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# taz.de -- 130.000 unterzeichnen Online-Petition: Homophobe Inhalte im App-Sto…
> Weil Apple die schwulenfeindliche App einer fundamental-christlichen
> US-Organisation anbietet, formieren sich Proteste. Nach anfänglichem
> Zögern reagierte Apple.
Bild: Bieten "Hilfe" gegen Homosexualität an: Exodus International.
BERLIN taz | "Du musst nicht schwul sein! Du kannst ein Leben voller
Erfüllung und Seeligkeit führen, so wie Gott es vorgesehen hat." Der Weg zu
dieser versprochenen Seeligkeit sei ganz leicht, sagen die
fundamental-christlichen Schwulenhasser der US-Organisation "Exodus
International" auf ihrer [1][Homepage]. Man müsse nur eines ihrer
Mitglieder kontaktieren, zur Kirche finden, ein paar Therapien machen und
Bücher lesen.
So weit, so irre. Dass der IT-Konzern Apple derartig homophobe Hasstiraden
durch das Angebot des Apps von Exodus International auch noch indirekt
unterstützt, sorgt jetzt für eine Protestbewegung im Netz. Schon 130.000
Menschen haben bis Dienstagmittag eine [2][Online-Petition] unterzeichnet,
die den Konzern dazu auffordert, die App von "Exodus International" aus dem
iTunes-Store zu entfernen.
Exodus propagiert, dass Homosexualität nicht angeboren ist, sondern im
Verlauf der Jugend – etwa durch Missbrauch oder Ablehnung – entsteht. Auf
ihrer Homepage steht, dass "Wandel für Homosexuelle durch die verändernde
Kraft von Jesus Christus möglich" sei. Konkret gemeint ist damit die
"Umformung" von Schwulen, Lesben und Transgender durch Therapien und
Gebete. Dabei listen sie dutzende Berichte vermeintlich geheilter
Homosexueller auf.
Die App, die in erster Linie auf die Homepage der Organisation verweist,
Promo-Videos anbietet und auf Jugendliche und Studenten abzielt, wurde von
Apple mit 4+ gewertet. Apps in dieser Kategorie enthalten laut Apple "keine
zu beanstandenden Inhalte", können ab vier Jahren gefahrenlos genutzt
werden. Mit dieser Wertung spielt Apple den fundamentalen Schwulenhasser
sogar noch in die Hände. Auf ihrer Homepage weisen sie sichtlich stolz auf
die Jugendfreigabe durch Apple hin.
Eigentlich hat Apple sich relativ strenge Richtlinien für angebotene Apps
auferlegt. Diese würden abgelehnt, wenn sie "diffamierend, angreifend,
kleinlich sind oder Individuen oder Gruppen in verletzender Weise
angreifen". Es scheint, als würde der Konzern, der intern also
homofreundliches Unternehmen gilt, diese Regel für homophobe Inhalte nicht
anlegen.
## "Hasserfüllt und bigott"
Die Initiatoren der Online-Petition sind Mitglieder der der Organisation
[3]["Truth wins out"], die seit Jahren gegen die so genannten
Ex-Gay-Initiativen arbeiten. Sie schreiben, Exodus International sei
"hasserfüllt und bigott". Die Organisation nutze "Angst, Fehlinformation,
Sterotypen und Verfälschung". Während rassistische und antisemitische Apps
verboten seien, erlaube Apple das homophobe App. Das sei ein
"Doppelstandard der verheerende Konsequenzen haben kann".
Auch Volker Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im
Bundestag, warnt vor den Folgen. Homosexualität sei keine Krankheit. Das
App von Exodus International suggeriere aber, dass wer seine Kinder nur
richtig erziehe, sie hart genug bestrafe oder für teures Geld umpole, diese
schon "zur Vernunft brächte". "So werden Leben von jungen Menschen
zerstört. So wird Lesben- und Schwulenfeindlichkeit angeheizt", sagte er
taz.de. Beck fordert Apple deshalb auf, diese App aus seinem Sortiment zu
entfernen.
Auch der Lesben- und Schwulenverband Deutschland ist empört. "Solche
homophoben und fundamentalchristlichen Inhalte haben bei seriösen Anbietern
nichts zu suchen", sagte Geschäftsführer Klaus Jetz gegenüber taz.de. Apple
habe offensichtlich ein Problem mit Schwulen und Lesben, auch wenn intern
harte Anti-Diskriminierungsstrategien gefahren würden.
Bereits im November 2010 geriet Apple wegen eines ähnlich gelagerten Falls
unter Druck. Die App der fundamental-christlichen "Manhattan Declaration"
verglich etwa die Gleichbehandlung von Homopaaren mit der Legalisierung von
Inzest. Nachdem mehrere tausend Protestmails an Apple geschickt wurden,
nahm der Konzern das App kommentarlos aus dem Store.
Auf die Frage, wie Apple selbst zur Kritik der Verharmlosung von Homophobie
stehe und weshalb erneut ein solches App angeboten werde, antwortete Georg
Albrecht, Unternehmenssprecher in Deutschland, lediglich: "Dazu gibt es von
Apple kein Statement."
Update 23. März
Inzwischen hat Apple das kritisierte App kommentarlos aus dem ITunes-Store
entfernt. Ob dauerhaft oder nur vorübergehend ist unklar. Innerhalb von
weniger als zwei Wochen haben bis Mittwochvormittag fast 150.000 Menschen
die Onlinepetition unterschrieben.
22 Mar 2011
## LINKS
[1] http://exodusinternational.org/
[2] http://www.change.org/petitions/demand-that-apple-remove-ex-gay-iphone-app#…
[3] http://www.truthwinsout.org/
## AUTOREN
Paul Wrusch
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