| # taz.de -- Olympia-Boykott: Ausreiseverbot für Momper | |
| > Der Präsident des Abgeordnetenhauses darf nicht als offizieller Vertreter | |
| > Berlins zu den Olympischen Spielen fliegen. Seine eigene SPD-Fraktion | |
| > sagt, Walter Momper muss auf den Peking-Trip verzichten. | |
| Bild: Würde gerne nach Peking zur Olympiade reisen, aber außer ihm will das k… | |
| Man kann nicht gerade behaupten, Walter Momper habe seinen Fauxpas | |
| blitzschnell bemerkt. Erst der geballte Druck der eigenen Genossen hat den | |
| Abgeordnetenhaus-Präsidenten am Dienstag bewogen, seine geplante | |
| Peking-Reise zu den Olympischen Spielen Mitte August abzusagen. Vor der | |
| Sitzung der SPD-Fraktion am späten Nachmittag ließ deren Sprecher, Peter | |
| Stadtmüller, durchblicken, der an der Fraktionssitzung teilnehmende Momper | |
| werde "ziemlich sicher" auf seinen Peking-Trip verzichten. | |
| Entzündet hatte sich der Streit an der Entscheidung des | |
| Parlamentspräsidiums am Donnerstag vergangener Woche. Obwohl 3 der 15 | |
| Mitglieder fehlten, stellte Momper den umstrittenen Vorschlag zur | |
| Entscheidung, vom 14. bis 21. August als offizielle Vertreter Berlins zu | |
| den Olympischen Spielen zu fliegen. Dabei gibt es keine offizielle | |
| Einladung aus der chinesischen Partnerstadt. Nur die sechs SPD-Mitglieder | |
| inklusive Momper stimmten für den Antrag. Die fünf anwesenden Vertreter von | |
| CDU, Grünen und FDP erklärten, sie würden nach dem militanten Vorgehen der | |
| chinesischen Regierung gegen tibetische Demonstranten keine Mitglieder für | |
| die Berliner Delegation stellen - und votierten dagegen. Die | |
| Linkspartei-Vertreterin Martina Michels enthielt sich der Stimme, ihre | |
| Fraktionskollegin war krankgemeldet. Gegenüber der taz erklärte Michels, | |
| bereits vor der Sitzung habe sie klargemacht, sie werde nicht an der Reise | |
| teilnehmen. Am vergangenen Wochenende schwenkte SPD-Landes- und | |
| Fraktionschef Michael Müller auf die Linie der Reisegegner: "Eine isolierte | |
| Reise nur von SPD-Abgeordneten, das ist ausgeschlossen." | |
| Rein formal hätte Momper dennoch das Recht, nach Peking zu fliegen - | |
| immerhin hat er ein gültiges Votum des Parlamentspräsidiums. Doch geht | |
| SPD-Fraktionssprecher Peter Stadtmüller davon aus, dass selbst der als stur | |
| bekannte Exregierungschef nicht gegen den Widerstand aller Fraktionen | |
| reisen wird: "Politik hat da ihre eigene Dynamik." Soll heißen: Der | |
| öffentliche Druck ist zu stark. Selbst die Bundeskanzlerin hat bekanntlich | |
| verkündet, den Spielen fernzubleiben. | |
| Hingegen scheint klar, dass der Sport-Staatssekretär Thomas Härtel (SPD) | |
| nach Peking fliegt. Hauptzweck der Reise ist laut Innenverwaltung, an | |
| sportpolitischen Treffen während der Spiele teilzunehmen. Dabei gehe es | |
| auch um die Vergabe von Sportgroßveranstaltungen. Offen sei noch, ob Härtel | |
| in Peking an offiziellen Olympia-Veranstaltungen teilnehmen werde. Martina | |
| Michels von der Linkspartei sieht darin kein Problem: "Das steht auf einem | |
| anderen Blatt." | |
| 8 Apr 2008 | |
| ## AUTOREN | |
| Matthias Lohre | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| SPD und Olympia: Wowereit fackelt nicht lange | |
| Sollen Berlins Politiker Olympia boykottieren? Die Opposition sagt Ja und | |
| will tibetische Flaggen hissen. Die SPD hält das für "verlogen" und plant | |
| eine Reise des Regierenden. | |
| Forscher He und Fang über Olympia-Proteste: "Der Druck gegen China hilft nicht" | |
| Aus Sicht der chinesischen Intellektuellen He und Fang führen Proteste im | |
| Westen nur zur Solidarisierung der chinesischen Bevölkerung mit ihrer | |
| Regierung. | |
| Reaktion auf westliche Kritik: Chinas verletzter Stolz | |
| Während sich die Chinesen über westliche Proteste beim Fackellauf empören, | |
| reagiert das olympische Organisationskomitee in Peking systemlogisch. | |
| Eine kurze Geschichte des olympischen Fackellaufs: Lodern und löschen | |
| Erfunden wurde der Fackellauf von den Nazis. Die Sportfunktioniäre haben | |
| ihn institutionalisiert. Ein paar Mal gelang es schon, die Flamme auf ihrem | |
| Parcours zu bewässern. |