# taz.de -- heute in bremen: „Es ist gut, die Problematik künstlerisch zu ve… | |
Interview Florian Fabozzi | |
taz: Herr Kraft, mit welchen Mitteln versuchen rechte Bewegungen die | |
Kunstfreiheit einzuschränken? | |
Maximilian Kraft: Unter anderem durch das „Kapern“ von Veranstaltungen. Sie | |
besuchen etwa Vorlesungen, bei denen sie liberale Grundsätze offen in Frage | |
stellen und Kritik an völkischen Gedankengut als Einschränkung der | |
Meinungsfreiheit interpretieren. Dadurch wollen die mediale Aufmerksamkeit | |
erwirken und gesellschaftliche Debatten nach rechts verschieben. | |
Welche Strategien verfolgt die AfD? | |
Sie stellen Anfragen, die der Verunsicherung von Kulturetablissements | |
dienen. Sie fragen dabei beispielsweise, wie groß der Anteil deutscher | |
Mitarbeiter*innen in bestimmten Institutionen ist. Oftmals versuchen sie | |
zudem die Streichung von Fördergeldern zu erwirken. Grundsätzlich | |
beanspruchen sie die Deutungshoheit darüber, was auf deutschen Bühnen zu | |
spielen ist. | |
Welche Bremer Kulturinstitutionen sind auf dem Radar rechter Bewegungen? | |
Der Kulturverein Zuckerwerk ist schon länger im Fokus der AfD und | |
Identitäten Bewegung. Schon 2017 haben diese den Verein als linksextremes | |
Sammelbecken kriminalisiert und unter den Vorwand versucht, ihnen die | |
Fördergelder streichen zu lassen. | |
Was versucht die rechte Szene an Kulturinstitutionen zu diskreditieren? | |
Das lässt sich anhand eines Beispiels verdeutlichen. Als die Band | |
„Egotronic“ vor einigen Monaten auf einer Veranstaltung in Weyhe auftrat | |
und sich in ihren Titeln kritisch mit reaktionären Deutschtum | |
auseinandersetzte, waren auch Vertreter der Jungen Alternative vor Ort und | |
haben den Auftritt gefilmt. Auf ihren sozialen Kanälen bezeichneten sie das | |
Konzert anschließend als Beweis dafür, dass sogenannte Kulturmarxist*innen | |
an der Zerstörung einer vermeintlich deutschen Identität arbeiten. Marc | |
Jongen von der AfD spricht davon, den Kulturbetrieb „entsiffen“ zu wollen. | |
Kultur müsse einen völkisch-nationalen Charakter erhalten. | |
Wie präsent ist die rechte Szene in Bremen? | |
Es gibt viele Mischgruppierungen mit wechselnden Akteuren und natürlich die | |
Identitäre Bewegung. Viele dieser Gruppen stammen aus dem ländlichen Raum | |
um Bremen. Wir von der AfD Watch schauen aber weniger auf die Quantität der | |
rechten Szene, sondern stellen uns die Frage, wie stabil und wie | |
organisations- und vernetzungsfähig rechte Gruppen sind. | |
Wie muss die Kulturszene mit Provokationen von rechts umgehen? | |
Zunächst mal muss ein Problembewusstsein und Kenntnis über rechte Diskurse | |
da sein. Dann ist es wichtig, sich untereinander zu solidarisieren, was mit | |
Bündnissen wie „Die Vielen“ schon erfolgreich geschieht. Auch ist es gut, | |
die Problematik künstlerisch zu verarbeiten und mit dem Publikum in den | |
Dialog zu treten. Die Kulturbetriebe dürfen sich von rechten Angriffen | |
nicht beirren lassen, sondern müssen lauter und sichtbarer denn je sein. | |
7 Sep 2019 | |
## AUTOREN | |
Florian Fabozzi | |
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