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# taz.de -- Fall Strauss-Kahn in New York vor Ende: Als freier Mann zurück nac…
> Die Staatsanwalt New York hat im Fall Strauss-Kahn für Montag das
> Zimmermädchen einbestellt, das dem Franzosen versuchte Vergewaltigung
> vorwirft. Das Ende der Affäre scheint nah.
Bild: Alles hängt an der Glaubwürdigkeit: Der Fall Strauss-Kahn steht vor dem…
NEW YORK dpa | Für Dominique Strauss-Kahn steigen die Chancen, schon bald
als freier Mann in seine Heimat zurückkehren zu können. In dem New Yorker
Verfahren um versuchte Vergewaltigung bestellte Oberstaatsanwalt Cyrus
Vance das mutmaßliche Opfer für Montag zu einer Besprechung in sein Büro.
Kenneth Thompson, der Anwalt des Zimmermädchens Nafissatou Diallo, wertete
in der New York Times die Vorladung als weiteres Indiz dafür, dass Vance
die Anklage gegen Strauss-Kahn in Kürze zurückziehen will.
"Meine Interpretation ist, dass sie (die Staatsanwaltschaft) sie (Diallo)
vom Ende der Klage oder der Aufgabe einiger Anklagepunkte informieren
will", wurde Thompson in der Sonntagausgabe der Zeitung zitiert. "Es gäbe
keinen Grund, sie (Diallo) zu treffen, wenn sie (die Kläger) nicht den
Rückzug antreten wollten", spekulierte der Anwalt.
Die 32-jährige Diallo aus dem westafrikanischen Guinea hatte Strauss-Kahn
(62) bezichtigt, ihr in seiner Hotelsuite sexuelle Gewalt angetan zu haben.
Ihre Aussage wird angezweifelt, seit sie sich bei der Vernehmung in
Widersprüche und nachweisbare Lügen verstrickte. Die mangelnde
Glaubwürdigkeit der einzigen Zeugin wäre der entscheidende Grund für das
Ende des Verfahrens. Vance müsste die Schuld von Strauss-Kahn zweifelsfrei
nachweisen können, um den spektakulären Prozess zu gewinnen und sein
Gesicht nicht zu verlieren will. Strauss-Kahn hatte sich in allen
Anklagepunkten für "nicht schuldig" erklärt.
Nach Meinung von Rechtsexperten in Manhattan, wo das Verfahren unter dem
Titel "People v. Strauss-Kahn, 11-02526, New State Supreme Court"
verhandelt wird, dürfte die Staatsanwaltschaft bereits an diesem Dienstag
(23. August) das Aus erklären. An diesem Tag wird Strauss-Kahn um 11 Uhr
Ortszeit (17 Uhr MESZ) zur nächsten Anhörung in der Kammer von Michael Obus
am Strafgericht des Staates New York in Manhattan erwartet. Der 62-jährige
Franzose stand bis zu der Anklage in New York als Chef des
Weltwährungsfonds (IWF) in Amt und Würden und galt als aussichtsreichster
Kandidat der Sozialisten bei der nächsten Wahl des französischen
Präsidenten. Er trat von seinem IWF-Posten zurück, als er wegen der
Beschuldigung des Zimmermädchens, es zum Oralsex gezwungen zu haben,
festgenommen wurde und auf einer Gefangeneninsel im East River hinter
Gittern saß.
Die Aussicht auf seine baldige Rückkehr auf die Polit-Bühne wurde bei
politischen Weggefährten in Frankreich zunächst mit Zurückhaltung
aufgenommen. Der sozialistische Bürgermeister von Sarcelles, François
Pupponi, mahnte: "Wir sollten sehr vorsichtig sein." Es gelte, zunächst die
Entscheidung der Justiz abzuwarten. Danach sei zu hoffen, dass auch die
Medien ihre Berichterstattung über den Fall reduzieren würden.
## Alles hängt an der Glaubwürdigkeit
Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg befragte ehemalige Staatsanwälte
in New York nach ihrer Einschätzung des Falls. Ein Ex-Ankläger von
Manhattan, Thomas Curran, sagte Bloomberg: "Am Ende ist nur entscheidend,
was in jenem Hotelzimmer passierte und ob es eine kriminelle Tat war.
Deshalb hängt alles an der Glaubwürdigkeit der Frau."
Vance ist nach Worten von Curran verpflichtet, die Klage zurückzuziehen,
wenn er nicht voll von allen Anklagepunkten überzeugt ist. Eine
entsprechende Erklärung könne Vance mündlich oder auch schriftlich abgeben,
sagte Curran. Vances Sprecherin, Erin Duffan, lehnte eine Stellungnahme ab.
Strauss-Kahn war noch im Mai gegen Kaution und Bankbürgschaften in
Millionenhöhe aus der Haft in Hausarrest unter strikten Auflagen entlassen
worden. Nach ausführlichen Vernehmungen ihrer einzigen Zeugin gab die
Anklage Zweifel an deren Aussagen zu. So soll sich Diallo auch zu dem
Tathergang in einzelnen Punkten widersprochen haben.
Strauss-Kahn wurde Anfang Juli vom Hausarrest befreit und kann sich seitdem
frei in New York bewegen, durfte aber die USA nicht verlassen. Wenn
Thompson und die befragten Experten recht behalten, dürfte er schon am
Dienstag seine Pässe zurückerhalten und nach Paris abfliegen.
21 Aug 2011
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