| # taz.de -- MUSEUMSSTREIT: Hausherr auf fremde Kosten | |
| > Der Bezirk Bergedorf will das dortige Museum aus der Stiftung heraus und | |
| > in eigene Obhut nehmen - so wie Harburg. Bezahlen soll das aber die Stadt | |
| > Hamburg. | |
| Bild: Würde das Bezirksamt gerne in eigener Regie führen: Bergedorfer Museum. | |
| Bergedorf ist immer eine Reise wert - besonders das Schloss aus dem 19. | |
| Jahrhundert, das ein originales Landherrenzimmer mit Holz-Intarsien birgt. | |
| Zur Vernissage empfangen einen Damen und Herren in Vierländer Tracht - ein | |
| echtes Stück Bergedorf. | |
| All dies sieht eher folkloristisch als großstädtisch aus, und hieran | |
| entzündet sich der aktuelle Konflikt. "Dies ist ein lokales Museum", sagt | |
| Bergedorfs Bezirksamtsleiter Arne Dornquast (SPD). Deshalb solle es auch | |
| der Bezirk verwalten. | |
| Bislang ist das anders: Das Bergedorfer Schloss ist Außenstelle der Museums | |
| für Hamburgische Geschichte, das zur Stiftung Historische Museen Hamburg | |
| gehört. Deren Ziel war es, Geld zu sparen. Das aber gelang nicht. Bis heute | |
| ächzt die Stiftung unter einem Defizit von rund einer Million. Deshalb | |
| fordern die Bezirke Harburg und Bergedorf ihre Häuser für sich. | |
| Beim Helms-Museum wäre die Verselbstständigung organisatorisch | |
| unproblematisch, da es bis 2008 bereits eigenständig war. Für das | |
| Bergedorfer Schloss wäre der Schritt größer: Hier müsste ein | |
| Verwaltungsapparat aufgebaut, ein eigenes Konzept erstellt werden. Ein | |
| solches fordert die SPD in einem Antrag, der am 9. November von der | |
| Bürgerschaft beschlossen werden soll. | |
| Wichtigster Streitpunkt des Konzepts, das Kulturbehörde und Bezirk bis | |
| Mitte 2012 beibringen sollen, wird die Finanzierung sein. Derzeit erhält | |
| das Bergedorfer Schloss 400.000 Euro jährlich aus dem Etat des Museums für | |
| Hamburgische Geschichte; das Helms Museum bekommt 2,3 Millionen Euro. Beide | |
| Häuser wollen diesen Betrag in die Selbständigkeit mitnehmen. Das aber ist | |
| umstritten. Die Kulturbehörde will es "prüfen". | |
| Lisa Kosok, Chefin des Museums für Hamburgische Geschichte, will dagegen | |
| nicht, dass die Häuser den vollen Betrag mitnehmen. Überhaupt hält sie den | |
| SPD-Antrag für "nicht valide". Sie bezweifelt, dass die Herauslösung | |
| wirtschaftlich oder inhaltlich sinnvoll ist. | |
| Konkret betrifft das die Bergedorfer Sammlung. Eigentümerin ist die Stadt | |
| Hamburg, und niemand weiß, ob sie dem Bezirk die Exponate überlassen will. | |
| Zwar glaubt Bezirksamtsleiter Dornquast, "dass erwachsene Menschen eine | |
| gute Lösung finden werden". Aber wie die aussehen soll, weiß auch Harm | |
| Reese vom Freundeskreis des Bergedorfer Schlosses nicht. Sein Verein gebe | |
| dem Haus zwar jährlich bis zu 20.000 Euro. Die Betreuung der Sammlung könne | |
| er aber nicht finanzieren. Zudem müsse die Selbstständigkeit klare | |
| Verbesserungen bringen. | |
| Die werde es geben, glaubt Dornquast. "Dies ist ein Museum, das vom | |
| Lokalpatriotismus lebt", sagt er. Und da könne man bei den Bergedorfern | |
| auch finanziell "deutlich mehr Engagement" hervorlocken, wenn der Bezirk es | |
| verwalte. | |
| 7 Nov 2011 | |
| ## AUTOREN | |
| Petra Schellen | |
| Petra Schellen | |
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