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# taz.de -- Autoabfackeln in Berlin: Feuer von allen Seiten
> Anders als die CDU höhnt meldet die Polizei erste Fahndungserfolge: Elf
> Verdächtige sind ermittelt, die Taten hängen nicht zusammen, nicht nur
> Linke zündeln.
Bild: Abgebrannt, ausgelöscht, ungeklärt: Feuerwehreinsatz nach Brandanschlag…
Die Polizei sieht erste Erfolge im Kampf gegen die Autobrandstiftungen.
Insgesamt elf verdächtige Personen wurden bisher ermittelt, vier davon
sitzen in Untersuchungshaft. Zudem ist für die Polizei klar, dass die
Motive für die Brandstiftungen unterschiedlich sind. Die Täter sind "nicht
zwingend im linksautonomen Spektrum" zu suchen, sagte Innensenator Ehrhart
Körting (SPD) der taz. Vielmehr handle es sich um nicht koordinierte
Einzelaktionen. Seit Jahresbeginn wurden laut Polizei bereits 173
Brandanschläge in der Stadt verübt, bei denen insgesamt 267 Autos
beschädigt oder zerstört wurden - so viele wie im gesamten Vorjahr nicht.
In der Nacht auf Samstag gab es einen weiteren Anschlag, diesmal in
Neu-Hohenschönhausen. Zwei Autos brannten dabei aus, eines wurde
beschädigt.
Es ist das Lieblingsmantra der Opposition. Innensenator und Polizei gelinge
es einfach nicht, den nächtlichen Autobrandstiftungen Herr zu werden,
schallt es aus den Reihen von CDU und FDP. Innensenator Körting will das
nicht gelten lassen: "Wir tun alles, um diese hinterhältigen Straftaten
aufzuklären und die Täter vor Gericht zu bringen." Die PKW-Zündeleien seien
eine "politisch ummäntelte Kriminalität". Es gehe vorgeblich darum, Reiche
und bestimmte Firmen zu vertreiben. "Wer aber anderen vorgibt, wo und wie
sie zu leben haben, ist extremistisch und verfassungsfeindlich", so Körting
zur taz.
Schon vor Monaten hat die Berliner Polizei ihren Einsatz gegen die
Brandstifter verstärkt. Seit März ermittelt nach jedem Brandanschlag der
Staatsschutz, die Abteilung 5 beim Landeskriminalamt (LKA), zuständig für
politisch motivierte Kriminalität. Die Beamten dort arbeiten mit
Brandexperten und dem Verfassungsschutz zusammen. Als "de facto
Sonderkommission, bei der alles zusammenläuft", beschreibt Körting das
Lagezentrum.
Die Zahl der Mitarbeiter dort sei zuletzt noch einmal erhöht worden, ebenso
wie die Anzahl der Zivilbeamten, die gezielt auf der Suche nach
Brandstiftern in der Stadt unterwegs seien. Die Polizei setze auf "nicht
erkennbare Kräfte und Mittel", so Polizeisprecher Frank Millert, und fügt
hinzu: "Wir tun alles, was sinnvoll ist."
Das zeigt inzwischen Wirkung. Es dauerte bis Mai, bis die Polizei erstmalig
eine mutmaßliche Autozündlerin festnehmen konnte: die 21-jährige Alexandra
R. Seitdem hat die Polizei elf Verdächtige gefasst. Neben Alexandra R.
sitzen drei weitere Beschuldigte in U-Haft: der 22-jährige Christoph T.,
der 24-jährige Niederländer Niels V. und der 33-jährige Pole Grzegorz S.
(siehe Text unten).
Für sie fordert Körting hohe Strafen. "Ich hoffe auf ein deutliches Zeichen
im Rahmen des Strafgesetzes", so der Innensenator. Da das Feuer auch auf
Häuser übergreifen könnte, würde eine Verwarnung der Schwere der Tat nicht
gerecht. Auch die Staatsanwaltschaft rechnet mit hohen Haftstrafen. So wird
der Haftbefehl gegen Alexandra R. mit einer bestehenden Fluchtgefahr
begründet - ob einer zu erwartenden "mehrjährigen Freiheitsstrafe", wie es
im Haftbefehl heißt. Inzwischen sind gegen Alexandra R. und Christoph T.
Anklagen erhoben. Die Verhandlungstermine stehen noch nicht fest.
Die Polizei geht davon aus, dass von den 173 Anschlägen in diesem Jahr 96
politisch motiviert waren und 77 wahrscheinlich unpolitisch. Nur in 13
Fällen seien Bekennerschreiben aufgetaucht, so Sprecher Millert.
Innensenator Körting sieht die Brandstifter daher "nicht zwingend im
linksautonomen Spektrum". Es seien unorganisierte Einzeltäter oder
Kleinstgruppen, die spontan agieren würden.
Wohl aber würde die linke Szene die Brandstiftungen akzeptieren und sich
"klammheimlich darüber freuen", kritisiert Körting. Für Gewalt gebe es aber
keine Entschuldigung, "auch keine politische". "Wir werden den
Brandstiftern deshalb deutlich machen, dass sie sich auf einen Weg begeben,
der Unfreiheit bedeutet."
16 Aug 2009
## AUTOREN
Konrad Litschko
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