| # taz.de -- Leichte Sprache: Wohin mit meiner Stimme? | |
| > Fatma Aydemir ist 30 Jahre alt und wählt zum ersten Mal in Deutschland. | |
| > Aber welche Partei passt zu ihr? | |
| Bild: Fatma Aydemir weiß noch nicht, wen sie wählen soll | |
| Hinweis: | |
| Hier können Sie den [1][Text herunterladen]. | |
| Hier können Sie den [2][Original-Text lesen]. | |
| ──────────────────────────�… | |
| Fatma Aydemir sagt: | |
| Ich bin 30 Jahre alt und wähle zum ersten Mal. | |
| Ich werde zum ersten Mal an einer [3][Bundestags-Wahl] teilnehmen. | |
| Bisher durfte ich das nicht. | |
| Warum? | |
| Meine Eltern sind vor vielen Jahren | |
| aus der Türkei nach Deutschland gekommen. | |
| Ich bin in Deutschland geboren, | |
| doch den deutschen Pass habe ich erst vor 2 Jahren bekommen. | |
| Nur wer einen deutschen Pass hat, | |
| darf in Deutschland wählen. | |
| Ich darf nun also endlich wählen | |
| Ich frage mich: | |
| Welche [4][Partei] soll ich wählen? | |
| Das ist eine wichtige Entscheidung. | |
| Das weiß ich. | |
| Ich muss mich fragen: | |
| Welche [5][Politik] will ich? | |
| Und wie will ich in Deutschland leben? | |
| Mein Problem ist: | |
| Die Parteien unterscheiden sich kaum. | |
| Es gibt die [6][FDP], [7][CDU], [8][SPD], [9][Linke] und [10][Grüne]. | |
| Doch keine von den großen Parteien hat ein klares Thema, | |
| für das sie sich einsetzt. | |
| Deshalb kann ich nicht eindeutig sagen: | |
| Das finde ich an der einen Partei gut! | |
| Oder das finde ich an der anderen Partei schlecht! | |
| Ich frage mich: | |
| Soll ich überhaupt wählen gehen, | |
| wenn ich keinen Unterschied zwischen den Parteien sehe? | |
| Oder lieber Zuhause bleiben? Lieber Fernsehen gucken? | |
| Nein, das geht natürlich nicht. | |
| Schon aus diesem Grund muss ich wählen: | |
| Niemand aus meiner Familie | |
| oder aus meinem engeren Freundes-Kreis darf wählen. | |
| Sie alle haben keinen deutschen Pass. | |
| Ich sollte mein Wahl-Recht also nutzen. | |
| Deshalb schaue ich mir einige Parteien genauer an. | |
| Passt die Partei Die Linke zu mir? | |
| Ich wünsche mir eine [11][linke] Politik. | |
| Ich wünsche mir zum Beispiel mehr soziale Gerechtigkeit. | |
| Soziale Gerechtigkeit bedeutet für mich: | |
| Dass es allen Menschen in Deutschland gut geht | |
| und alle Menschen die gleichen Rechte haben. | |
| • Egal, wie viel Geld sie verdienen. | |
| • Egal, welches Geschlecht sie haben. | |
| • Egal, aus welchem Land sie kommen. | |
| Die Partei Die Linke setzt sich für soziale Gerechtigkeit ein. | |
| Ich habe aber mit der Partei Die Linke dieses Problem: | |
| Ich mag ihre [12][Spitzen-Kandidatin] nicht. | |
| Die Spitzen-Kandidatin von Die Linke heißt [13][Sahra Wagenknecht]. | |
| Sie spricht schlecht über Flüchtlinge, | |
| um Wähler-Stimmen zu gewinnen. | |
| Menschen wegen ihrer Herkunft zu verurteilen, | |
| ist für mich nicht links. | |
| Soll ich die Partei Die Grünen wählen? | |
| Vor einigen Jahren waren die Grünen anders als heute. | |
| Sie haben eine gute Politik gemacht. | |
| Sie wollten die Welt verändern. | |
| Sie wollten mehr Umwelt-Schutz. | |
