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# taz.de -- heute in hamburg: „Die Steuerzahler wurden wirklich beraubt“
Interview Katharina Gebauer
taz: Herr Schmidt, warum haben Sie die Aufdeckung des größten Steuerraubs
der deutschen Geschichte begleitet?
Helge Schmidt: Ich wollte dafür sorgen, dass Wirtschaftsskandale nicht in
Vergessenheit geraten, und sie verständlich machen – mit einem
Theaterstück. Die Förderung hatte ich bereits in der Tasche. Es war also
schon klar, dass ich darüber etwas machen würde. Die Journalisten und
Journalistinnen, die davon erfuhren, haben mich dann angesprochen und
meinten: Die große Nummer kommt noch.
Was hat Sie an dem Steuerbetrug so interessiert?
An Wirtschaftssteuerskandalen ist so interessant, dass eben nichts
passiert. Man kann die hinnehmen, lesen, was passiert ist und die Zeitung
dann wieder weglegen. Ich wollte wissen, warum das so ist. Was der Auslöser
dafür ist, dass sich die Menschen bei objektiv skandalösen Sachen nicht
aufregen und wütend werden. Wie ein kritischeres Bewusstsein geschaffen
werden kann.
Und wie kann man das?
Die Dinge müssen anders erzählt werden. Es wurden nicht nur Steuergelder
gespart, sie wurden wirklich geraubt.
Wie haben Sie das für die Bühne umgesetzt?
Wir haben uns Erzählmustern aus Literatur, Film und Theater bedient.
„Spotlight“-ähnlich haben wir die investigative Recherche dramaturgisch
aufgearbeitet, damit die Zuschauer anders zuhören können und sie das, was
passiert, auch anders verstehen. Sie müssen sich identifizieren können –
Sie, die Steuerzahler – wurden ja beraubt.
Ist mittlerweile schon wieder Gras über die Sache gewachsen?
Nein, es ist noch stark in der Öffentlichkeit, wenn man die Folgen des
Sachverhalts aktiv verfolgt. Es gibt weitere Anklagen, doch es wird für
spezielles Interesse berichtet, wie etwa im Handelsblatt. Würde der
Sachverhalt endlich in einer Talkshow für ein breiteres Publikum behandelt,
könnte man auch ein moralisches Urteil fällen.
Welche aktuellen Sachverhalte müssten anders erzählt werden, damit die
Menschen sich aufregen?
Genau wie bei den Cum-Ex Papers profitieren nur die Bösen beim
Dieselskandal oder in der Kohleindustrie, wenn wir sagen, das ist zu
komplex, um es zu verstehen. Komplexität ist kein Erzählmuster, das der
Gesellschaft hilft. Bestrafen wir etwa VW, verliert doch angeblich jeder
und jede Deutsche ihre Arbeitsplätze. Dabei ist es doch das Wesen des
Rechtsstaats, Verbrechen zu bestrafen.
27 Dec 2019
## AUTOREN
Katharina Gebauer
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