| # taz.de -- Anderer Blick auf 1968: Wer ist Dorothea Ridder? | |
| > Verständlich, dass niemand mehr etwas über 68 hören will - denn selbst | |
| > schrille Faschismusanalogien langweilen inzwischen. Ein guter Moment zum | |
| > herauszufinden, wer Dorothea Ridder ist. | |
| Bild: Das ist Dorothea Ridder heute. | |
| Dr. med. Dorothea Ridder, Ärztin im Ruhestand. Geb. 1942 in Berlin-Pankow, | |
| kam 1959 m. Mutter u. Bruder n. Westberlin, erhielt als anerkannter | |
| Flüchtling eine Ausbildung im Lette-Verein, Höhere Wirtschaftsschule. | |
| 1961-62 Sekretärin im wissenschaftlichen Julius Springer Verlag. 1962 | |
| Verlobung. 1962-1964 am Berlin-Kolleg das Abitur nachgeholt. 1964 | |
| Immatrikulation FU Berlin, Studium am Otto-Suhr-Institut. H. J. Hameister | |
| kennengelernt u. so zum Kommune-Zirkel gekommen. 1967 Mitbegründerin d. | |
| Kommune 1, lebt mit Hameister aber in der SDS-Kommune. Mitarbeit am frisch | |
| gegründeten antiautoritären Kinderladen als "Spielfrau". Arbeit als | |
| Animierdame in Nachtbars zwecks Gelderwerb fürs Studium. 1969 bei Günter | |
| Ammon z. Gruppenpsychotherapie. Studienwechsel zur Humanmedizin. Neben d. | |
| Studium Wohnung organisiert (f. RAF-Fälscherwerkstatt), Post abgeholt, | |
| Verhaftung, Inhaftierung. Ein Jahr in Isolationshaft gesessen | |
| (Untersuchungshaft), Haftverschonung. 1973 ärztliche Vorprüfung. 1973 u. | |
| 1975 im Uniklinikum in Ankara/Türkei praktiziert. 1975, nach fast 5 Jahren, | |
| Verurteilung wg. "Bildung einer kriminellen Vereinigung" zu 1 Jahr Haft | |
| (wg. guter Führung zur Bewährung ausgesetzt). 1976 ärztliche Prüfung. 1977 | |
| Approbation u. Praxisvertretungen in Westdeutschland. 1980 Doktortitel | |
| (Dissertation über Intrauterinpessare). 1981-1983 Gemeinschaftspraxis mit | |
| dem Arzt Nissim Behar. Ab 1983 Besuche bei Manfred Grashof (RAF, war | |
| inhaftiert wg. Mordes in d. JVA Diez a. d. Lahn). Ab 1984 eigene Praxis am | |
| Nollendorfplatz in Berlin. März 1984 Verheiratung mit Manfred Grashof i. d. | |
| JVA-Dietz. Ab 1989 Praxis geteilt m. e. männlichen Kollegen. Im Juni 1997 | |
| schwerer Schlaganfall, Praxisauflösung. | |
| Dorothea Ridder wohnt im Süden Berlins, im Souterrain eines großen | |
| villenartigen Mietshauses am Schlachtensee. Vom Arbeitszimmer aus kann sie | |
| auf die alten Bäume im Garten blicken. Im Sommer stehen die Fenster und | |
| Türen den ganzen Tag offen, von der Küche aus kann sie zuschaun, wie die | |
| beiden Hunde ihrer Freundin miteinander spielen, draußen im Hof. Sie | |
| empfängt uns mit jenem freundlichen Lächeln, mit dem sie bereits als junge | |
| Frau lächelte. Heute mischt sich ab und zu ein bitter ironischer Zug | |
| hinein. Geschickt gießt sie den Tee auf, ihre von der halbseitigen Lähmung | |
| betroffene linke Hand assistiert der rechten, hilft, wo sie kann. | |
| "Fein zugreifen geht nicht, fest auch nicht, aber beim Fleischschneiden | |
| kann ich es mit der Gabel festhalten. So ist das. Erst habe ich die Sprache | |
| verloren, mein Gedächtnis. Konnte mir überhaupt keine Namen mehr merken, | |
| nichts. Insoweit musste ich sagen, leider, ich habe einen Dachschaden. Eine | |
| Scheißgeschichte. Darunter leide ich heute noch. Mein Hypocampus, der ist | |
| sehr dünn. Es ist abenteuerlich, wenn ich ein Buch gelesen habe, dann, nach | |
| 14 Tagen ist alles weg. Und dann gibt es andere Geschichten, wo ich dann | |
| nicht sagen kann, dann und dann habe ich studiert, dann und dann haben wir | |
| uns getrennt, das und jenes ist passiert. Da habe ich auch meine Probleme. | |
| Deshalb wollte ich auch mal sehen, ob homöopathisch da noch was gemacht | |
| werden kann, und hab ihn angerufen … Hameister. Und da habe ich ihn | |
| gefragt" (sehr lange Pause), "ob er mich behandeln kann. Er sagt Nein. Hat | |
| mir eine Homöopathin empfohlen. Wir haben damals, nach der Kommune, Medizin | |
| angefangen zu studieren, er ist dann Facharzt für Neurologie geworden, war | |
