| # taz.de -- Neues Gutachten zu Laufzeit-Verlängerung: Bundesländer müssen zu… | |
| > Der Bundesrat müsse in jedem Fall einer Laufzeitverlängerung von | |
| > Atommeilern zustimmen muss, so das Ergebnis eines juristischen | |
| > Gutachtens. Grund sei das Haftungsrisiko der Länder. | |
| Bild: Atomkraft: Wie lange noch? | |
| BERLIN apn/afp | Die Gegner einer Laufzeit-Verlängerung vom Atomkraftwerken | |
| haben neuen Aufwind erhalten. Einem juristischen Gutachten zufolge muss der | |
| Bundesrat einer Verlängerung zustimmen, wie das "Handelsblatt" berichtet. | |
| Begründet wird dies damit, dass eine Laufzeit-Verlängerung das | |
| Haftungsrisiko der Bundesländer erhöhe. Eine Zustimmung des Bundesrats gilt | |
| aber nach dem Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen als | |
| unwahrscheinlich. | |
| "Die Frage der Staatshaftung hat in der bisherigen Diskussion keine Rolle | |
| gespielt, obwohl dieser Aspekt bedeutsam ist", sagte der Berliner | |
| Verfassungsrechtler Christian Pestalozza dem Handelsblatt. Denn in einem | |
| Schadensfall an einem Atomkraftwerke müsse das betroffene Bundesland mit | |
| bis zu 125 Millionen Euro einspringen. | |
| Gestützt werde diese Sichtweise durch ein Gutachten der Kanzlei Gaßner, | |
| Groth und Siederer, das Zeitung vorliegt. Aus einer Laufzeit-Verlängerung | |
| ergebe sich eine "drastische Ausweitung der Einstandspflicht der Länder" | |
| für Schadens-Ereignisse. Das Atomgesetz schreibe vor, dass im Haftungsfall | |
| zunächst die Anlagen-Besitzer bis zu einem Betrag von 2,5 Milliarden Euro | |
| zur Kasse gebeten werden. | |
| In einem zweiten Schritt aber stünden Bund und Länder für 500 Millionen | |
| Euro gerade. Davon übernehme der Bund 375 Millionen Euro, das betroffene | |
| Bundesland 125 Millionen. Die Länder müssten bei einer | |
| Laufzeit-Verlängerung also für weitere Jahre mit dem Risiko leben, mit 125 | |
| Millionen Euro in Anspruch genommen zu werden. Daher halten die Autoren des | |
| Gutachtens die Zustimmung des Bundesrates für unumgänglich. | |
| Röttgen plant zehn Jahre | |
| Vergangene Woche wurde bekannt, dass Bundesumweltminister Norbert Röttgen | |
| (CDU) eine Laufzeitverlängerung von höchstens zehn Jahren für möglich hält | |
| und dafür Unterstützung aus dem Innen- und Justizministerium erhält. | |
| Andernfalls wäre eine Zustimmung des Bundesrates nötig, der eine | |
| Verlängerung verweigern würde. | |
| Die Bundesregierung möchte die Atom-Entscheidung ohne den Bundesrat | |
| durchsetzen. Nach Auffassung von Innen- und Justizministerium sei dies aber | |
| nur bei einer "moderaten" Verlängerung der Atom-Laufzeiten möglich, | |
| berichtete die Süddeutsche Zeitung. | |
| Eine Laufzeitverlängerung in zweistelliger Höhe ohne Zustimmung der | |
| Länderkammer sei wohl kaum verfassungsmäßig, hieß es in Regierungskreisen. | |
| Die Zehn-Jahres-Grenze sei das Maximum, manche Experten hielten sogar nur | |
| sieben oder acht Jahre für denkbar. Das allerdings läge deutlich unter den | |
| Forderungen, die zuletzt aus der Union laut geworden waren. Vor allem | |
| süddeutsche Bundesländer wollen die Atomreaktoren weit mehr als nur zehn | |
| Jahre länger laufen lassen. | |
| 19 Aug 2010 | |
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