# taz.de -- heute in hamburg: „Die EU ist ein Wert an sich“ | |
Interview David Günther | |
taz: Frau Peltonen, sind Sie glücklich, EU-Bürgerin zu sein? | |
Helena Peltonen: Ja. Mein ganzes Leben hatte ich Vorteile von diesem | |
Zusammenwachsen von Europa. Ich habe in vielen Ländern gewohnt. Nicht nur | |
in Finnland, sondern auch in Belgien, Luxemburg und natürlich Deutschland. | |
All das hat mein Leben sehr bereichert. | |
Sie stellen morgen das Buch der Autorin Ute Scheub vor: „Europa- Die | |
unvollendete Demokratie“, in dem die EU auch kritisiert wird. | |
Das Buch kritisiert vieles, weil es viel zu verbessern gibt. Der größte | |
Kritikpunkt ist, dass die kleinen Regionen wenig Bedeutung haben. Darunter | |
leidet die EU. Die Bürger sind der wichtigste Bestandteil der politischen | |
Konstruktion. Wenn sie ignoriert werden und nur abstrakte, intransparente | |
Institutionen agieren, dann verliert man die Bodenhaftigkeit und die | |
Grundidee der Demokratie. Dasselbe gilt auch für die Regionen. Wir haben | |
zwar in der EU das Prinzip der Subsidiarität, wir leben es nur nicht so. | |
Alles, was auf regionaler Ebene geregelt werden kann, sollte auch dort | |
geregelt werden. | |
Der Begriff des „Europäischen Hauses“ ist im Buch sehr wichtig. Warum? | |
Ute Scheub hat das Europäische Haus wie ein normales Haus beschrieben und | |
so die EU mit Begriffen erklärt, die jeder verstehen kann. | |
Was halten Sie von dem Bild? | |
Ich hatte vergessen, dass Gorbatschow diesen Begriff geprägt hat. Aber ich | |
finde dieses Bild sehr gelungen. Das hilft dem Leser sehr viel und | |
ermöglicht es, die komplexen Strukturen gut zu verstehen. Der Leser kann | |
sowohl die Kritik als auch die Vorschläge für die Zukunft Europas leicht | |
nachvollziehen. | |
Warum ist das Buch jetzt vor der EU-Wahl so wichtig? | |
Es hätte auch zur letzten EU-Wahl herauskommen können. Bei der diesjährigen | |
EU-Wahl geht es um die Demokratie in der ganzen EU. Viele der Themen, die | |
im Buch angesprochen werden, waren auch in den Jahren zuvor virulent. Doch | |
während der letzten Jahre ist sehr deutlich geworden, wie sehr das | |
Nichtbeachten der kleinen Strukturen zu einer Radikalisierung führen kann | |
und die Demokratie an sich in Gefahr bringt. Jetzt ist der Zeitpunkt, in | |
der jeder von uns nachdenken sollte, was wir an Europa eigentlich haben. | |
Die EU ist ein Wert an sich, obwohl sie dringend einer Modernisierung | |
bedarf. Und Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss immer | |
wieder neu erobert werden, in Deutschland und in der EU. | |
27 Feb 2019 | |
## AUTOREN | |
David Günther | |
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