| # taz.de -- Regierung in Mecklenburg-Vorpommern: "Weiter so" an der Ostsee | |
| > Nach fünf Jahren Koalition mit der CDU sieht die SPD in | |
| > Mecklenburg-Vorpommern keinen Grund, die Zusammenarbeit zu beenden. Als | |
| > Ziele nennen sie Mindestlohn und billigere Kitas. | |
| Bild: Siegerposen reichen nicht mehr: Wahlsieger Erwin Sellering (SPD) muss nun… | |
| ROSTOCK dpa/dapd | Die SPD in Mecklenburg-Vorpommern will weiter mit der | |
| CDU regieren. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sagte am | |
| Mittwochabend in Rostock, als Ergebnis der Sondierungsgespräche wäre die | |
| Regierungsbildung sowohl mit der CDU als auch mit der Linken möglich | |
| gewesen. Die SPD sei aber der Ansicht gewesen, dass in der Zusammenarbeit | |
| mit der CDU die besseren Möglichkeiten lägen, das Land voran zu bringen. | |
| Landesvorstand, Parteirat und Fraktion hätten die Empfehlung zugunsten der | |
| CDU einstimmig angenommen. Auch viele Wähler wollten die Fortsetzung der | |
| großen Koalition, die Zustimmungswerte wie keine andere Regierung vor ihr | |
| bekommen habe. Die Koalitionsgespräche würden "ab sofort" beginnen, sagte | |
| Sellering. Die SPD habe sich vorgenommen, am 22. Oktober einen Parteitag | |
| einzuberufen, wo der dann vorliegende Koalitionsvertrag beschlossen werden | |
| soll. | |
| Als bisherige Reibungspunkt zwischen SPD und CDU galt der Mindestlohn. "Da | |
| werden wir vorankommen", sagte Sellering. Ziel sei, dass die Löhne im | |
| Nordosten steigen müssten. "Da können wir nicht auf den Bund warten", | |
| betonte Sellering. Bei Auftragsvergaben des Landes werde darauf geachtet, | |
| dass die Unternehmen mindestens 8,50 Euro pro Stunde zahlen. | |
| Diese Empfehlung gelte auch für die Kommunen und die Förderpolitik des | |
| Landes. Dazu werde die künftige Regierung ein Vergabe- und Tariftreuegesetz | |
| erlassen. Wenn das nicht gelinge, würden die dringend benötigten Fachkräfte | |
| das Land verlassen, befürchtete der Ministerpräsident. | |
| SPD und CDU wollen darüber hinaus die Situation in den Kitas des Landes | |
| verbessern, beispielsweise mit einem kostenlosen Mittagsessen. Zudem sollen | |
| die Krippenplätze billiger werden. Der Bereich Erneuerbare Energien solle | |
| in einem Ministerium zusammengefasst und die solide Finanzpolitik | |
| fortgesetzt werden, betonte Sellering. | |
| ## Kritik an der Koalition | |
| Linken-Landeschef Bockhahn bedauerte die Entscheidung, die SPD habe sich | |
| für ein "Weiter so" entschieden. Seine Partei werde nun über die künftige | |
| Oppositionsarbeit beraten, wenngleich eine rot-rote Regierung besser für | |
| das Land gewesen wäre. | |
| Zustimmung für eine Fortführung der großen Koalition von SPD und CDU kam | |
| von der Vereinigung der Unternehmensverbände. Die großen Herausforderungen | |
| der nächsten Jahre seien nur in einer verlässlichen Partnerschaft und mit | |
| einer stabilen Mehrheit im Parlament zu meistern, sagte Präsident | |
| Hans-Dieter Bremer. | |
| FDP-Landtagsfraktionschef Michael Roolf warnte die CDU davor, sich bei den | |
| Koalitionsverhandlungen mit der SPD weiter "sozialdemokratisieren" zu | |
| lassen. Die Union dürfe bei der SPD-Forderung nach einem Mindestlohn nicht | |
| einknicken. Die FDP ist im künftigen Landtag nicht mehr vertreten. | |
| Die Sozialdemokraten konnten sich nach der Landtagswahl zwischen ihrem | |
| bisherigen Regierungspartner CDU und der Linken entscheiden. Nach dem | |
| amtlichen Endergebnis der Landtagswahl verfügt die SPD über 27 und die CDU | |
| über 18 Sitze. Mit zusammen 45 Abgeordneten hätte die Koalition neun Sitze | |
| mehr als zur absoluten Mehrheit notwendig. Im Landtag sitzen künftig 71 | |
| Parlamentarier. | |
| 22 Sep 2011 | |
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