| Psychoanalytiker und heute macht er Homöopathie. Also er hatte schon damals | |
| den Zwang - es gut zu machen, damit hat er die ganze linke Szene | |
| beeindruckt. Ich habe auch darunter gelitten, es hat mich eingeschüchtert. | |
| Das war mir neu. | |
| Ich hatte keinen Grund, gegen die autoritäre Familie … das geht ja nicht. | |
| Ich bin 1942 geboren, meine Mutter hatte immer viel zu tun, später war sie | |
| Krankenschwester. Ich habe ihr Elend mitgekriegt, wie sie dann dick und | |
| abgearbeitet war. So wollte ich niemals werden! Sie hat immer nur gewartet. | |
| Auf ihn, dass er nach Hause kommt. Mein Vater war immer ein sehr | |
| sympathischer, ein sehr schöner Mann, der, manchmal, auch nach Hause kam. | |
| Er war ein schöner Grafiker, hatte ein Dekorationsgeschäft, ist viel | |
| herumgeschweift mit anderen Damen, oder er war im Gefängnis, weil er für | |
| den Westen gearbeitet hat. Aber wenn er nach Hause kam, dann war immer die | |
| gute Laune da, wirklich. Das ist mein erstes Verhältnis zu Männern. Das | |
| zweite war zu meinem Bruder, fünf Jahre älter, der war eine Zangengeburt | |
| und wurde ganz breitgequetscht. Und wurde also furchtbar … du bist sooo | |
| hässlich! Es hat mir wehgetan, dass ich ihm nicht helfen konnte. Letzten | |
| Endes war die Kindheit sehr günstig für mich, ich bin nie verkloppt worden, | |
| hatte nie Stubenarrest, meine Mutter hat gesagt: Mach, was du willst. Ich | |
| musste nicht - Junge Pioniere, Arbeiterklasse und das alles! Sie hat viele | |
| Bücher gelesen, also bei ihr war es nie langweilig. Mein Vater ist dann | |
| enteignet worden, und wir sind in den Westen übergelaufen. Meine Mutter, | |
| mein Bruder und ich. Die beiden haben einen Dekorationsladen aufgemacht. | |
| Mein Vater ist nach Hamburg übersiedelt und hat dort einen Laden gehabt, | |
| später mit seiner zweiten Frau. Ich konnte ihm nicht böse sein. Der Westen | |
| war prachtvoll. Die Ausländer, die ganze Welt zum Angucken, und keine | |
| Pioniere! Nicht mehr die ewigen Sozialismussprüche überall. Ich konnte dann | |
| im Westen so … Modell stehen, ein bisschen Geld verdienen bei Künstlern. | |
| Habe mich mit einem Wirtschaftsstudenten verloben müssen, der hatte mich | |
| entjungfert und die Couch war so ein bisschen blutig. Ein sympathischer | |
| Mann, ein Westdeutscher. Aber ich wollte ja nicht so werden wie meine | |
| Mutter. | |
| Und ich habe dann die Ausbildung gemacht, wurde Sekretärin. Meine Mutter | |
| meinte, Sekretärin, das wäre doch sehr gut für mich. Dann habe ich aber das | |
| Abitur nachgemacht und nebenher Geld verdient mit "drücken", also in einer | |
| Drückerkolonne habe ich die Zeitschrift Praline verkauft. Es gab eine ganze | |
| Zeit, wo ich "gedrückt" habe, und eine ganze Zeit habe ich animiert in der | |
| Bar. Da habe ich gesessen … und dann bin ich hingegangen: Sind Sie allei-, | |
| alleine hier? Trinken Sie doch mal einen guten Champagner mit mir. Das war | |
| keine Problem. Ich hatte niemals irgendein Problem, dass mich jemand | |
| ungewollt … bin auch mit keinem weggegangen. Es war okay. Und dann habe ich | |
| angefangen zu studieren, endlich … Von meinem Verlobten war ich schon | |
| getrennt und habe dann in einem Studentenwohnheim in Zehlendorf gewohnt. | |
| Das ist wichtig, jetzt für mich. Da habe ich einen Haitianer kennengelernt, | |
| der hat mir sehr viel erzählt von dem, was ihm und dem Land so passiert ist | |
| … ich erinnere mich jetzt nicht mehr." (Haitis Sklaven haben Ende d. 18. | |
| Jh. nach d. Vorbild d. Franz. Revolution einen Sklavenaufstand gemacht, sie | |
| schufen die erste u. einzige Sklaven-Republik der Welt. Sie hielt nur kurz. | |
| 1964 Diktatur unter Duvalier d. Ä., gest. 1971. Anm. G.G.) "Ich bin damals | |
| so reingewachsen in einen Lateinamerika-Zirkel, da waren sehr viele, die | |
| also erzählt haben von sich und was die Europäer gemacht haben. Das hat | |
