| # taz.de -- Die Deutschen nach dem EM-Finale: Das große Hätte-Wäre-Wenn | |
| > Die Zeiten physischer Dominanz deutscher Turnierteams scheinen vorbei. | |
| > Eine neue Generation muss Verantwortung übernehmen. Drei Thesen zum | |
| > EM-Auftritt der DFB-Elf. | |
| Bild: "Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers": Jens Lehmann nach dem Fina… | |
| WIEN taz Das Finale ist Geschichte. Was kommt jetzt? Versuchen wir es mit | |
| einer finalen Geschichtsbetrachtung des Torhüters Jens Lehmann. "Es kommen | |
| jetzt Gedanken auf: Vielleicht hätte man etwas besser machen können", sagte | |
| er nach dem 0:1 gegen heillos überlegene Spanier. Besser machen - kein | |
| schlechtes Stichwort, doch dazu später. Der Torhüter Lehmann setzte nun zu | |
| einem Satz von wahrlich philosophischem Format an: "Der Konjunktiv ist der | |
| Feind des Verlierers." Er wird mit diesem Bonmot aufgenommen werden in die | |
| Zitate-Sammlungen des Fußballs. Er hatte ja auch recht, der Jens Lehmann, | |
| mit einem Hättewärewenn kommt man nicht weit, da müssen schon schlüssigere | |
| Analysen her. Zum Beispiel die: "Wir haben das Maximum herausgeholt." | |
| Das Maximum der deutschen Mannschaft im EM-Finale von Wien sah so aus: Sie | |
| zeigte das schlechteste Spiel seit langem, brachte es nur auf einen | |
| Kullerschuss von Hitzlsperger direkt aufs Tor, es fehlte Mut, Chuzpe, Biss, | |
| das Team rumpelte teilweise in alter Manier über den Platz, gönnte sich | |
| Stockfehler und Abspielfehler sonder Zahl, war überfordert mit dem | |
| Kombinationsspiel der Spanier, kurzum: das Streben nach dem Maximum hatte | |
| das Team ermüdet, ja zerrüttet. Am Sonntagabend ließ sich ein Blick hinter | |
| die Motivationsfassade werfen. Was hinter dem Paravent zu sehen war, | |
| versuchen wir in drei Thesen zu beschreiben. | |
| These 1, die naheliegende: Das Team passt sich stets dem Niveau von Kapitän | |
| Michael Ballack an. Das ist manchmal eine richtig schlechte Idee. Klar, | |
| Michael Ballack war der Schlüsselspieler. Mit seiner Leistung stand oder | |
| fiel der Auftritt der DFB-Elf bei dieser Europameisterschaft. Bis zum | |
| Finale spulte er ein beträchtliches Pensum ab, erwies sich immer als der | |
| laufstärkste Spieler im deutschen Team. Er machte sich für die taktische | |
| Umstellung hin zum 4-2-3-1-System stark, mit dem die Portugiesen in die | |
| Knie gezwungen wurden. | |
| Ballack, Ballack, Ballack - der Mann vom FC Chelsea London war Taktgeber | |
| und Inspirationsquell für die Mannschaft. Ging es ihm gut, ging es der | |
| Mannschaft gut. An ihm richtete sich die Elf auf. Er nahm ihr das | |
| Zögerliche, das Verhaltene - und impfte ihnen Mut ein. Doch dummerweise | |
| meldete sich just vor dem Finale von Wien die Wade der Nation wieder - mit | |
| unschönen Signalen. Ballacks Muskel war verhärtet, was zu einer allgemeinen | |
| muskulären - und psychischen - Verspannung in der deutschen Mannschaft | |
| geführt hat. Im Endspiel war Michael Ballacks Einfluss auf die | |
| Befindlichkeiten seiner Mitspieler begrenzt. Sie müssen gemerkt haben, dass | |
| der Capitano nicht auf der Höhe seiner Fähigkeiten agiert, ergo passten sie | |
| sich seiner Performance an. Wie Lemminge folgte sie einem schwächelnden | |
| Führungsspieler. Es war niemand da, der den Sprung über die Klippe | |
| verhindert hätte. Wer sollte das auch sein!? | |
