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# taz.de -- Rocker im Westen und im Osten: Kontinentaler Schwanzvergleich
> Die „Nachtwölfe“ aus Russland kommen, um es den Vollschwuchteln in
> „Gayropa“ mal richtig zu besorgen. Sie können viel von den Amerikanern
> lernen.
Bild: Mitglieder des mazedonischen Ablegers des Motorradclubs Nachtwölfe am 8.…
Überall ist von einem neuen Kalten Krieg die Rede, der auch eine kulturelle
Auseinandersetzung des starken, männlichen Putin-Russlands mit dem
verweichlichten, weibischen Westen sei. Was ist nur aus der wilden
westlichen Rockerkultur geworden, dem ungeschliffenen Kult um frisch
gezapften Männerschweiß, brünftige Motoren und noch nicht vegane
Lederkluften?
Früher waren die motorradfahrenden Herren der Schrecken der bürgerlichen
Gesellschaft. Wer erinnerte sich nicht schaudernd an Torfrock, Peter Struck
und Klaus Lage? Allein das Wort „Deutsch-Rocker“ genügte, um Angst und
Schrecken zu verbreiten. Doch dann kamen die Deutsch-Poeten, und die Rocker
traten zunehmend nur noch als Zuhälter, Spielothekenbetreiber und
Drogenhändler auf. Normale Geschäftsleute aus der Mitte der Gesellschaft.
Jeder Sparkassenfilialleiter hat ein größeres Bedrohungspotenzial.
Konsequent, dass jetzt die „Nachtwölfe“ aus dem fernen Russland
heranknatterten, um es den Vollschwuchteln in „Gayropa“ mal so richtig zu
besorgen.
Mit beachtlichem Erfolg: Ganz Deutschland erzitterte vor den
„Putin-Rockern“, die Medien überboten sich in Schauergeschichten von den
wilden Männern, die mit dem Motorrad die Route der Roten Armee auf ihrem
Feldzug gegen Nazi-Deutschland nachzeichnen wollten. Und die am Ziel dann
vor gar nichts zurückschreckten, wie die Bild berichtet: „Sie legten rote
Nelken im Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst nieder. Die Rocker
knieten in Reihe vor einem Gedenkstein nieder. Anschließend besuchten das
Museum. Skurrile Gedenkaktion an das Kriegsende!“
Allerdings! Niederknien vor einem Gedenkstein, rote Nelken ablegen und eine
Ausstellung besuchen – da haben die harten Jungs es dem Westen aber mal so
richtig gezeigt. Und das trotz erbitterten Widerstands. Ein Nachtwolf
beklagte, „dass die polnischen Grenzbeamten ihr Reisegepäck untersucht
hätten – darunter auch ihre „Kosmetiktaschen“. Voll gemein! So geht man
nicht mit echten russischen Rockern um.
Weil ihnen die Einreise nach Deutschland verboten wurde, hauten sie richtig
auf den Putz und reichten rockermäßig Klage ein. Das Verwaltungsgericht
Berlin gab ihnen recht. Es gebe „keine Anhaltspunkte“ dafür, dass sie eine
„Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellen“. Was für ein Debakel! Von
einem deutschen Verwaltungsgericht bestätigt zu bekommen, dass man keine
Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellt – eine tiefere Demütigung ist
nicht denkbar.
Ganz anders die West-Rocker in Waco/Texas an diesem Wochenende. Da wird
noch geballert und geprügelt, bis das Blut spritzt. Auslöser war, so
berichtet der Waco-Tribune, eine Auseinandersetzung zwischen den
Mitgliedern verfeindeter Banden im Toilettenraum eines Restaurants.
Man kann es sich lebhaft vorstellen, wie da zwei Lederkuttenträger am
Pissoir stehen und sich streiten. Klassische Schwanzvergleichssituation. Da
wird wohl einer eine falsche (beziehungsweise zutreffende) Bemerkung
gemacht haben. Das sind wenigstens noch ordentliche Anlässe, nichts mit
Gedenkaktion und Kriegsende. Resultat: Auf dem Parkplatz des Ladens
bekriegen sich 200 Rocker, erst untereinander, dann alle gegen die Cops. Am
Ende stehen neun Tote und zahlreiche Verletzte. So, ihr Russen-Rocker! Die
Runde ging ja wohl klar an uns! Nehmt eure Kosmetiktäschchen und fahrt
zurück zu Onkel Putin. Sonst schicken wir euch am Ende noch unseren Werner
an den Hals! Beinhart!
18 May 2015
## AUTOREN
Heiko Werning
## TAGS
Texas
USA
Rocker
Nachtwölfe
Rocker
Gewalt
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Rockerkrieg in Texas: Eine Schießerei mit neun Toten
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blutige Schlacht.
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