| Und auch sie wollten mehr soziale Gerechtigkeit. | |
| Heute sind die Grünen eine „Besserverdiener-Partei“. | |
| Das bedeutet: | |
| Die Grünen wollen Wähler-Stimmen von Menschen, | |
| die gutes Geld verdienen. | |
| Diese Menschen brauchen keine soziale Gerechtigkeit. | |
| Diesen Menschen geht es schon gut. | |
| Und was ist mit der Partei SPD? | |
| Ich möchte die SPD gerne gut finden. | |
| Ich weiß aber nicht, | |
| für welche Politik ihr Spitzen-Kandidat Martin Schulz steht. | |
| Auch er hat mal gesagt, | |
| er will mehr soziale Gerechtigkeit. | |
| Er hat aber nie genau gesagt, | |
| was soziale Gerechtigkeit für ihn bedeutet. | |
| Und er hat nie genau gesagt, | |
| mit welchen Mitteln er soziale Gerechtigkeit erreichen will. | |
| Ich weiß also immer noch nicht, | |
| welche Partei ich wählen soll | |
| Ich rufe meine Mutter an. | |
| Welche Partei würde meine Mutter wählen, | |
| wenn sie wählen dürfte? | |
| Meine Mutter sagt am Telefon: | |
| Sie würde heute Angela Merkel wählen. | |
| Die Antwort von meiner Mutter gefällt mir nicht. | |
| In den 90er Jahren erzählte mir meine Mutter: | |
| Die Politiker von der CDU gehören zu den Bösen. | |
| Die CDU ist konservativ. | |
| Die CDU vertritt also altmodische Werte und Ziele. | |
| Die CDU wählt man nicht. | |
| Heute sagt meine Mutter: | |
| Das waren damals andere Zeiten. | |
| Heute gibt es gute Gründe, | |
| um Angela Merkel und ihre Partei CDU zu wählen. | |
| Zum Beispiel diese Gründe: | |
| • Angela Merkel wird als Bundes-Kanzlerin | |
| von anderen Ländern und Politikern in der Welt respektiert. | |
| • Angela Merkel hatte den Mut, | |
| viele Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. | |
| • Und der deutschen Wirtschaft geht es gut. | |
| Ich entscheide mich trotzdem gegen Angela Merkel. | |
| Es gibt gute Gründe, sie zu wählen. | |
| Aber es gibt ebenso gute Gründe, sie nicht zu wählen. | |
| Ich entscheide ich mich für eine andere Lösung. | |
| Ich schreibe eine Nachricht an meine Freunde, | |
| die nicht wählen dürfen. | |
| Sie sollen mir schreiben, | |
| welche Partei sie wählen wollen. | |
| Bei der Bundestags-Wahl wähle ich dann die Partei, | |
| die meine Freunde für die richtige Partei halten. | |
| Original-Text: Fatma Aydemir | |
| Übersetzung: Christine Stöckel und Belinda Grasnick | |
| Prüfung: capito Berlin, Büro für barrierefreie Information | |
| 15 Sep 2017 | |
| ## LINKS | |
| [1] /static/pdf/Wohin_mit_meiner_Stimme_Leichte_Sprache.pdf | |
| [2] /Was-waehlen-bei-der-Bundestagswahl/!5441584 | |
| [3] /!5417537/ | |
| [4] /!5417537/ | |
| [5] /!5417537/ | |
| [6] /!5417537/ | |
| [7] /!5417537/ | |
| [8] /!5417537/ | |
| [9] /!5417537/ | |
| [10] /!5417537/ | |
| [11] /!5417537/ | |
| [12] /!5417537/ | |
| [13] /!5417537/ | |
| ## TAGS | |
| Schwerpunkt Bundestagswahl 2025 | |
| ## ARTIKEL ZUM THEMA | |
| taz-Serie Angezapft (2): Im Metzer Eck: Ärger über die Generation Merkel | |
| Am Tresen, am Stammtisch und in der letzten Kneipenecke wird über die Wahl | |
| am 24. September diskutiert. Die taz hört zu. Diesmal in Prenzlauer Berg. |