| These 2, die ketzerische: Das Team hatte deutlich erkennbare konditionelle | |
| Schwächen, ja sogar physische Nachteile. Sie konnten im Endspiel nicht | |
| mehr. Das Funktionsteam hat versagt. Wie ausgelaugt schleppten sie sich im | |
| Finalspiel über den Platz. Der Raubbau an der eigenen Physis war evident. | |
| Bereits im Halbfinale war das DFB-Team den Türken läuferisch unterlegen. | |
| Was sie in den beiden letzten Spielen an Konditionsstärke zeigten, war | |
| erstaunlich schwach. Dabei arbeiten zig Konditions-, Fitness-, Wellness- | |
| und Psychotrainer im DFB-Stab. | |
| Haben sie Mist gemacht? War die Saison für die Spieler doch zu lang? Der | |
| Vorsprung durch Fitness, war es nur eine Mär, gutes Marketing? Fakt ist: | |
| Die Mannschaft hatte nicht die Kraft für sechs EM-Spiele. Jetzt könnte man | |
| einräumen, dass auch dem laufstärksten Team, den Russen, im Halbfinale die | |
| Puste ausgegangen ist. Aber man sollte nicht vergessen, dass die DFB-Elf | |
| stets ohne Verlängerung auskam und in den letzten beiden Spielen einen Tag | |
| mehr Vorbereitungszeit aufs Match hatte. Das Timing hat nicht gestimmt. Das | |
| größte Pfund, die Fitness und damit das physische Spiel, war keins mehr. | |
| Wie kann es sein, dass im Finale der defensive Mittelfeldspieler Torsten | |
| Frings nur ein bisschen mehr als neun Kilometer zurücklegt, wo doch auf | |
| seiner Position elf Kilometer gefordert werden? Warum lässt sich der | |
| sprintschnelle Philipp Lahm beim 0:1 derart von Stürmer Fernando Torres | |
| austricksen? Tja, warum? Sie waren ganz einfach am Limit. Ausgepowert. Mehr | |
| ging nicht. | |
| These 3, die zukunftsweisende: Das Team hat seinen Zenit überschritten. | |
| Möglicherweise geht es jetzt erst einmal abwärts. Sie sind schon länger | |
| zusammen als man denkt, Michael Ballack, Torsten Frings, Miroslav Klose, | |
| Christoph Metzelder, Oliver Neuville und auch der auf der "Bergtour" | |
| verletzungsbedingt absente Bernd Schneider. Seit 2002 bilden sie den Stamm | |
| der Mannschaft. Diese Generation wird wohl an Einfluss verlieren, die | |
| 2004er-Generation um Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Philipp | |
| Lahm muss mehr Verantwortung über nehmen. Gleiches gilt für die 2006er | |
| Thomas Hitzlsperger und Marcell Jansen. Der Umbruch könnte zu ein paar | |
| Problemen führen, wie es bei hierarchischen Umschichtungen ja nicht selten | |
| ist. | |
| Der Hinweis von Hitzlsperger, in dieser Mannschaft stecke viel Potenzial, | |
| ist so falsch nicht, nur muss das Team weiter an seiner Qualität arbeiten, | |
| härter denn je. Tut sie es nicht, droht ein konjunktureller Abschwung, der | |
| sich in Österreich und der Schweiz bereits andeutete. "Wir hatten | |
| spielerisch nicht immer die hohe Qualität, die wir in den vergangenen zwei | |
| Jahren häufig hatten", hat Bundestrainer Joachim Löw gesagt und tiefer | |
| gehende Analysen abgelehnt. Vielleicht lags am Wust der Defizite, dass er | |
| sich Bedenkzeit erbat. In der WM-Qualifikation muss die DFB-Elf nun gegen | |
| Russland, Finnland, Wales, Aserbaidschan und Liechtenstein ran. Die gute | |
| Nachricht: Am 6. September dürfen Jogis Burschen ganz viele Tore im | |
| liechtensteinischen Steuerparadies schießen. | |
| 30 Jun 2008 | |
| ## AUTOREN | |
| Markus Völker | |
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