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# taz.de -- momentaufnahmen: Was Wohnungslose über den Kapitalismus lehren
Der Verkäufer der Zeitschrift der Straße am Hauptbahnhof will dieselbe
eigentlich gar nicht verkaufen. Ja, er hat nicht einmal mehr ein Exemplar
der Bremer Straßenzeitung dabei, nur noch das Schild am Revers, das ihn als
Verkäufer ausweist. Geld will er natürlich trotzdem, nur nichts dafür
geben. Denn das ist am Ende womöglich lukrativer als – dem kapitalistischen
Grundgedanken folgend – etwas wert zu sein, weil man etwas von Wert
verkauft. Etwas fürs Geld leistet.
„Du weißt schon, dass du hier nicht betteln darfst“, sag ich zu ihm; ihn
duzend, weil wir uns kennen: Ich war mal ein paar Jahre der nebenberufliche
Chefredakteur des Blattes. Ja, schon, sagt er, eine Unterhaltung entspinnt
sich, wir haben uns früher schon ab und zu getroffen. Am Ende kriegt er 2
Euro von mir, an der neuen Ausgabe hätte er weniger verdient.
Dann zieht er weiter den Bahnsteig entlang, es ist gerade voll hier. Nach
ein paar Minuten kommt er wieder: „Genug für heute“, ruft er mir zu. Aber
warum nicht immer weitermachen, um immer noch mehr zu verdienen? Wo er es
ja doch wohl nötig hat. Was ist denn nun mit der allgegenwärtigen
Profitmaximierung? Er ging mit einem Lächeln. Jan Zier
4 Mar 2023
## AUTOREN
Jan Zier
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