| mich sehr getroffen. Und die in Bolivien … Dieser Haitianer sagte: Wenn ich | |
| fertig bin mit dem Studium, natürlich, ich gehe zurück und bekämpfe | |
| Duvalier. Der muss weg! Das war für mich" (stark bewegt) "also Ahhhh … Wir | |
| und die anderen, die später in der Kommune waren, auch Dutschke, wir waren | |
| dann in ,Viva Maria'." (Revolutionsburleske v. Louis Malle, Kultfilm d. | |
| APO, lief 1966 i. Berlin. Anm. G.G.) "Und hinterher habe ich gesagt, wenn | |
| ich zu Ende studiert habe, komme ich mit … ah! Ah! Danach wurde die Gruppe | |
| ,Viva Maria' gegründet. Also das war ein Glück für mich. Aber diese andere | |
| Sache … ,Africa Addio', da war ich drin mit den ausländischen Freunden. Und | |
| der war schon wütend, unser Protest. Gegen …" (Pseudodokumentarischer Film | |
| über die brutalen Gewaltorgien v. Söldnertruppen i. Kongo, u. a. tritt | |
| "Kongo-Müller", ein deutscher SS-Mann auf. Für den Film wurden | |
| Erschießungen und Massaker so arrangiert, dass die Lichtverhältnisse gute | |
| Aufnahmen ermöglichen. Anm. G.G.) | |
| Ein Kater kommt zum Fenster herein. "Oskar", sagt Dorothea. Er springt auf | |
| Elisabeths Schoß, beim Streicheln findet sie zahlreiche Zecken an seinem | |
| Kopf. Sie holt ihre Zeckenkarte aus der Tasche, die wir immer bei uns haben | |
| für unseren Hund. Sie beginnt eine Zecke nach der anderen vom Katerkopf zu | |
| entfernen und in ein leeres Marmeladenglas abzustreifen, während Dorothea | |
| versonnen weiter erzählt: "Und dann habe ich in der Zeit Hameister | |
| kennengelernt … In der Mensa. Er war ein sehr schöner Mann, nein, wirklich! | |
| Also mit dem … wir konnten stundenlang … stundenlang über Philosophie und | |
| so - oder was wir gelesen und gehört hatten. Er hat mir auch viel erzählt. | |
| Stundenlang. Ich weiß noch - heute ist er vollgebaut, der Potsdamer Platz. | |
| Damals war er leer. Ein paar Kriegsruinen noch, da war ja direkt die Mauer. | |
| Er wohnte in der Kurfürstenstraße. Wir sind stundenlang spazieren gegangen, | |
| ich habe ihm gern zugehört. Heute muss ich staunen, wie neidlos ich damals | |
| die absolute Vorherrschaft von Männern akzeptiert habe, ich habe mich | |
| einfach geehrt gefühlt, wenn ich ihnen zuhören durfte. Doch, es war eine | |
| sehr schöne Zeit. Wir haben wunderbar zusammen geschlafen. Es war für mich | |
| kein Problem, da jetzt, da gabs nicht so dieses … gar nicht, ich war völlig | |
| frei! Wenn ich mit ihm allein war, habe ich unheimlich gut reden können mit | |
| ihm, über alles. Er war ja sehr engagiert, wusste sehr viel, hat viel | |
| gelesen. Marx, Wilhelm Reich. Ich fand die Theorie von Marx sehr | |
| einleuchtend, aber dass die Gesellschaft sich ändert, wenn die | |
| Produktionsweise sich ändert, also in der DDR …? Und ich habe gesagt: An | |
| die revolutionäre Kraft der Arbeiterklasse glaube ich nicht … nicht hier. | |
| Ich bin eigentlich unpolitisch gewesen. Ich habe, nicht so wie andere, lies | |
| das und das, das müssen wir machen … Es war bei mir eine Suche … ich weiß | |
| nicht mehr, nach was? Es fällt mir noch ein … Ich habe studiert, ich wollte | |
| die Welt und die Sprachen kennenlernen, ich wollte verstehen … Das ging | |
| damals nur - zumindest für mich - nur über männliche Liebschaften. | |
| Und dann kam Kunzelmann nach Berlin. Ich erinnere mich an diesen Ausruf von | |
| Hameister - von allen - Ah! Kunzelmann kommt! Hameister und ich im Bett. | |
| Als er kam, hatte ich nichts mehr zu sagen. Männerfreundschaften! Weg - da | |
| war nichts, keine Frage mehr, gar nichts. Ich war erledigt. Ich dachte, na | |
| gut! Aber es ging ja darum, Kommune zu gründen. Also das Experiment. Bei | |
| mir war das kein politischer Plan. Nur diese Vorstellung, mit anderen | |
| zusammenleben, das fand ich sehr gut. Das gab es nirgends bei uns. Und die | |
| hatten auch Angst, andere sind ja abgehauen, die erst ganz groß … Dutschke, | |
