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# taz.de -- das wird: „Wir jodeln rechte Demos voll“
> Das Duo „Esels Alptraum“ nutzt eine verkannte Stimmkunst politisch
Interview Mona Rouhandeh
taz: Warum jodeln Sie, Commandanta Elenos?
Elenos: Jodeln wird oft mit Konservatismus und Kitsch verknüpft. Wir haben
aber ziemlich schnell gemerkt, dass es etwas total Anarchisches und
Befreiendes hat. Man geht aus sich heraus und das verursacht ein gutes
Gefühl. Mit Jodeln kann man in einer Gesellschaft laut sein, in der Stimmen
oft nicht gehört werden.
Mit Ihrem Jodeln äußern sie sich auch zu politischen Themen. Wie gehen Sie
da vor?
Meistens treibt uns ein Thema besonders um. Das besprechen wir dann. Das
sind oft sehr schmerzhafte, ernsthafte und emotionale Themen. Jodeln ist
übrigens eine sehr emotionale Stimmtechnik, denn es ist das, was die Stimme
macht, wenn wir weinen, klagen oder uns freuen. Das Jodeln fügt der
Wortebene einen emotionalen Charakter hinzu.
Bei Ihren Auftritten tragen sie schillernde Militär-Klamotten und Dirndl
mit Totenköpfen. Wie wichtig ist es Ihnen, für Verwirrung zu sorgen?
Verwirrung, Staunen und Irritation ist das, wonach etwas in Bewegung kommt.
Wenn Menschen nicht direkt eine passende Schublade einfällt, halten sie
inne und überlegen, wie sie etwas einordnen können. Diesen Moment der
Irritation nutzen wir aus. Jodeln ist eine Stimmtechnik, die mit Bruch
arbeitet. Beim Jodeln bricht die Stimme in zwei Register. Auch das sorgt
für Irritation!
Mit „Jogida“, der Jodel-Offensive gegen die Idiotisierung durch Angst, üben
Sie es auch als Protestform aus.
Wir haben mit Esels Alptraum eigentlich als Duo angefangen. Dann haben wir
aber festgestellt, dass das in einer größeren Gruppe noch mehr Spaß macht.
Daraufhin haben wir die „Jogida“ gegründet. Wir lehren dann alle, die das
wollen, das Jodeln. Gemeinsam gehen wir auf rechte Demos und jodeln die
voll. Mit unseren lauten Stimmen zeigen wir, dass wir nicht einverstanden
sind.
Wie kann man sich das vorstellen?
Es gibt zum Beispiel das Format des Gschtanzelns. Es gibt dabei immer eine
Person, die vorsingt, etwa: „Wir brauchen die Häuser, wir brauchen sie
jetzt, und wenn wir sie nicht kriegen, dann wird halt besetzt“. Alle
anderen setzen dann mit „Holladri, holladrio“ ein. Das ist als
Ad-hoc-Format für Demos ganz gut.
Was unterscheidet einen anarchischen von einem normalen Jodelworkshop außer
den Text-Inhalten?
Auch wir wärmen erst unsere Stimme auf und üben die Technik. In einem
klassischen Jodel-Workshop macht man vielleicht mehr Besinnliches oder
achtet mehr auf den Klang. Wir sind da ein bisschen mehr Crash-Aktionskurs.
17 Mar 2023
## AUTOREN
Mona Rouhandeh
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