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# taz.de -- Kommentar zum Einzelhandel: Boykottieren bringt nichts
> Weil viele Festangestellte abends zu teuer sind, werden sie im
> Einzelhandel durch billigere Kräfte ersetzt. Als Kunde kriegt man
> angesichts dieser Umstände ein schlechtes Gewissen.
Bild: Einkaufen auch nach 20 Uhr: praktisch für die Kunden, schlecht für die …
Die vor zwei Jahren vom Senat beschlossene Ausweitung der
Ladenöffnungszeiten ist gerade für arbeitende Berliner eine angenehme
Sache: Man braucht sich nicht mehr zu hetzen, will man erst nach Feierabend
noch etwas einkaufen. Nur für die Verkäuferinnen und Verkäufer ist die
Sache bekanntlich weniger angenehm. Sie müssen mit stark wechselnden
Schichten klarkommen. Weil viele Festangestellte abends zu teuer sind,
werden sie zudem durch billigere Kräfte ersetzt. Als Kunde kriegt man
angesichts dieser Umstände ein schlechtes Gewissen.
Sollte man deshalb auf das Einkaufen am Abend verzichten? Schließlich lässt
sich über die Nachfrage das Angebot regeln. Wenn viele Leute Supermärkte
und Kaufhäuser nach, sagen wir, 19 Uhr nicht mehr beträten, würden die bald
wieder zeitig schließen.
Theoretisch könnte eine solche konsequente Abstimmung mit den Füßen dazu
führen, dass die langen Öffnungszeiten wieder verkürzt würden. Doch
abgesehen davon, dass viele Berliner auf den Service nicht mehr verzichten
wollen - letztlich hätte niemand etwas davon. Am wenigsten die billigen
Arbeitskräfte: Sie würden nur ihren Job verlieren.
Das alte Dilemma: Boykottiert man Firmen, die Menschen zu schlechten
Bedingungen und niedrigen Löhnen beschäftigen, schadet man nicht nur dem
Unternehmen. Man bringt auch jene, die man eigentlich schützen will, um
ihre Arbeitsstelle. Zu deren Ärger: Könnten sie woanders besser ihr Geld
verdienen, sie wären längst weg.
Was also lässt sich tun? Die Gewerkschaften stehen Entwicklungen wie der im
Einzelhandel häufig ohnmächtig gegenüber. Um Lohndumping zu verhindern,
hilft - wieder einmal - nur ein gesetzlicher Mindestlohn.
12 Dec 2008
## AUTOREN
Antje Lang-Lendorff
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