# taz.de -- heute in hamburg: „Care-Arbeit betrifft wirklich jede*n“ | |
Interview Sabrina Winter | |
taz: Frau Wernecke, Care-Arbeit, also Sorge- und Pflegearbeit, wird wenig | |
geschätzt, schlecht bezahlt und vor allem von Frauen übernommen. Wie kann | |
man das ändern? | |
Rosa Wernecke: Wir müssen Geschlechter-Stereotype aufbrechen und schauen, | |
warum sind Sorgearbeiten so weiblich konnotiert. Auf der Hand liegt, dass | |
Sorgearbeit besser bezahlt werden muss. Natürlich gibt es auch viel | |
unbezahlte Sorgearbeit, die gar nicht in Zahlen eingefangen wird. | |
Personen, die diese Arbeit leisten, brauchen mehr Anerkennung und | |
Absicherung. | |
Wie kann es gelingen, die Stereotypen aufzubrechen? | |
Geschlecht ist eine soziale Konstruktion. Arbeit ist als männlich oder | |
weiblich konnotiert. Woran liegt es zum Beispiel, dass sich Mädchen | |
anscheinend nicht so sehr für MINT-Fächer interessieren? Oder Jungs nicht | |
für Care-Tätigkeiten? Darüber müssen wir sprechen – auf allen Ebenen: | |
Gesellschaft, Kunst, Medien, Kultur und so weiter. Das ist eine große | |
Aufgabe, bei der alle mitmachen müssen. | |
Was tun Sie als Künstlerin, um sich für einen Wandel einzusetzen? | |
Als Künstler*innen können wir unsere Sichtbarkeit oder Hörbarkeit dafür | |
nutzen, um solche Themen zu verbreiten und öffentliche Debatten | |
anzustoßen. | |
Sie und ihre Kolleginnen aus dem Kollektiv „[1][Swoosh] Lieu“ haben sich in | |
einem Hörspiel mit Care-Arbeit beschäftigt. Was haben Sie dabei gelernt? | |
Für das Hörspiel haben wir unterschiedliche Frauen* interviewt, die in dem | |
Bereich arbeiten. Das geht von der Kindergärtnerin über die Altenpflegerin | |
bis hin zur Mutter. Auch Sexarbeiterinnen kommen vor. Dabei haben wir | |
gelernt, was für harte und tolle Arbeit all diese Menschen machen. Und dass | |
Care-Arbeit wirklich jede*n betrifft. In dem Hörspiel erkunden wir, wie die | |
Frauen* ihre Stimme für die Sorgearbeit einsetzen. Denn sie ändern ihre | |
Stimme, um bestimmte Rollen zu erfüllen. | |
Und wie? | |
Von Pflegenden erwartet man eher eine zugewandte Stimme. Eine | |
Kindergärtnerin hat uns erzählt, dass sie ihre Stimme ändert, um die Kinder | |
unterschiedlich anzusprechen. Wir haben uns auch mit Stimmklischees | |
generell auseinander gesetzt. Denn wir haben bestimmte Stimmen im Ohr, zum | |
Beispiel von einer sexy Stimme oder einer devoten Stimme, von der wir | |
voreilig auf den Menschen dahinter schließen. In unserem Hörspiel zeichnen | |
wir eine Utopie von einer Welt nach der Care-Revolution, in der Stimmen mit | |
Wums zu Wort kommen. | |
Was ist denn eine Care-Revolution? | |
Wir meinen damit eine revolutionäre Bewegung, die eine neue care-zentrierte | |
Gesellschaftsordnung schafft – abseits einer kapitalistischen Marktlogik. | |
Care-Berufe werden besser bezahlt und anerkannt. Es gibt keinen | |
Gender-Care-Gap mehr. In dieser Utopie wird die Care-Arbeit umgekrempelt | |
und das strahlt in alle Bereiche hinein. | |
4 Feb 2020 | |
## LINKS | |
[1] http://www.swooshlieu.com | |
## AUTOREN | |
Sabrina Winter | |
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