| # taz.de -- Kommentar Luft-Urteil: Kein Menschenrecht aufs Auto | |
| > Es gibt kein Recht auf Autofahren, aber sehr wohl eins auf Gesundheit. | |
| > Unbelehrbare, die ihre Mitmenschen vergiften, verdienen keine | |
| > Solidarität. | |
| Bild: Lösung in ferner Zukunft? Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Tors… | |
| Da quietschen die Bremsen. Unübersehbar ist das Stopp-Schild, aufgestellt | |
| vom Hamburger Verwaltungsgericht mit seiner aktuellen Entscheidung: | |
| Sämtliche Verkehrskonzepte von vorgestern werden damit ihrer Grundlagen | |
| beraubt. Gleiches wäre auch in allen anderen norddeutschen Großstädten vor | |
| Gerichten zu erstreiten. Denn so grundlegend anders als in Hamburg ist die | |
| Lage in Bremen, Hannover oder Kiel auch nicht. | |
| Hauptverursacher der Luftverschmutzung ist der Autoverkehr, deshalb muss | |
| dort angesetzt werden. Und wenn es denn nicht anders geht – mit Zwang. Es | |
| gibt kein Menschenrecht auf Autofahren, aber sehr wohl eins auf Gesundheit. | |
| Unbelehrbare, die darauf bestehen, sich und ihre Mitmenschen vergiften zu | |
| dürfen, verdienen keine Solidarität. Sichtweisen und Mentalitäten zu | |
| ändern, das ist ein langwieriger Vorgang, umso mehr muss auf allen Ebenen | |
| nachgeholfen werden. | |
| Der Hinweis auf den Bund und die Europäische Union ist nicht ganz falsch: | |
| Wenn die die besonders schädlichen Dieselmotoren steuerlich begünstigen und | |
| mit vernunftwidrigen Abgasnormen hätscheln, ist es nicht die Schuld | |
| einzelner Städte, dass diese Dreckschleudern auf ihren Straßen fahren. | |
| Nein, Berlin und vor allem Brüssel haben dafür Sorge zu tragen, dass ihre | |
| Luftreinhaltevorschriften auch umgesetzt werden können. | |
| Andererseits ist eine Stadt wie Hamburg aber nicht aus der Pflicht, selbst | |
| alles Mögliche zum Schutz ihrer BürgerInnen zu tun: Ein paar Euro mehr für | |
| Radfahrstreifen und eine Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe im Hafen | |
| sind erste Schritte – aber mehr auch nicht. Noch immer aber weigert sich | |
| die Politik in dieser Stadt, die Gleichberechtigung aller | |
| Verkehrsteilnehmer anzuerkennen. | |
| Eine moderne, zukunftsfähige und gesunde Verkehrspolitik kommt um die | |
| Erkenntnis nicht herum, dass das Auto in der Stadt keine Lösung ist: Es ist | |
| das Problem. | |
| 6 Nov 2014 | |
| ## AUTOREN | |
| Sven-Michael Veit | |
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