| Rabehl, haben abgesagt. Lieber doch nicht! Da habe ich gesagt. Doch, ich | |
| will! Das mach ich! Es war nicht wegen Hameister, sondern weil es ein | |
| schönes Projekt war, wenigstens einen Versuch wollte ich wagen. Und das | |
| Komische, da war nichts von freier Sexualität. Die Männer, die da | |
| mitgemacht haben, zwar sind die sympathisch, aber: Bei mir kam da nichts | |
| hoch. Ich erinnere mich, das muss Teufel gewesen sein, mit dem ich mal | |
| versucht habe. Damit ich nicht immer nur mit Hameister, und wir haben dann | |
| im Bett gelegen und nur gekichert, er wollte auch nicht. | |
| as Hauptvergnügen in der Kommune war eigentlich dieses Ritual. Die | |
| Zeitungen jeden Tag, wie die sich aufgeregt haben, o Gottogott! Die Hetze | |
| in den Zeitungen … zum Frühstück. Und dann die Aktionen der Kommune, nett, | |
| phantasievoll. Ich selber konnte nicht gezielt Eier werfen. Die Aktionen, | |
| die wir miteinander gemacht haben, die haben geklappt, aber die Sachen | |
| zwischen den Personen klarkriegen, das hat nicht geklappt. Es war eine | |
| schöne Phantasie. | |
| Das Einzige, was ich jetzt, immer mit Abstand, sage - ich genieße | |
| Kunzelmanns Phantasie. Das ist wohl die Phantasie eines reich verwöhnten | |
| und erzogenen Bankierssohnes." Ich korrigiere: Sparkassendirektors. Sie | |
| lacht. "Nein, nein! Was ich meine, diese Art von wirklicher Phantasie, ich | |
| muss nachdenken … ich kam mir immer poplig vor. Aber ich kann ja nicht ein | |
| Mann werden, ein Kunzelmann. Natürlich war ich eifersüchtig. Als wir uns | |
| das letzte Mal gesehen haben, das war beim Foto für den Stern auf dem | |
| Friedhof. Wir haben uns so hingestellt. Es war anders. Damals, 67, haben | |
| wir uns alle ausgezogen und an die Wand …, wir waren froh, als es vorbei | |
| war, und wir uns wieder was anziehen konnten. Dann auf dem Friedhof, nach | |
| diesen Jahrzehnten, treffen wir uns wieder als alte Herrschaften." Sie | |
| lacht. "Und ich sagte zu Kunzelmann: Knie dich nieder. Wenigstens einmal! | |
| Ja. Er hats gemacht, natürlich. Ich bin da eine Zeit damals ziemlich | |
| traurig gewesen, daran hat mich das erinnert. Ja und damals, auch weil ich | |
| so traurig war, da habe ich eigentlich keine Möglichkeit gesehen, wie es | |
| weitergeht, Hameister war ständig beschäftigt, ich hatte auch keine | |
| konkrete Hoffnung, was politisch eigentlich geändert werden kann, wie der | |
| Kampf … Andererseits, es war ja ganz neu, dass man sich überhaupt gewehrt | |
| hat, politisch! Wann hat sich denn das letzte Mal einer gewehrt?! Protest, | |
| da war ich dabei! Aber die Leute überzeugen, ist schwierig. Wovon denn, von | |
| uns? Und Kommune, auch gut. Aber ich habe ja mit Hameister in der | |
| SDS-Kommune am Kudamm gelebt, nicht in der K 1. War ich in der K 1? Es | |
| könnte sein, dass ich vorübergehend mal … Ich war oft dort, ja. Aber | |
| letzten Endes, ich habe mich dann zurückgezogen. Es war mir zu viel … Ich | |
| studierte politische Wissenschaften am OSI, war ,stummes Mitglied' im SDS, | |
| aber im SDS-Arbeitskreis ,Formierte Gesellschaft', hieß das, glaube ich. | |
| Ich habe mit Stottern den Gründungsvortrag der Kommune 1 im SDS verlesen | |
| damals, habe Broschüren verkauft und bin animieren gegangen … Und ich habe | |
| natürlich viel gelesen, viel gelernt. Was ich gelernt habe, den Kudamm rauf | |
| und runter laufen, demonstrieren. Keine Angst haben. Vor nichts! Und auch | |
| toll: klauen. Gut und viel klauen! Das war wichtig. Aber jetzt, mit meinem | |
| Dachschaden, da ist es anders … ich bezahle immer. Ich habe damals auch die | |
| ganzen Grundlagentexte … ja, studiert, Marcuse. Und ich dachte immer, ich | |
| brauche mehr Zeit, oder was anderes mal … da habe ich dann, ich glaube, es | |
| war nach dem 2. Juni, mit Dagrun und ihrem Kind im antiautoritären | |
| Kinderladen … lieber mit denen Kontakt gehabt. Ich war noch im SDS, bei den | |
