# taz.de -- heute in bremen: „Paradoxien des eigenen Seins“ | |
taz: Frau Bohn, wann haben Sie zuletzt auf Ihr Handy geschaut? | |
Katalyn Bohn: Vor ungefähr 10 Sekunden. Ich habe gerade noch telefoniert. | |
Was erwartet die Zuschauer*innen in Ihrem Kabarettprogramm? | |
Die Zuschauer erleben auf lustige Art die Überforderung der Menschen im | |
digitalen Zeitalter. Dabei spiele ich verschiedene Perspektiven: zuerst ein | |
Kindergartenkind, dann seine Mutter. Aber auch vier Nutztiere auf einem | |
Bauernhof chatten über die Frage: Gibt es ein Leben vor dem Tod? | |
Sein oder online, kann man das überhaupt noch trennen? | |
Ich bin überzeugt, dass man es trennen kann, obwohl wir durch Technisierung | |
zunehmend Entfremdung erfahren. Wenn ich unzählige Mal am Tag auf mein | |
Handy schaue, wird mein Handeln immer wieder unterbrochen und ich befinde | |
mich nicht mehr im Hier und Jetzt. Ich habe dies zum Anlass genommen, mir | |
eine ganz grundsätzliche Frage zu stellen: Worum geht es uns im Leben? | |
Unser Leben wird immer effizienter. Das empfinde ich als Dilemma. | |
Inwiefern? | |
Die vielen Möglichkeiten, die einem im Leben geboten werden, lösen häufig | |
den Zwang aus, sie auch alle wahrzunehmen. Man hat immer höhere Ansprüche | |
und möchte allem gerecht werden. Und obwohl wir durch Technik eigentlich | |
Zeit sparen sollten, haben wir immer weniger davon. | |
Haben Sie hierfür eine Lösung? | |
Mit meinem Programm möchte ich keine moralischen Handlungsvorschläge bieten | |
und möchte die Technik nicht verteufeln. Für mich ist es wichtig, die Dinge | |
mit Humor zu nehmen. Wenn man die Paradoxien des eigenen Seins erkannt hat | |
und darüber lachen kann, ist man schon mal einen Schritt weiter. | |
Interview Paula Högermeyer | |
28 Oct 2017 | |
## AUTOREN | |
Paula Högermeyer | |
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