| # taz.de -- „Literatur in ein jüngeres Setting rücken“ | |
| > So divers wie möglich, so digital wie nötig: Eine Reihe des | |
| > Literaturbüros Lüneburg will nicht etablierte AutorInnen fördern | |
| Interview Moritz Klindworth | |
| taz: Frau Haase, bekommen junge AutorInnen nicht schon genug Beachtung? | |
| Julia Haase: Nein. Es fällt auf, dass im deutschen Literaturbetrieb den | |
| etablierten, meist auch männlichen AutorInnen Aufmerksamkeit geschenkt | |
| wird. Vor allem Christian Kracht mit seiner Neuerscheinung ist gerade | |
| gefragt – nicht Debuts, die von jungen AutorInnen vorgelegt werden. Das | |
| finde ich schade und würde gern gegensteuern. | |
| Welche Ziele verfolgt die Reihe „aufbrüche/junge Literatur 2021“, die Sie | |
| inhaltlich verantworten? | |
| Ich möchte das Publikum erweitern und Literatur jüngeren Menschen | |
| zugänglich machen. Literatur ist ein wichtiger Teil unserer | |
| Gegenwartskultur. Auch möchte ich junge AutorInnen unterstützen. | |
| Und wie wollen Sie das junge Publikum erreichen? | |
| Einmal ist die Auswahl der Werke zentral. Ich habe den Fokus auf junge | |
| AutorInnen, aber auch auf junge Themen gelegt. Durch junge AutorInnen | |
| können Perspektiven auf die Gegenwart erweitert werden. Das ist ansprechend | |
| für junge Menschen. Daneben ist die Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Wir | |
| machen viel auf Social Media und haben die erste Lesung [1][in Form eines | |
| Livestreams] geplant. Der wird aus dem „Salon Hansen“ übertragen – einem | |
| Klub, den Studierende und junge Menschen besuchen. Die Literatur in ein | |
| jüngeres Setting zu rücken, ist hoffentlich ansprechend. | |
| Wie groß ist die Spannweite der gelesenen Texte? | |
| In der Reihe sind mehrere Gattungen vertreten und sie besteht nur aus | |
| Neuerscheinungen aus dem Frühjahr. Mit Joshua Groß haben wir einen | |
| Erzählband. Danach folgt ein Lyrikabend mit Juliane Liebert und Arne | |
| Rautenberg und abschließend ein Sachbuch von Carolin Wiedemann. | |
| Auch wissenschaftliche Literatur ? | |
| Das Sachbuch ist wissenschaftlich fundiert, hat aber keinen akademischen | |
| Ton. Sachbücher sind gut, wenn sie möglichst viele Menschen abholen. Das | |
| schafft Carolin Wiedemann: Ihr Buch handelt davon, wie sich | |
| queerfeministische Bewegungen für ein faireres Gesellschaftssystem | |
| einsetzen. | |
| Welche Rolle spielt Diversität für das Programm? | |
| Diversität ist wichtig gewesen. Einerseits habe ich es ganz gut geschafft, | |
| andererseits gibt es Nachholbedarf für eine neue Reihe. Wir haben jetzt | |
| zwei männlich gelesene, aber auch zwei weiblich gelesene AutorInnen. | |
| Allerdings sind alle weiß, darauf würde ich beim nächsten Mal gern besser | |
| achten. | |
| Nach welchen Kriterien wählen Sie die AutorInnen aus? | |
| Auf Basis der Verlagsvorschauen und der Präsenz der AutorInnen und Werke | |
| auf Social Media. Joshua Groß ist eine junge Stimme in der | |
| Gegenwartsliteratur, das hat er mit „Flexen in Miami“ schon gezeigt. An | |
| seinem Buch „Entkommen“ reizt mich die Mischung aus futuristischen | |
| Zukunftvisionen und kritischen Zeitdiagnosen zum Spätkapitalismus. Auch | |
| beansprucht er für sich nicht immer einen Authentizitätsanspruch: Es muss | |
| nicht alles so wiedergegeben werden, wie es in Realität ist. | |
| Lesung und Gespräch mit Joshua Groß (Moderation: Miriam Zeh): Di, 18. 5., | |
| 19.30 Uhr, Livestream (gegen Spende) auf www.literaturbuero-lueneburg.de; | |
| weitere Termine dann eventuell vor Ort – je nach Coronalage | |
| 15 May 2021 | |
| ## LINKS | |
| [1] https://dringeblieben.de/videos/joshua-gro-liest-entkommen-aufbruchejunge-l… | |
| ## AUTOREN | |
| Moritz Klindworth | |
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