| Versammlungen und so, aber habe auch anderes … War ne ganze Zeit in anderen | |
| Gruppen …" | |
| er Kater liegt in Duldungsstarre auf Elisabeths Schoß, die Zecken krabbeln | |
| matt im Marmeladenglas. "Ich war bei Günter Ammon in der Gruppenanalyse, | |
| ich war bei Dieter Duhm." (Ammon, 1918-1995, umstrittener, | |
| gruppenanalytisch orientierter Psychoanalytiker. Dieter Duhm, auch | |
| "Angst-Duhm" genannt, wegen seines Buches "Angst im Kapitalismus". | |
| Soziologe, Psychoanalytiker, später Künstler. Er war im SDS, Reichianer, | |
| befasste sich dann aber u. a. mit der Psychosekte AAO v. Otto Mühl. | |
| Gründete Projekte f. freie Liebe, Frieden etc. Noch heute gibt es sein | |
| "Heilungs-Biotop Tamera" in Portugal. Anm. G.G.) "Und dann war ich eine | |
| ganze Zeit … beim … Bhagwan." (Bhagwan 1931-1990, indischer Philosoph, dann | |
| Gründer der "Neo-Sanjassin-Bewegung" 1970, vertrat die Befreiung v. | |
| sexuellen u. religiösen Dogmen, Guru mit Ashram in Poona, Indien, zu dem i. | |
| d. 70er Jahren Abertausende von Europäern pilgerten. Anm. G.G.) Wir machen | |
| unserer Abneigung gegen diese Personen und Tendenzen kurz Luft. Dorothea | |
| jedoch bleibt unbeirrt beim Thema: "Also, ich weiß gar nicht mehr, wo ich | |
| wann war, die Reihenfolge. Jedenfalls war immer eine Gruppe da, und immer | |
| war ein Mann da. Irgendeiner war immer der Oberguru. Es war nicht so … auch | |
| bei Ammon, ich dachte, der ist ja der absolute Obermacker! Aber für eines | |
| bin ich ihm dankbar. Er hat gesagt: Studiere Medizin. Medizin ist das Beste | |
| für dich. Das Einzige, was ich noch weiß, als ich gewechselt habe zur | |
| Medizin, da bekam ich dann kein Stipendium mehr. Von zu Hause hatte ich | |
| auch nichts. Ich war sehr knapp. So dass ich wieder animieren musste | |
| nachts. Aber es war okay | |
| Und dann vor dem Physikum gabs dann irgendwie … so was, dass ich eine | |
| Wohnung besorgen, oder irgendwelche Taschen hin- und hertragen sollte. Was | |
| ich natürlich Freunden gegenüber gemacht habe. Und da bin ich dann also | |
| verhaftet worden als Mitglied der RAF und im Gefängnis gelandet in | |
| Köln-Ossendorf und saß so ein Jahr in Isolation. Für wen der Koffer, was | |
| und wie … ich weiß es nicht mehr. Was ich knapp in Erinnerung habe, ist, | |
| dass ich jeden Tag höflich vernommen wurde, sie fragten, wollen Sie uns | |
| nicht ein bisschen weiterhelfen? Denken Sie daran, Ihr Studium!" (In | |
| Dorotheas Urteilsbegründung v. Juni 75 wird ein gut hierher passender Satz | |
| der Zeugin G. zitiert, der Frau, die mit Dorothea im Auto saß. "Nach der | |
| Verhaftung (…) äußerte sich Gudrun Ensslin abfällig über die von der | |
| Angeklagten Ridder geleistete Arbeit und gab zu verstehen, dass diese sich | |
| stark ihrem Studium verpflichtet gefühlt habe, was sich mit einer Mitarbeit | |
| in der (Baader-Meinhof) Gruppe nicht vereinbaren lasse." Anm. G.G.) | |
| "Also für mich war das gar nicht so schlimm, die Isolationshaft. Im | |
| Gegenteil, ich durfte meine medizinischen Bücher haben und alles, ich | |
| konnte endlich mal in aller Ruhe …" Sie lacht sehr. "Wie ich entlassen | |
| wurde, tatsächlich, der Termin wurde für mich nachgeholt, ich bin da rein, | |
| hab das Physikum gemacht und weiterstudiert. Aber hatte immer polizeiliche | |
| Auflagen und so." Sie seufzt laut. "Ich habe weiterstudiert, zu Ende | |
| studiert, war in der Türkei, habe viel Unterstützung bekommen … von schönen | |
| Männern. Und ein schöner Mann, Kollege, leider verheiratet, hat mir | |
| angeboten, in seine Praxis mit einzusteigen, in der Seesener Straße in | |
| Wilmersdorf. Als die Praxiswohnung dann gekündigt wurde, bin ich zum | |
| Nollendorfplatz gezogen, alleine, und habe dort eine Praxis aufgemacht. Die | |
| Patienten kamen mir alle nach. Das war mein Leben! Nollendorfplatz ist so | |
| eine Gegend in Schöneberg … Ich war eine der Ersten damals, die mit | |
| Methadon angefangen hat für die Fixer da von der Szene. Ich war praktische | |
