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# taz.de -- FDP-Entscheidung für Gauck: Unionsspitze drohte mit Koalitionsbruch
> Das FDP-Präsidium hatte Gauck einstimmig für das Amt des
> Bundespräsidenten nominiert. Darauf reagierte die Unionsspitze laut
> FDP-Chef Rösler heftig und drohte mit Koalitionsbruch.
Bild: Am Ende konnten doch alle wieder lachen.
BERLIN afp | FDP-Chef Philipp Rösler hat bestätigt, dass die Union im
Streit um die Nominierung von Joachim Gauck zum Kandidaten für das
Bundespräsidentenamt mit der Aufkündigung der Koalition gedroht hat. "Die
Möglichkeit, die Koalition zu beenden, ist von der Union mehrfach genannt
worden", sagte Rösler der Welt. Dennoch sehen sowohl Rösler als auch
Unionsspitzen die weitere Zusammenarbeit nicht als gefährdet an.
Die Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf das einstimmige
Votum des FDP-Präsidiums für Gauck am Sonntagnachmittag sei "scharf"
gewesen, sagte Rösler. Schließlich sei "dieses dramatische Zwischenspiel"
aber mit der Zustimmung der Union zu Gauck beendet worden. Das Vertrauen in
der Koalition sei nicht zerstört, sagte der Vizekanzler und
Bundeswirtschaftsminister. Eine eigenständige Partei wie die FDP habe auch
eine eigene Position. Eine funktionierende Koalition meistere "Situationen,
wo auch Eigenständigkeit gefragt ist, immer souverän".
Auch an der Spitze der Unionsfraktion wird das Koalitionsklima nicht als
nachhaltig gestört bewertet. "Die Koalition ist handlungsfähig und wird das
bei den anstehenden Entscheidungen unter Beweis stellen", sagte der
Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier, der
Rheinischen Post.
Zwar sei die Festlegung der FDP auf den früheren DDR-Bürgerrechtler Gauck
für die Union unerwartet gekommen und "zumindest ungewöhnlich" gewesen,
räumte Altmaier angesichts zahlreicher Unmutsäußerungen von CDU-Politikern
über den FDP-Alleingang ein. Dadurch sei die Zusammenarbeit von
Schwarz-Gelb aber nicht beschädigt worden. "Die Arbeit der Koalition wird
erfolgreich weitergehen", sagte der CDU-Politiker Altmaier.
## Die Würde des Amts
Die Kritik aus der Union am Koalitionspartner hielt aber weiter an. "Ich
finde es beachtlich, dass sich die Liberalen mit SPD und Grünen ins Bett
legen", sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister (CDU) dem Kölner
Stadt-Anzeiger vom Dienstag. "So weit ich weiß, haben wir noch eine
Koalition mit der FDP."
Den Vorwurf der Opposition, die in Umfragen deutlich unter fünf Prozent
liegende FDP habe mit ihrem Vorpreschen lediglich von der Beliebtheit
Gaucks profitieren wollen, wies Parteichef Rösler zurück. "Uns ging es um
Würde und Autorität des höchsten Amtes", sagte er der Welt. "Wenn es uns um
die FDP gegangen wäre, hätten wir mit diesen Umfragewerten sicher keine
Neuwahlen riskiert." Wichtig sei, dass sich die Bevölkerung Gauck als neuen
Bundespräsidenten wünsche.
Die FDP hatte 2010 ebenso wie die Union in der Bundesversammlung
mehrheitlich gegen den damals von SPD und Grünen nominierten Gauck
gestimmt. Nach dem Rücktritt des damaligen Siegers Christian Wulff soll der
parteilose Gauck nun am 18. März zum Bundespräsidenten gewählt werden.
Diesmal tritt der 72-Jährige als gemeinsamer Kandidat von CDU/CSU, FDP, SPD
und Grünen an.
21 Feb 2012
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