# taz.de -- Kommentar Dienstwagen-Dilemma: Vom Skandalgeschrei getrieben | |
> Ob Schmidt zu halten ist oder nicht, war eine politische Frage. Und | |
> Steinmeier hat sich nicht getraut, sie schnell und klar zu beantworten. | |
Die angebliche Dienstwagen-Affäre der Bundesgesundheitsministerin ist | |
bisher die größte Absurdität des Wahlkampfes. Und sie endet genauso | |
peinlich, wie sie angefangen hat. Es ist durch die Fahrerei kein Schaden | |
fürs Land entstanden, urteilt der Rechnungshof. Ulla Schmidt darf jetzt | |
doch in sein Kompetenzteam, urteilt daraufhin SPD-Kanzlerkandidat | |
Steinmeier. Er möchte gerne als entschieden Handelnder erscheinen, doch | |
sein Agieren erweckt einen anderen Eindruck: Er wirkt wie ein Getriebener. | |
Natürlich ist es richtig, eine altgediente Ministerin nicht wegen einer | |
Petitesse fallen zu lassen. Doch Steinmeier trifft diese Entscheidung viel | |
zu spät. Wochenlang wartete er ab, wie der Fall in der Öffentlichkeit | |
diskutiert wurde, auch jetzt orientiert er sich am Votum des | |
Rechnungshofes. Dessen Einschätzung jedoch war vorhersehbar. Der | |
Rechnungshof kontrolliert das Wirtschaften der öffentlichen Verwaltung und | |
prüft, ob alle Vorschriften eingehalten werden. Dass dies bei den | |
Spanienfahrten der Fall war, wurde jedoch von kaum jemandem ernsthaft | |
bezweifelt. | |
Was der Rechnungshof sagt, ist bei der Dienstwagen-Posse also unwichtig. Ob | |
Schmidt zu halten ist oder nicht, war keine formale, sondern eine | |
politische Frage. Und Steinmeier hat sich nicht getraut, sie schnell und | |
klar zu beantworten. Denn dafür hätte er sich gegen das Skandalgeschrei | |
mancher Medien stemmen und den WählerInnen einige unbequeme Dinge sagen | |
müssen. Dass es sich weniger um einen politischen Skandal als um eine | |
Neiddebatte handelte zum Beispiel, dass politisches Spitzenpersonal zu | |
Recht Privilegien genießt und dass auch fehlendes Fingerspitzengefühl noch | |
kein hinreichender Grund für einen Rausschmiss ist. Für diese Diskussion | |
fehlte Steinmeier der Mut. Kein glückliches Bild für einen Mann, der | |
Kanzler werden will. | |
10 Aug 2009 | |
## AUTOREN | |
Ulrich Schulte | |
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Trotz Dienstwagen-Posse: Ulla Schmidt darf ins Wahlkampfteam | |
Weil der Rechnungshof sie entlastet, darf die Gesundheitsministerin nun | |
doch ins SPD-Spitzenteam. Vorher war sie in die Kritik geraten, weil sie | |
ihren Dienstwagen in den Spanienurlaub mitgenommen hatte. |