| Ärztin und habe klassische Medizin gemacht. | |
| Zu mir kamen ja Leute, jahrelang sah ich die in meiner Praxis. Das war mein | |
| Leben, das ich immer noch vermisse … Ich habe viel gearbeitet, viel. Und | |
| ich habe natürlich viel geraucht in diesen 15 Jahren. Und ich hatte nicht | |
| so ein Ding … das ist die oder der, die haben das und das … nein, ich habe | |
| viel dagesessen und nur noch zugehört … das war … Nein, also ich wollte ja | |
| nicht, so, und dann der Nächste bitte! Ich habe meine Patienten eigentlich | |
| … geliebt! Das, ja. Und dass ich so einen Ausweg gefunden habe als Ärztin - | |
| also keine so großen politischen Lösungen musste ich … kein Machtding, ganz | |
| klar, es war ein Ausstieg! Kleine Lösungen in meiner Praxis am | |
| Nollendorfplatz. Ein Handwerk kann ich, das mache ich richtig. Meine | |
| Patienten waren mein Leben! Das war auf der einen Seite. Und auf der | |
| anderen Seite habe ich gleichzeitig mit einem Mann zusammengelebt, der 20 | |
| Jahre jünger ist. Ein schöner Mann! Andrew Hood, der kannte mich über Erich | |
| Fried - der ja lange Patient war bei mir. Und der Vater von Andrew - auch | |
| ein schöner Mann - war Nachbar von Erich. Auch jüdisch und alter Trotzkist, | |
| er war Partisan in Italien. So kam die Bekanntschaft, und Andrew … das war | |
| eine schöne und zärtliche Beziehung. Aber nach vielen Jahren hat er sich in | |
| eine jüngere Frau verliebt. Es war für mich sehr traurig, aber eigentlich | |
| nicht überraschend. Und zu Fried noch, es war so, dass, 1981 oder 1982, er | |
| diese erschütternde Krebsdiagnose hatte, unheilbarer Krebs! Jeder kann sich | |
| vorstellen, was das bedeutet. Er kam immer nach Berlin, hat dann bei mir | |
| gewohnt - auch vorher schon. Ich habe ihn behandelt und wir haben viel | |
| geredet, sehr viel, über das Politische, das war ihm wichtig. Er hat dann | |
| doch noch bis 1988 gelebt. | |
| Und fast zehn Jahre später hat es dann mich erwischt. Schlaganfall, ein | |
| Thrombus im Gehirn. Vom Rauchen! Und dann habe ich leider eine Epilepsie | |
| entwickelt, also nicht solche Krampfanfälle. Aber es kann plötzlich und | |
| überall passieren: Ich kippe um. Bum, weg! Letztens habe ich mich hier an | |
| der Hand, das tut weh, Brüche, blaue Flecken. Also das bestimmt mein Leben! | |
| Zum Glück bin ich nicht ganz alleine, nebenan ist eine Freundin, die Frau, | |
| die mich im Park gefunden und sich lange Zeit um mich gekümmert hat. Auch | |
| ein Freund. Aber es ist scheiße. Es bestimmt mein Leben. Aus heiterem | |
| Himmel, Bum, weg! Jederzeit. Ich muss Antiepileptika nehmen. Und die muss | |
| ich selber zahlen. Ich bin ja nicht versichert. Weil ich kein Geld mehr | |
| hatte … Alles Geld, alles, vom Verkauf meiner Praxis, vom Verkauf meines | |
| Grundstücks am See, alles weg! Ich habe nur diese Rente, da ist nichts | |
| drüber. Aber ich muss das Medikament nehmen, jeden Tag. Fokale Epilepsie. | |
| Im Chinesischen hat es vielleicht was mit unterdrückter Wut zu tun. | |
| Jedenfalls, das Medikament macht mich furchtbar lahm. Das ist das Blöde. | |
| Und was mich natürlich noch besonders stört, sind die Sprechprobleme und | |
| die Gedächtnislücken … weshalb ich jetzt, vor unserem Gespräch noch mal das | |
| Buch vom Ulli gelesen habe, ein tolles Buch, er erklärt den ganzen | |
| Zusammenhang …" (Ulrich Enzensberger, "Die Jahre der Kommune 1", sehr | |
| sorgfältig recherchierte Geschichte von APO und K 1 im historischen Kontext | |
| der 60er-Jahre, 415 Seiten unverblümte Rückschau. Anm. G.G.) "Ich mag seine | |
| Art zu schreiben, nur leider … schade ist, wenn ich das gelesen habe, ist | |
| es trotzdem wieder weg. Ich mache mir Notizen, damit passiert das Gleiche." | |
| Wir erzählen den steinalten Witz: Kommt ein Patient zum Psychiater und | |
| sagt, Herr Doktor, es ist schrecklich, ich vergesse alles. Der Psychiater | |
