vom damaligen | |
| SPD-Vizefraktionschef Olaf Lies. Das Veto-Recht sei rechtlich umstritten, | |
| auch weil die Zuständigkeit der Länder vor den Küsten ab der | |
| Zwölf-Meilen-Zone ende. Von dort an ist wieder der Bund zuständig – | |
| entsprechend könne im Meeresgrund auch weiterhin CO2 verpresst werden, | |
| warnte Lies, der heute als Wirtschaftsminister beim rot-grünen | |
| Gesetzesvorstoß die Federführung hat. Auch Grünen-Fraktionschef Stefan | |
| Wenzel, heute Umweltminister, nannte die Regelung „fatal“. Nur ein | |
| Bundesgesetz könne CCS hinter der Küste verhindern. | |
| Eine Notwendigkeit, in Sachen Zwölf-Meilen-Zone zusätzlich auf Bundesebene | |
| tätig zu werden, sieht man jetzt aber nicht, wie es aus dem | |
| SPD-Wirtschaftsministerium heißt. Auch zu den Argumenten, mit denen man die | |
| CCS-Technologie rechtssicher in Niedersachsen ausschließen will, mag man | |
| sich derzeit nicht äußern. Der Gesetzentwurf sei in der Abstimmung zwischen | |
| Wirtschafts-, Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, erklärt ein Sprecher. | |
| Dem wolle man nicht vorgreifen. | |
| 25 Mar 2014 | |
| ## AUTOREN | |
| Teresa Havlicek | |
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