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# taz.de -- Nachruf: Dirk Wildt
> Pressefotograf, Journalist, Mentor, Finanzcontroller, Pressesprecher,
> Vater, Ehemann, Freund, Kreuzberger – und früherer taz-Kollege: Dirk
> Wildt überstieg Grenzen und wurde nur 62 Jahre alt.
Bild: Aufgenommen im Juni 1995: taz-Kolleg*innen erinnern besonders dieses mark…
[1][Aus der taz] | Wir können, wollen es nicht glauben, aber wahr ist:
Urplötzlich ist vor wenigen Tagen unser Freund und früherer Kollege Dirk
Wildt an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde nur 62 Jahre alt. Sein
Lebensweg war eng mit der taz verbunden.
Nach Abitur und Taxischein begann er mit 19 als autodidaktisch
ausgebildeter Pressefotograf bei der taz Hamburg. Er sei „so ziemlich der
einzige gutgelaunte Mitarbeiter“ gewesen damals, erinnern sich frühere
KollegInnen.
In den späteren achtziger Jahren wechselte Dirk zur taz nach Berlin, er
wollte zu neuen Ufern. Er fühlte sich wohl in der Zentrale unserer
Tageszeitung.
In der Nacht des 9. November 1989 fotografierte er für die taz den
Mauerfall, sattelte aufs Redakteursfeld um, wurde taz-Korrespondent für das
Berliner Abgeordnetenhaus und nahm, mittlerweile alter Hase, einige
taz-Neulinge an die Hand, auch den Autor dieser Zeilen.
Erstaunlich, wie Dirk immer wieder seinen Berufsweg änderte. Weil er sich
inzwischen mit Finanzpolitik und Statistiken auskannte, kreierte er
erstmals die Stelle eines Finanzcontrollers in der taz, die er auch gleich
selbst einnahm – oft nicht zur Freude der Geschäftsführer.
## Pressesprecher und Finanzcontroller
Die Berliner SPD-Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing heuerte Dirk
schließlich als ihren Pressesprecher an. Mit liebevollem Lächeln ob der
Erinnerungen an Dirk erzählen Kollegen in der taz, dass, als er in
Dienstzeit bei Fugmann-Heesing war, sich beide zum Verwechseln ähnlich
sahen: „Schwester Vokuhila“, aber das in Würde.
Als man unseren Kollegen deshalb anflachste, erwiderte er nur: „Wer hat,
der hat!“, woraufhin sein schlagfertiger Kommentar mit Gelächter
kommentiert wurde. Im Grunde, ließe sich sagen, hatte Dirk das Charisma auf
den zweiten Blick – und dann umso inniger.
Zur Jahrtausendwende profitierte dann der Berliner Tagesspiegel ebenso von
seinem Durchblick als Finanzcontroller. Aber besser fühlte er sich beim
selbstständigen Arbeiten: Dirk war ein unternehmerischer, fast
amerikanischer Charakter, gründete später eine Firma für
Internetdienstleistungen, dann für Datenbankprogrammierung.
## „Papa for Future“
Mit seiner Frau, der Puppenspielerin Annika Pilstl, zog Dirk nach Bayern,
sie bekamen dort zwei Söhne. Seit Jahren engagierte er sich dort als grüner
Lokalpolitiker im Landkreis Passau.
„Papa for Future“ lautete sein Wahlmotto. Die Ablehnung der Atomkraft und
der Schutz des Klimas gehörten für ihn zusammen. Ungerechtigkeiten störten
Dirk sehr.
So initiierte er einst Mitte der neunziger Jahre [2][eine am Ende
erfolgreiche Klage gegen die Praxis], dass der damalige Berliner
Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) ausgewählte JournalistInnen zu
Dienstreisen einlud, gratis – auf Kosten des Senats und des Sponsors der
Lufthansa.
Als Journalist war er in dieser Hinsicht pingelig, ja geradezu unerbittlich
und angstfrei. Autoritäten galten ihm nichts.
Man konnte sehr hart mit ihm streiten. Aber das zeichnete ihn als Menschen
aus: Man konnte sich mit ihm auch wieder von Herzen vertragen. Und feiern,
das ging mit ihm wirklich.
Der erfahrene Kreuzberger WG-Bewohner wusste, wie das geht. Wir sind
traurig.
30 Jul 2025
## LINKS
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## AUTOREN
Hannes Koch
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