| # taz.de -- Kommentar Parlamentswahlen Iran: Präsident auf Abruf | |
| > Der offene Bruch mit Präsident Ahmadinedschad dürfte ausblieben. Doch | |
| > nach dieser Wahl ist klar, dass Kandidaten seiner Coleur künftig keine | |
| > Chance mehr haben dürften. | |
| Bild: Israel gehen die US-Sanktionen gegen das Regime in Teheran nicht weit gen… | |
| Gemessen daran, wie machtlos das iranische Parlament während seiner | |
| vierjährigen Legislaturperioden auch immer blieb, so ist die Wahl seiner | |
| Abgeordneten im Vergleich zu den meisten anderen Staaten der Region fast | |
| schon ein Musterbeispiel für Demokratie. „Fast“, weil es keine Parteien | |
| gibt und jedes Mal ein beträchtlicher Anteil der Kandidaten willkürlich | |
| ausgeschlossen wird – darunter selbst solche, die bereits in der Madschlis | |
| (Versammlung) gesessen hatten. Oder auch, weil Stimmabgabe und -auszählung | |
| nicht von neutralen Beobachtern kontrolliert werden. | |
| Iranische Wahlen sind aber immer wieder gut für Überraschungen: Wie 1997 | |
| der ebenso unerwartete wie überwältigende Wahlsieg des gemäßigten Mohammed | |
| Chatami oder – entgegengesetzt – 2005 die erste Wahl Mahmud | |
| Ahmadinedschads. Sie haben bisher aber nie eine wirkliche Wende gebracht: | |
| Chatami scheiterte und seine Anhänger wandten sich frustriert von der | |
| Politik ab. Ahmadinedschad wiederum verschreckte zunächst die Welt mit | |
| markigen Sprüchen und der von seinen Vorgängern übernommenen Atompolitik, | |
| auch er musste – wie Chatami – erfahren, dass er sich dem „Obersten Führ… | |
| zu fügen hat. | |
| Ajatollah Ali Chamenei nahm zunehmend Anstoß an Ahmadinedschads Politik und | |
| sinnierte sogar über die Abschaffung des Präsidentenamtes. Die Querelen | |
| ermutigten Teile des konservativen Lagers, den Präsidenten kritischer | |
| anzugehen. Etwa wegen dessen schlechter Wirtschafts- oder Außenpolitik. | |
| Diese Kritiker gehen nun als Sieger hervor, der offene Bruch mit dem | |
| Präsidenten dürfte aber ausbleiben, denn dem „Obersten Führer“ liegt viel | |
| daran, dem Ausland inneren Frieden und Eintracht vorzuführen. Und das | |
| „Problem Ahmadinedschad“ wird sich von selbst lösen: Beim nächsten Mal | |
| (2013) kann dieser nicht mehr antreten, und Kandidaten seiner Couleur | |
| dürften nach dieser Parlamentswahl auch keine Chance mehr haben. | |
| 4 Mar 2012 | |
| ## AUTOREN | |
| Peter Philipp | |
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