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# taz.de -- Rettungsgeld für Banken: Jede Landesbank fleht für sich selbst
> Aus Angst vor Verlusten wollte zunächst keine Bank allein um Hilfe vom
> Staat bitten. Aber eine gemeinsame Aktion gibt es nicht: Denn die Banken
> sind untereinander zerstritten.
Bild: Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart: "Kein Bedarf an frisch…
DÜSSELDORF taz Vom 500 Milliarden Euro schweren Banken-Rettungspaket der
Bundesregierung will Siegfried Jaschinski, Vorstandsvorsitzender der
Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), nichts wissen. Die größte deutsche
Landesbank habe "keinen Bedarf" an frischem Geld, stehe "in puncto
Liquidität und Eigenkapital im Branchenvergleich sehr gut" da, erklärte der
verärgerte Jaschinski schon am vergangenen Mittwoch.
Der Grund für den Wutausbruch des Staatsbankers: In einer aktuellen Stunde
des Landtags hatte Nordrhein-Westfalens CDU-Finanzminister Helmut Linssen
öffentlich erklärt, die Stuttgarter Landesbank wolle "offensichtlich als
erste in den Fonds kommen". Linssen habe keine Ahnung, konterte Jaschinski.
Der Christdemokrat, der in Berlin mit Bundesminister Peer Steinbrück (SPD)
über das Rettungspaket verhandelt hatte, sei "falschen Informationen
aufgesessen".
Das Wortgefecht ist für den völlig zerstrittenen Sektor der
öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken typisch. Zwar sind die
Zentralinstitute der Sparkassen vielfach miteinander verwoben - doch nicht
einmal im Umgang mit den Banken-Rettungspaket können sich die Landesbanken
auf eine gemeinsame Linie einigen. Selbst von ein Krisentreffen des
Vorstands des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) am Montag
brachte kein gemeinsames Vorgehen: Welche Landesbanken die Milliardenhilfe
des Bundes nutzen, wird "im Einzelfall in Verantwortung des jeweiligen
Instituts" festgelegt, so der Giroverband in einer nach dem Treffen
verbreiteten schriftlichen Stellungnahme. Die rund 50 Vorstände, die 446
Sparkassen, sieben Landesbanken und zehn Landesbausparkassen vertreten,
würden bei dem Treffen lediglich "informiert", hieß es schon vorab
beschwichtigend vom DSGV. "Ein gemeinsames Vorgehen ist sehr, sehr
unwahrscheinlich."
Von der Finanzkrise weniger getroffene Institute wie die LBBW, die
niedersächsische NordLB oder die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)
wollen nämlich keine Schwäche zeigen. "NordLB und Helaba stehen von den
Landesbanken am besten dar", so Niedersachsens CDU-Finanzminister Hartmut
Möllring. "Ich kann nicht erkennen, warum es für uns reizvoll sein könnte,
einen gemeinsamen Rettungsschirm für die Landesbanken zu machen."
Doch unter den möchten angeschlagene Landesbanken wie die BayernLB, die
Hamburger HSH Nordbank und wohl auch Linssens nordrhein-westfälische WestLB
am liebsten schlüpfen - die Bayern brauchen schnell mindestens drei
Milliarden Euro, die Hamburger müssen wegen der Finanzkrise mindestens 1,3
Milliarden Euro abschreiben. "Wir sind dafür, dass die Garantien genutzt
werden. Wir würden es aber sehr begrüßen, wenn es zu einer gemeinsamen
Aktion aller Banken kommt", sagte ein HSH-Sprecher: Sollten nur einige
Landesbanken die Hilfe des Bundes in Anspruch nehmen, stünden sie am Markt
als "schwach" dar, warnen Insider bereits. Kunden könnten weiteres
Vertrauen verlieren, Kapital abziehen und BayernLB & Co. Noch weiter in die
Verlustzone drücken.
Dabei haben Institute wie die Düsseldorfer WestLB schon heute kein
funktionierendes Geschäftsmodell: Die Funktion als Landeszentralbank
verschwand auf Druck der europäischen Kommission, für die Arbeit als
regionaler Wirtschaftsförderer ist die Bank überdimensioniert - und den
einst als Rettung gepriesenen Ausflug ins Investmentbanking musste die
WestLB teuer bezahlen. Gegenüber der taz verwies ein Sprecher daher
kleinlaut auf Bürgschaften in Höhe von fünf Milliarden Euro, mit denen das
Land NRW die Bank bereits Anfang des Jahres vor der Pleite bewahren musste:
"Dieser Rettungsschirm schützt uns bereits vor wesentlichen Auswirkungen
der Finanzkrise."
Doch die Düsseldorfer Staatskanzlei sucht bereits nach Partnern für die die
WestLB. Deren Chef Heinz Hilgert verhandelt schon mit dem
Sparkassen-Fondsdienstleisters DekaBank über eine Teilfusion. Der
baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider dagegen träumt
von einer Expansion der LBBW hin zu einer neuen "Südbank": Mit der Bayern
LB würden die Stuttgarter die SaarLB gleich mit übernehmen - die Münchner
halten 75,1 Prozent der Saarländischen Landesbank. Bereits im vergangenen
Jahr hatten die Stuttgarter die von der Pleite bedrohte Sachsen LB
übernommen. Für außerbilanzielle Risiken in Höhe von 2,5 Milliarden Euro
aber bürgt das Land Sachsen. Selbst die Übernahme von Teilen der WestLB ist
für Schneider denkbar -- sehr zum Ärger von NRW-Finanzminister Linssen, der
Düsseldorf als wichtigen öffentlich-rechtlichen Bankenplatz erhalten
möchte.
Konfrontation statt Zusammenarbeit also - verhindern könnte das lediglich
die Bundesregierung, ist aus dem Sparkassenverband DSGV zu hören. "Es wäre
besser gewesen, die Kreditwirtschaft insgesamt zur Annahme des
Rettungspaktets zu zwingen." Schließlich stritten auch Privatbanken um den
richtigen Umgang mit der Milliardenhilfe. Der Vorstandsvorsitzende der
Commerzbank, Martin Blessing, will die Teilnahme an dem Rettungspaket
zumindest prüfen. Für Josef Ackermann, Chef des Platzhirschs Deutsche Bank,
steht dagegen schon fest: "Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise
Staatsgeld annehmen würden."
20 Oct 2008
## AUTOREN
Andreas Wyputta
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