| fragt: Seit wann haben Sie das? Der Patient fragt: Was? Dorothea lacht, | |
| nicht so ganz erheitert. Seltsam, Apoplektiker können nicht lügen. Das ist | |
| schön. | |
| "Ich habe was vergessen, ich bin ja verheiratet! Damals, als ich in | |
| Westdeutschland Praxisvertretung machte und gehört habe, die bringen sich | |
| alle um … sind plötzlich tot - ich kannte die ja fast alle dort -, also da | |
| war ich sehr traurig. Und dann habe ich Kontakt zu Manfred Grashof | |
| bekommen. Der hat, als die Polizisten ihn verfolgten … zurück… hat den | |
| Polizisten plötzlich tödlich getroffen. Saß als Lebenslänglicher. | |
| Jedenfalls habe ich ihn eine ganze Zeit lang besucht, als ,Frau Doktor', | |
| das war schon was. Also, das muss ich sagen, er hat nie geklagt, er hat das | |
| so hingenommen. Er hat mir viele Briefe geschrieben, seine Zelle mir | |
| aufgemalt. Dann habe ich gesagt: So, jetzt heirate ich dich. Und so haben | |
| wir geheiratet, im Knast. | |
| er Gefängnispfarrer hat uns getraut. Da gibt es Bilder … Er ist dann nach | |
| 17 Jahren, glaube ich, entlassen worden." (Er sagte sich Anf. d. 80er-Jahre | |
| von der RAF los u. wurde 1988, nach 16 Jahren Einzelhaft, durch Bernhard | |
| Vogel, v. d. CDU, damaliger Ministerpräsident v. Rheinland-Pfalz, | |
| begnadigt. Anm. G.G.) "Ich weiß noch, ich habe dann den Volker Ludwig vom | |
| Grips-Theater gebeten, ob eine Arbeit bei ihm möglich wäre, denn eine | |
| Arbeit ist ja wichtig, als Grundlage. Und der hat das gemacht. Manfred | |
| arbeitet da als Beleuchter und auch Schauspieler, die ganzen Jahre, seit er | |
| draußen ist. Und so war das, so ist er zufällig mein Mann geworden. Das ist | |
| auch was, was ich gelernt habe in meinem Leben, oder besser gelernt habe … | |
| auch durch meine Arbeit, dass diese Einteilung in Gut und Böse …" | |
| Sie schweigt, der Kater ist von Zecken befreit und liegt wie bewusstlos da | |
| vor Erschöpfung. Im verschlossenen Glas krabbeln die Zecken dem Licht | |
| entgegen. | |
| Dorothea seufzt und sagte: "Ich überlege. Also die ganze Moral … Viva | |
| Maria, ja! Die ganzen Anti-Schah-Geschichten und Anti-Vietnam-Geschichten, | |
| ja! Klauen, ja! Aber ich habe das Wort Revolution nie benutzt. Nach dem 2. | |
| Juni. Ah! Es war ganz leicht, in die RAF reinzurutschen, sehr leicht! Mir | |
| war ganz klar, was ich mitmache, vielleicht mal eine Wohnung besorgen, so | |
| was, konspirativ, auch das Fälschen, okay, da konnte ich unterstützend sein | |
| … aber so was wie: ,Natürlich darf geschossen werden'…" (Ulrike Meinhof, | |
| 1970 in Agit 883) "Nein! das habe ich damals schon gesagt. Ich konnte mir | |
| nicht mal vorstellen, in so eine Bank reinzugehen, mit einer Knarre - ne, | |
| nicht Angst -, dem die Knarre hinzuhalten und ihm in die Augen schaun dabei | |
| … also … das ist absolut … das ist nicht ethisch. Dazu habe ich keine Lus… | |
| Das ist mein ,Fehler!'" Sie lacht. "Gut, dass ich das im Beruf ja dann auch | |
| Gott sei Dank erlebt habe. Bei jedem, der reinkam - und wenn ich ihm in die | |
| Augen geguckt habe, war ganz klar, jeder war er selber. Ah! Ganz toll! Und | |
| in jeden war ich wie verliebt. Und kann mir nicht vorstellen, dem gegenüber | |
| noch mal das … den zu verletzen, im Gegenteil! Da habe ich nichts zu | |
| bereuen." Denkt lange nach und sagt: "Was ich bereue, ist, dass ich | |
| geraucht habe, zu viel geraucht habe! Das bedaure ich. Und das Zweite, was | |
| ich zwar nicht bereue, was aber vielleicht schade ist, dass ich kein Kind | |
| kriegen konnte. Am Anfang wollte ich nicht so werden wie meine Mutter, und | |
| später, die Praxis, die war mein Traum. Aber der ist vorbei." | |
| Während des Gespräches kam mir eine Idee. Einige von Dorotheas alten | |
| Freunden und Bekannten könnten von ihr erzählen, von früher, um so die | |
| Erinnerungslücken quasi zu vergesellschaften und vielleicht zu schließen. | |
| Sofort stimmt sie zu und holt ihr Telefonbüchlein. Sie blättert, schweigt. | |
