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# taz.de -- Kommentar Konjunktur: Konsum kommt von unten
> Die Begünstigung der Mittelschicht durch Finanzspritzen ist nicht
> effizient. Denn die neigt in Krisenzeiten dazu, ihr gespartes Geld aufs
> Konto zu tragen, statt es auszugeben.
Bild: Hat mit seinem Rettungspaket-Ekel den Ärger der Bundesregierung auf sich…
Konjunkturprogramm? Kaum ein Politiker will das böse Wort derzeit in den
Mund nehmen. Gleichzeitig überschlagen sich die Vertreter der Koalition mit
Ideen, wie sich die absackende Konjunktur am besten ankurbeln ließe: durch
Steuersenkungen, mehr Geld für Gebäudesanierungen oder Anreize zum Kauf
schadstoffarmer Autos.
Das meiste davon sind Aufgüsse alter Vorschläge. Doch Verlogenheit ist
nicht das größte Problem der Debatte über staatliches Handeln angesichts
einer drohenden Rezession. Das Problem ist, dass ein Großteil der
kursierenden Vorschläge nur den Gutverdienenden nutzen würde. Menschen mit
niedrigem Einkommen aber blieben außen vor.
Von Steuersenkungen etwa, wie Wirtschaftsminister Glos sie fordert, würden
vor allem Facharbeiter, gehobene Angestellte und Mittelständler profitieren
- die schlecht verdienende Friseurin zahlt nämlich kaum Steuern, weil sie
kaum über dem Freibetrag liegt. Bei dem Koalitionsplan,
Krankenversicherungsbeiträge ein Jahr früher steuerlich freizustellen,
sieht es ähnlich aus. Zusätzliche Steuerfreibeträge nutzen
Spitzenverdienern besonders, denn nur sie müssen auf einen Teil ihres
Einkommens den höchsten Steuersatz entrichten. Und schließlich mag es zwar
gut klingen, umweltfreundliche Autos stärker zu fördern, wie es
Bundeskanzlerin Merkel jetzt ankündigte. Aber wer kann sich einen
nagelneuen Öko-Golf zulegen? Ein Hartz-IV-Empfänger sicher nicht.
Dabei ist fast irrelevant, ob diese Begünstigung der Mittelschicht nun
gerecht oder ungerecht ist. Sie ist, viel wichtiger, einfach nicht
effizient. Denn die Mittelschicht neigt in Krisenzeiten dazu, ihr gespartes
Geld aufs Konto zu tragen, statt es in Flachbildschirme, Computer oder eine
neue Couchgarnitur zu stecken. Bei der Wirtschaft kommt von staatlichen
Finanzspritzen so nur wenig an.
Arme Menschen ticken - oft gezwungenermaßen - anders. Familien in den
unteren Einkommensklassen investieren fast ihr gesamtes Einkommen in den
Konsum: Sie geben fast jeden Euro zum Leben aus. Ein effizientes
Konjunkturprogramm wäre es also, die Hartz-IV-Sätze zu erhöhen. Es würde
sich schnell auf den inländischen Absatz der Firmen auswirken.
21 Oct 2008
## AUTOREN
Ulrich Schulte
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