# taz.de -- Müllkrise im Libanon: „Wir machen weiter, Revolution!“ | |
> Das von Demonstranten besetzte Umweltministerium in Beirut wurde von der | |
> Polizei gewaltsam geräumt. Die Proteste sind damit aber nicht beendet. | |
Bild: Zusammenstöße vor dem libanesischen Umweltministerium. | |
Beirut AFP | Die libanesische Bereitschaftspolizei hat am Dienstagabend | |
gewaltsam das von Demonstranten besetzte Umweltministerium vollständig | |
geräumt. Die Aktivisten protestierten in und vor dem Gebäude gegen die | |
anhaltende Müllkrise. Sie forderten außerdem ultimativ den Rücktritt des | |
Umweltministers Mohammed Maschnuk. | |
Die zwangsweise Räumung des Ministeriums begann etwa sechs Stunden, nachdem | |
mehrere Dutzend Aktivisten in das Gebäude eingedrungen waren und es | |
teilweise besetzt hatten. Einer der Vertreter der „Ihr stinkt“-Kampagne, | |
Imad Bazzi, sagte, die Polizisten hätten auch die letzten Besetzer Etage | |
für Etage, Treppe für Treppe „heruntergestoßen“ und „herausgeschubst�… | |
Rücktrittsultimatum an den Minister, der sich zum Zeitpunkt der | |
Besetzungsaktion in dem Gebäude befand, lief am Dienstagabend aus. | |
Die Kampagne erklärten auf ihrer Facebook-Seite, die Polizisten hätten | |
mehrere Aktivisten geschlagen. Ein Vertreter des Roten Kreuzes sagte, 15 | |
Demonstranten seien bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften verletzt | |
worden. Sie würden ärztlich behandelt. | |
Bei Einbruch der Dunkelheit bekundeten mehrere hundert Demonstranten vor | |
dem Ministerium ihre Solidarität mit den wenigen Aktivisten, die sich | |
zunächst noch im Gebäude befanden. Dabei kam des wiederholt zu Geplänkeln | |
mit der Polizei. „Wir machen weiter. Revolution!“ riefen die Demonstranten | |
im Chor. | |
## Ende der Korruption und der Misswirtschaft gefordert | |
Die durch die Schließung der größten Deponie des Landes Mitte Juli | |
verursachte Müllkrise hat sich längst zu einer umfassenden Staatskrise | |
ausgeweitet. Der „Ihr stinkt“-Kampagne haben sich zehntausende Libanesen | |
angeschlossen. | |
In den vergangenen Wochen forderten sie auf mehreren Kundgebungen nicht nur | |
eine Lösung für das Müllproblem. Sie wollen auch ein Ende der Korruption | |
und der Misswirtschaft sowie Verbesserungen bei der Infrastruktur des | |
Landes wie der Strom- und Wasserversorgung. Allgemeine Unzufriedenheit | |
herrscht zudem über die schlechte Wirtschaftslage im Libanon. | |
Inzwischen türmen sich in den libanesischen Städten die Abfälle. Einige | |
Gemeinden sammeln zwar den Abfall ein, laden ihn dann aber auf illegalen | |
Müllplätzen ab. Kritiker werfen der Regierung vor, neue Aufträge zur | |
Müllentsorgung zu überhöhten Preisen an Firmen mit Verbindungen in die | |
Politik vergeben zu wollen. | |
Der Libanon steckt schon seit längerem in einer tiefen politischen Krise. | |
Das Parlament ist tief gespalten zwischen einem von den USA und | |
Saudi-Arabien unterstützten Lager um den sunnitischen | |
Ex-Ministerpräsidenten Saad Hariri und einem von der schiitischen Hisbollah | |
angeführten Block, der unter anderem vom Iran und Damaskus unterstützt | |
wird. Das Amt des Staatsoberhaupts ist seit mehr als einem Jahr unbesetzt. | |
Die Wahl eines neuen Präsidenten scheiterte mehrfach. | |
2 Sep 2015 | |
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