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# taz.de -- heute in hamburg: „Uns wird das Vertrauen entzogen“
Interview Lukas Door
taz: Frau Nas, verbirgt sich hinter dem Gesetz zur Regelung des
Erscheinungsbildes von Beamt*innen ein Kopftuchverbot?
Özlem Nas: Das hängt davon ab, wie die einzelnen Bundesländer mit dieser
Ermächtigungsgrundlage umgehen. Das Gesetz kommt einem Berufsverbot gleich
und ermöglicht die Diskriminierung auf Basis äußerlicher religiöser
Merkmale. In einigen Fällen wird das zu einem Kopftuchverbot führen. Für
Hamburg bin ich momentan zuversichtlich. Die Schura Hamburg hat einen
Vertrag mit der Stadt abgeschlossen, in dem die religiöse Kleidung der
muslimischen Frau explizit geschützt wird. Wir sind dadurch in einer
Sondersituation. Bundesweit sendet das Gesetz nichtsdestotrotz ein sehr
negatives Signal im Hinblick auf den Stellenwert der muslimischen Frau. Es
suggeriert, dass wir für manche Berufe nicht geeignet seien. Wegen
Vorurteilen ist es als muslimische Frau ohnehin schon schwer, bestimmte
Berufe in Deutschland auszuüben. Das Gesetz verstärkt diese Tendenzen
natürlich. Das ist schwer verdaulich.
Sehen Sie dieses Gesetz als potenziellen Angriff auf die muslimische Frau?
Ausschlaggebend für das Gesetz waren ja eigentlich rechtsextreme
Tätowierungen. Es ist sehr bedauerlich, dass direkt versucht wird, das
Kopftuch in den gleichen Topf zu werfen. Die gleichberechtigte Teilhabe am
Arbeitsmarkt wird für muslimische Frauen unmöglich gemacht. Das hat mit
Demokratie und Vielfältigkeit herzlich wenig zu tun.
Wer wäre konkret betroffen?
In Hamburg arbeiten einige verbeamtete Lehrerinnen, die Kopftücher tragen.
Sollte Hamburg diesem Gesetz folgen, würde das für diese Frauen bedeuten,
dass sie ihren Beruf nicht mehr ausführen könnten – unabhängig von ihrer
Qualifikation. Aufgrund des Aussehens wird uns also Vertrauen und auch der
Beruf entzogen sowie ein bestimmtes Weltbild unterstellt. Muslimische
Frauen werden hier von oberen gesellschaftlichen Ebenen verdrängt.
Appellieren Sie also an die Landesregierungen?
Genau. Man muss mit jedem Bundesland in Dialog treten. Deswegen haben wir
auch sofort den Senat und die religionspolitischen Sprecher*innen
kontaktiert. Wenn wir aus repräsentativen Berufen mit Vorbildcharakter
ausgeschlossen werden, spielen wir Rassisten genau in die Hände. Die
Diskriminierung muslimischer Frauen darf nicht einfach schulterzuckend
hingenommen werden.
27 May 2021
## AUTOREN
Lukas Door
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