| # taz.de -- die drei fragezeichen: „Wird uns der Kopf abgeschlagen, sacken wi… | |
| Bild: Foto: privat | |
| 1taz: Herr Klintschar, kann ein Mensch ohne Kopf gehen? | |
| Michael Klintschar: Nein. Das Gehirn steuert unsere Bewegungen. Schlägt uns | |
| jemand den Kopf ab, ist das Gehirn vom Körper getrennt, also: | |
| abgeschnitten. Das Rückenmark ist noch da, es bleiben Reflexe: auf Schmerz | |
| vielleicht, ein Beispiel: Zwickt uns jemand ins Bein, würden wir es | |
| vielleicht reflexhaft wegziehen. Das kann ich mir vorstellen. Aber dass | |
| einer ohne Kopf noch zwölf Schritte geht? Nein. Die Befehle an die | |
| Muskulatur fehlen. Gehen ist ein komplexer Vorgang, es braucht Planung, um | |
| einen Schritt zu tun. Wird uns der Kopf abgeschlagen, sacken wir zusammen | |
| und fallen um. Zu einhundert Prozent ausschließen kann ich es natürlich | |
| nicht. Das hat ja noch niemand am Menschen getestet. Zumindest hoffe ich | |
| das. | |
| 2Man hört von Hühnern, die ohne Kopf flattern und herumrennen. Wie kann das | |
| sein? | |
| Hühner sind primitive Lebewesen, ihr Kopf hat weniger Bedeutung als beim | |
| Menschen. Die Wirbelsäule ist bei diesen Tieren wichtiger, die Nervenzellen | |
| dort. Das hat einen Vorteil: Der Reiz muss nicht erst ins Hirn, das Huhn | |
| ist ein Fluchttier, die Reaktion auf Bedrohung ist im Rückenmark | |
| gespeichert. Wird einem Huhn der Kopf abgeschlagen, und das kann durchaus | |
| als Bedrohungssituation gelten, flattert das Huhn und rennt weg. Aber auch | |
| hier bin ich mir sicher: Das Huhn kann keine gesteuerte Strecke mehr | |
| laufen, das geht nur noch zufällig: Weg vom Schmerz! | |
| 3Haben Sie in Ihrem Beruf eigentlich oft mit Geköpften zu tun? | |
| Ja, das kommt schon vor. Zum Glück aber nicht sehr häufig. Vielleicht ein | |
| bis zwei Fälle im Jahr. | |
| Interview Tobias Scharnagl | |
| 5 May 2018 | |
| ## AUTOREN | |
| Tobias Scharnagl | |
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