| "Beispielsweise eine deiner Sprechstundenhilfen", schlage ich vor. | |
| "Ja. Hier: Renate Günter, sie hat am längsten mit mir zusammengearbeitet, | |
| hat den Laden aufrechterhalten. Und auch Barbara Fischer, eine wunderbare | |
| Mitarbeiterin. Sie hat so ein ausgleichendes, sanftes Wesen. Nie Stress, | |
| phantastisch! Sie ist jetzt krank geworden, aber vielleicht …? Und jetzt | |
| gehe ich mal alphabetisch, von vorne… Ulrich Enzensberger, aber die habt | |
| ihr ja selbst. Ach, Erich Fried 22, Dartmouth Road … komisch, so ein altes | |
| Telefonbuch, 20 Jahre ist das her. Und hier natürlich, Manfred Grashof, | |
| mein Mann, ich weiß nicht, ob er was sagen will, normalerweise mag er die | |
| Presse nicht, aber bei dir … das ist eine Handynummer." Sie blättert und | |
| hält es mit der Linken, seufzt: "Hameister, da habe ich nur die Nummer von | |
| der Praxis, aber wahrscheinlich wird er das ablehnen. Und dann, Helmut | |
| Höge, habt ihr auch? Und nun Andrew, Andrew Hood. Ich war sehr glücklich | |
| mit ihm, all die Jahre, er hat mich verwöhnt. Später wurde er dann | |
| Filmregisseur wie sein Vater. Aber es läuft wohl nicht so. Also, das würde | |
| mich sehr interessieren, wie Andrew mich beschreibt. Ach, Marianne Herzog, | |
| zu ihr habe ich gar keine Verbindung mehr, weiß gar nicht, ob die Nummer | |
| noch stimmt. | |
| unzelmann, Nee? Horst Mahler … klar, wollt ihr nicht. Verstehe ich. Es ist | |
| schade um ihn, nein, das meine ich wirklich. Ich hatte ihn eigentlich immer | |
| gern. Hatte einen guten Kontakt zu ihm, auch zu seinem Bruder. Um seine | |
| Mutter habe ich mich immer wieder mal gekümmert, medizinisch. Hier, Povl, | |
| kenn ihr ihn? Der wird euch gefallen. Er heißt eigentlich Peter Oelze von | |
| Lobethal, der war also ganz aktiv im Afrika-Projekt. Ist auch ein guter | |
| Freund von Höge, sie haben alle mal zusammengelebt im Vogelsberg." | |
| Blättert. "Wer das ist, keine Ahnung! Hier, ganz wichtig, Astrid Proll, da | |
| habe ich zwei Nummern, sie ist eine ganz alte Freundin. Vor einiger Zeit | |
| waren wir mal im Kaufhaus und ich habe einen epileptischen Anfall bekommen, | |
| sie weiß das. Aber sie war trotzdem so erschrocken, ich bin ja dann richtig | |
| weg für eine Zeit. Wir waren beide im Knast in Köln-Ossendorf, wir haben | |
| beide am gleichen Tag Geburtstag, am 30. Mai. Und natürlich müsst ihr | |
| Renate Sami fragen, sie ist ja auch Filmemacherin. Wir haben gut und lange | |
| zusammengewohnt am Bundesplatz, in der Wohnung von Klaus Eschen vom | |
| Sozialistischen Anwaltskollektiv. Das war die Wohnung seiner Eltern mal, | |
| wir haben sie gemietet. Renate ist eine schöne Frau, groß, ganz uneitel. | |
| Das letzte Mal, als wir uns trafen, fragte sie: Na, wie gehts denn jetzt so | |
| mit den Männern? Ich musste kichern. Die Frage ist kitzlig, weil ich mich | |
| immer viel verliebt habe in schöne Männer. Und jetzt, es ist zum Lachen, | |
| ich bin mit einem 77-jährigen Mann zusammen. Er ist krank, zahnlos, einen | |
| halben Meter kleiner als ich. Wir gehen zusammen ins Theater und ins | |
| Thermalbad. Wir haben jede Woche ein Fest und danach geht er wieder. Ich | |
| bin nicht verliebt, es ist … eine herzliche Sympathie … und vielleicht | |
| etwas Traurigkeit." | |
| Wir erheben uns, danken. Sie besteht darauf, uns bis zum Auto zu begleiten. | |
| Der Kater folgt uns mit Miau. Draußen zeigt sie auf ein verhülltes | |
| Nachbarfenster. "Da wohnt Eric, auch ein alter Freund, er war eine ganze | |
| Zeit hinterm Tresen im ,Dschungel'. Er weiß, wann ich Medizin studiert | |
| habe. Nach dem Knast hat er sich ein bisschen um mich gekümmert. | |
| Entschuldigt, ich laufe so langsam … ich bemühe mich, nicht zu humpeln." | |
| Als wir wegfahren, sehe ich sie im Rückspiegel am Straßenrand stehen. | |
| 28 Apr 2008 | |
| ## AUTOREN | |
| Gabriele Goettle | |
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