# taz.de -- Bundestrainerin über deutsche Tennisfrauen: "Talent für die Diszi… | |
> Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner über die jüngsten Erfolge | |
> deutscher Frauen, deren Chancen in Wimbledon und wie sehr es Tennisväter | |
> braucht. | |
Bild: Soll wieder nach oben: Sabine Lisicki. | |
taz: Frau Rittner, das deutsche Frauentennis ist mit Andrea Petkovic, Julia | |
Görges und Sabine Lisicki auf einmal ganz nah dran an der Weltspitze. Wie | |
ist es dazu gekommen? | |
Barbara Rittner: Ich begleite die drei, seit sie 15, 16 Jahre alt sind und | |
habe immer an sie geglaubt. Der Vorteil dieser Generation ist, dass sie | |
sich alle aus der Jugend kennen. Es ist ein gesunder Konkurrenzkampf | |
zwischen den Frauen entstanden. Ich bin fest davon überzeugt, dass Sabine | |
Lisicki wieder dahin kommt, wo sie einmal stand (2009 war sie | |
Weltranglisten-22., d. Red.), und ich glaube daran, dass wir bald drei | |
Spielerinnen unter den besten 20 der Welt haben. | |
Welcher dieser drei Spielerinnen trauen Sie in Wimbledon am meisten zu? | |
Petkovic und Görges haben den Riesenvorteil, dass sie unter den ersten 16 | |
gesetzt sind. Ich glaube aber, dass alle drei weit kommen können. | |
Vor allem die Formkurve von Sabine Lisicki zeigt im Moment steil nach oben. | |
Sabine hat in Birmingham gespielt wie die Feuerwehr. Sie hat Daniela | |
Hantuchova im Finale in zwei Sätzen geschlagen. Sabine muss man erst einmal | |
besiegen. Ich bin sicher, dass die gesetzten Spielerinnen froh sind, wenn | |
sie nicht gleich auf Sabine treffen. | |
Sabine Lisicki war oft verletzt. Woran lag das, und was muss sie machen, um | |
einmal eine längere Zeit unverletzt zu überstehen? | |
Man hat bei ihr erst kürzlich eine Glutenunverträglichkeit diagnostiziert. | |
Zusätzlich haben sich immer wieder kleine Verletzungen eingeschlichen. Das | |
hat sie immer wieder zurückgeworfen. Man ist dann nie sicher vor erneuten | |
Verletzungen, agiert einfach unbewusst vorsichtiger. Nun sind die Weichen | |
aber gestellt, und wenn Sabine dann komplett austrainiert ist, wird es für | |
ihre Konkurrentinnen sehr gefährlich. (lacht) | |
Wie kann Deutschland langfristig eine ernstzunehmende Nation im Tennis | |
bleiben? | |
Im Gegensatz zu den Grand-Slam-Nationen ist die finanzielle Situation im | |
Deutschen Tennisbund ziemlich abhängig vom aktuellen Erfolg der Spieler. | |
Das Interesse der Medien und die damit verbundenen Einnahmen unterliegen | |
einfach Schwankungen. Deshalb sind wir aktuell überhaupt erst in der Lage, | |
über neue Sponsoren die Mittel für eine bessere Nachwuchsarbeit bereit zu | |
stellen. Wie langfristig das ist, wird sehr vom anhaltenden Erfolg | |
abhängen. | |
Was muss man mitbringen, um im Tennis in der Weltspitze mitspielen zu | |
können? | |
Im Gegensatz zu früheren Zeiten muss man sich heute ziemlich früh für | |
diesen Weg entscheiden, im Alter von 10, 11 Jahren - dazu gehört ein | |
gewisses Talent. Unter Talent verstehe ich hier nicht nur das spielerische | |
Talent, sondern auch das Talent für die Disziplin. Man muss bereit sein, | |
hart zu arbeiten, sich zu quälen und an seine Grenzen zu gehen - und hin | |
und wieder auch darüber hinaus. | |
Wie viel Zeit muss ein Mädchen dafür investieren? | |
Sehr viel. Es geht praktisch die komplette Freizeit drauf. Man muss lernen, | |
zu verzichten, und gleichzeitig versuchen Freundschaften zu pflegen und | |
sein soziales Umfeld zu halten. Das größte Problem in Deutschland ist die | |
schulische Verpflichtung. Man reist schon in jungen Jahren viel in der | |
Weltgeschichte herum, verpasst viele Schulstunden - wenn man denn | |
verständnisvolle Lehrer hat - und muss auch hier mit Disziplin entsprechend | |
nacharbeiten. Es ist ja nicht so, dass man bei einem 14-jährigen Mädchen | |
sicher vorhersagen kann: Die schafft es. | |
Braucht es die ehrgeizigen Tennisväter? | |
Es gibt natürlich solche und solche. Für die Väter, die sehr streng sind | |
wie etwa Papa Graf oder Papa Capriati - spricht natürlich der Erfolg. | |
Wichtig ist aber, dass man eine gesunde Art pflegt, um die Spielerin zu | |
trainieren, und sie nicht drillt. Eines ist klar: Alles, was die Eltern | |
tun, machen sie vermeintlich zum Wohle ihres Kindes. | |
19 Jun 2011 | |
## AUTOREN | |
Richard Mussbacher | |
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