| # taz.de -- Ex-Präsident rechtfertigt Waterboarding: Amnesty will Ermittlungen… | |
| > George Bushs Memoiren sorgen für Aufregung: Dass der Ex-Präsident | |
| > Folterpraktiken angeordnet hat, ruft Amnesty International auf den Plan. | |
| > Und Ex-Kanzler Schröder ist auch sauer. | |
| Bild: Zum Haare raufen: George W. Bushs Memoiren sorgen für Aufregung. Verkauf… | |
| Amnesty International (AI) fordert Ermittlungen gegen George W. Bush, | |
| nachdem der frühere US-Präsident die Anordnung von Folterpraktiken gegen | |
| Terrorverdächtige eingeräumt hat. Nach internationalem Recht genüge für | |
| eine Untersuchung, dass der Ex- Präsident die Autorisierung von | |
| Foltermethoden zugebe, teilte die Menschenrechtsorganisation am Dienstag | |
| mit. Erhärte sich der Verdacht, müssten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft | |
| folgen. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama sei verpflichtet, | |
| strafrechtliche Schritte gegen Bush zu unternehmen, so Rob Freer von AI. | |
| Die Menschenrechtsorganisation forderte zudem die Einsetzung einer | |
| unabhängigen Kommission, um die Verletzung der Menschenrechte während des | |
| "Kriegs gegen den Terrorismus" unter der Präsidentschaft Bushs von 2001 bis | |
| 2009 zu untersuchen. Auch die Menschenrechtsgruppe Liberty kritisierte den | |
| Einsatz von Waterboarding. Bush habe sein Land "im Namen der Freiheit in | |
| einen Sumpf aus Lügen, Krieg und Folter geführt", sagte Shami Chakrabarti | |
| von Liberty. | |
| Bush schreibt in seinen Erinnerungen "Decision Points" | |
| ("Entscheidungspunkte"), er habe dem US-Geheimdienst CIA das simulierte | |
| Ertränken des Drahtziehers der Anschläge des 11. September 2001, Khalid | |
| Sheikh Mohammed, erlaubt. Dieser wurde daraufhin der CIA zufolge 183 Mal | |
| dieser Methode unterzogen. Bush rechtfertigt den Einsatz damit, dass so | |
| mehrere Terroranschläge verhindert worden seien, darunter auch zwei | |
| Anschläge in London. In den Memoiren beschreibt Bush Waterboarding als | |
| "effektive Methode", die eine große Menge an Informationen gebracht habe. | |
| Er habe die Methode angeordnet, nachdem sie durch Rechtsberater gebilligt | |
| worden sei. | |
| Nicht nur die Rechtfertigung der Foltermethoden sorgen nach der | |
| Veröffentlichung des Bush-Buchs für Schlagzeilen. Auch zwischen den | |
| Ex-Staatschefs Bush und Gerhard Schröder gibt es offenbar einen Dissenz. | |
| Bush kritisiert Deutschlands Ex-Kanzler Schröder in seinem Buch scharf. Er | |
| habe sich im Vorfeld des Irak-Kriegs von Schröder getäuscht und von | |
| Mitgliedern der Bundesregierung beleidigt gefühlt, schreibt Bush. Schröder | |
| wies die Darstellung des Ex-Präsidenten zurück. | |
| "Ich schätze persönliche Diplomatie und lege viel Wert auf Vertrauen", | |
| schreibt Bush - und fährt mit Blick auf Schröder fort: "Als dieses | |
| Vertrauen verletzt wurde, war es schwierig, noch einmal eine konstruktive | |
| Beziehung zu haben." Völlig anders bewertet Bush Schröders Nachfolgerin | |
| Angela Merkel (CDU). "Angela war vertrauenswürdig, engagiert und | |
| warmherzig", erinnert sich Bush. | |
| Der Ex-Präsident schreibt in seinem Buch, Schröder habe ihm bei einem | |
| Treffen im kleinen Kreis im Weißen Haus am 31. Januar 2002 die volle | |
| Unterstützung für die Irak-Politik zugesagt. Zuvor habe er dem Kanzler klar | |
| gemacht, dass er als letzte Option auch mit militärischer Gewalt gegen | |
| Iraks Machthaber Saddam Hussein vorgehen würde, schreibt Bush. | |
| Schröder habe geantwortet: "Was für Afghanistan richtig ist, ist auch für | |
| den Irak richtig. Nationen, die den Terrorismus unterstützen, müssen mit | |
| Konsequenzen rechnen. Wenn Sie es schnell und entschieden erledigen, dann | |
| bin ich mit Ihnen." Dies habe er als "Erklärung der Unterstützung" | |
| aufgenommen, schreibt Bush. Einige Monate später im deutschen | |
| Bundestagswahlkampf sei der damalige Kanzler dann von der Zusage abgerückt. | |
| "Der frühere amerikanische Präsident Bush sagt nicht die Wahrheit", | |
| erklärte Schröder am Dienstag in Berlin. In dem Gespräch sei es um die | |
| Frage gegangen, ob die Terroristen, die für die Anschläge vom 11. September | |
| in den USA verantwortlich waren, von Saddam Hussein unterstützt worden | |
| seien. | |
| "Wie auch bei meinen späteren Treffen mit dem US-Präsidenten habe ich | |
| damals deutlich gemacht, dass Deutschland, sollte sich der Irak wie zuvor | |
| Afghanistan tatsächlich als Schutzraum und Zufluchtsort für | |
| Al-Qaida-Kämpfer erweisen, zuverlässig an der Seite der USA stehen würde", | |
| erklärte Schröder. "Dieser Begründungszusammenhang war jedoch, wie sich im | |
| Laufe des Jahres 2002 herausstellte, falsch und konstruiert." | |
| 10 Nov 2010 | |
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