| # taz.de -- Kommentar Kanzlerin: Merkels Schwachstellen | |
| > Bei der Vorstellung des CDU/CSU-Programms drückt sich Angela Merkel um | |
| > die Atomfrage. | |
| Wie sie sich die Zeit bis zur Bundestagswahl vorstellt, ließ die Kanzlerin | |
| bei der Vorstellung des CDU/CSU-Programms deutlich erkennen. Es gehe "nicht | |
| um das Wir einer Partei, sondern um das Wir eines ganzen Landes", sagte sie | |
| da - und rief aus: "Macht alle mit!" Von einem Wahl-"Kampf" im engen Sinn | |
| des Wortes war jedenfalls nicht die Rede. | |
| Da sind Themen gefährlich, die allzu sehr polarisieren. Dazu zählt die | |
| Atomfrage. Die Zahlen von Befürwortern und Gegnern schwanken in Umfragen | |
| zwar beträchtlich, je nach genauer Fragestellung und aktueller Themenlage. | |
| Selbst auf dem Höchststand der Energiepreise im vorigen Sommer sprachen | |
| sich aber immer noch 40 Prozent der Bevölkerung gegen längere Laufzeiten | |
| aus. Für die Mobilisierung einer rot-grünen Kernwählerschaft, die sich | |
| SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel jetzt erhofft, reicht das trotz mancher | |
| Selbstzweifel über die künftige Energiepolitik allemal aus - im Unterschied | |
| zu den Versuchen, veraltete Industrien mit Steuergeldern am Leben zu | |
| halten. | |
| Die Gefahr für Merkel liegt vor allem in der Verknüpfung des Atomthemas mit | |
| der Perspektive, das Wahlergebnis im Herbst könne eine schwarz-gelbe | |
| Koalition ermöglichen oder erzwingen. In einer neuerlichen großen Koalition | |
| oder gar bei schwarz-grünen Gedankenspielen wäre der Unionswunsch nach | |
| längeren Laufzeiten vor allem Verhandlungsmasse. Einen Verzicht würde sich | |
| die Union bezahlen lassen. | |
| Bislang hat Merkel hauptsächlich davon profitiert, dass sie der Konkurrenz | |
| ein Thema nach dem anderen wegnehmen konnte. Das geschah teils | |
| absichtsvoll, teils ließ sie sich zu ihrem Glück auch zwingen. So stürzte | |
| seinerzeit der Wunsch ihres Parteifreundes Jürgen Rüttgers, das | |
| Arbeitslosengeld für Ältere wieder zu verlängern, den sozialdemokratischen | |
| Koalitionspartner in jene heillose Verwirrung, von der er sich bis heute | |
| nicht erholen konnte. | |
| In Richtung wirtschaftsliberale Klientel blinkt das aktuelle Wahlprogramm | |
| nur noch in zwei Fragen - mit dem Versprechen auf weitere Steuersenkungen, | |
| mit dem sich die Kanzlerin schon genügend Ärger eingehandelt hat, und eben | |
| dem Wunsch nach längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke. Beide Themen können | |
| für Merkel unangenehm werden, wenn sie mit der FDP regieren und ihre | |
| Wahlversprechen auch umsetzen muss. | |
| 6 Jul 2009 | |
| ## AUTOREN | |
| Ralph Bollmann | |
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