# taz.de -- Deutsche Bahn: Grünes Signal für die neue Volksaktie | |
> Die SPD-Spitze ist sich einig: Wer in die Bahn investiert, soll nicht das | |
> Sagen haben. Deshalb will sie 25 Prozent des Kapitals als stimmrechtslose | |
> Aktien ausgeben. Die Bahn behält die Kontrolle über das Netz. | |
Bild: Künftige Miteigentümer sollen nicht bestimmen dürfen, wohin die Reise … | |
BERLIN taz Die Deutsche Bahn bekommt neue Miteigentümer. Aber die sollen | |
möglichst keinen Einfluss auf das Unternehmen bekommen. Deshalb sollen | |
zunächst mindestens 25,1 Prozent der Bahn in Form von sogenannten | |
stimmrechtslosen Vorzugsaktien unter das Volk gebracht werden. Das ist die | |
Kompromisslinie, mit der die SPD den internen Streit um die | |
Bahnprivatisierung beenden will. Eine Arbeitsgruppe einigte sich am Freitag | |
auf diesen Antrag, über den am Montag noch im Vorstand und am kommenden | |
Wochenende auf dem SPD-Parteitag abgestimmt werden muss. Doch auch | |
exponierte Privatisierungsgegner wie der SPD-Umweltpolitiker Hermann Scheer | |
rechnen mit einer Zustimmung. "Das wird so kommen", sagte er der taz. | |
Bislang sieht das Gesetz zur Teilprivatisierung der Bahn vor, dass knapp 50 | |
Prozent des Unternehmens an private Investoren verkauft werden können. Da | |
die Mehrheit des Unternehmens noch immer beim Bund bleibt, sah | |
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) den Schutz vor einem zu | |
großen Einfluss der Investoren gewährleistet. Teile der SPD, aber auch die | |
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Deutsche Gewerkschaftsbund lehnen | |
den Gesetzentwurf aber ab. Die Bahngewerkschaft Transnet stützte den | |
Gesetzentwurf. Deren Vorsitzender Norbert Hansen lehnte den Antrag am | |
Freitag auch ab. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) enthielt sich | |
der Stimme, Tiefensee stimmte zu. | |
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der die Arbeitsgruppe geleitet hatte, | |
bezeichnete den Kompromiss als "sachgerechte Lösung". Die SPD zeige damit, | |
dass sie zwar eine "Zerschlagung der Bahn" ablehne, nicht aber eine | |
Teilprivatisierung. Befürchtungen, das Volksaktienmodell könne große | |
Investoren abschrecken und so den Kapitalertrag beim Börsengang schmälern, | |
widersprach Heil. "Es kann jeder rein", betonte er. Allerdings müsse der | |
Gesetzgeber nach einer Überprüfung entscheiden können, "ob es auf diesem | |
Weg oder auf einem anderen" mit der Privatisierung weitergehe. | |
Scheer wertete die nun gefundene Lösung als Erfolg. Es gebe "keine | |
Hintertür" für Investoren, der Antrag formuliere eindeutig, dass das | |
Aufleben des Stimmrechts mit geeigneten Maßnahmen auszuschließen sei. Ob | |
den Käufern von Bahnaktien, wie von Scheer vorgesehen, eine | |
Mindestverzinsung ihres eingesetzten Kapitals garantiert werde, ist noch | |
nicht klar. | |
Nicht mehr zur Debatte steht aber offenbar die umstrittene Lösung, die das | |
Gesetz für das Bahnnetz vorsieht. Die doppelte Eigentümerschaft - | |
juristisch gehört dem Bund das Netz, wirtschaftlich für mindestens 15 Jahre | |
der Bahn - thematisiert der Antrag nicht. Ein Teilerfolg für Bahnchef | |
Mehdorn und Transnet-Vorsitzender Hansen, die eine Trennung von Netz und | |
Betrieb ablehnen. | |
20 Oct 2007 | |
## AUTOREN | |
Stephan Kosch | |
Veit Medick | |
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