# taz.de -- heute in hamburg: „Sprache ist Voraussetzung“ | |
> Integration Die Sprachbrücke-Hamburg bietet Gesprächsrunden für | |
> Zugewanderte an | |
taz: Frau Haehling von Lanzenauer, welche Rolle spielt die Sprache bei der | |
Integration von Zugewanderten? | |
Annja Haehling von Lanzenauer: Das Beherrschen der Sprache ist eine | |
Grundvoraussetzung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Ohne die Sprache | |
kann man sich zum Beispiel keine Wohnung mieten, einen Beruf finden oder – | |
am wichtigsten – soziale Kontakte knüpfen. Auch ist eine gelungene | |
Kommunikation das erste Mittel gegen das Bilden von Parallelgesellschaften. | |
Eine Iranerin, die 2001 nach Deutschland gekommen ist, hat mir mal gesagt, | |
dass sie unheimlich einsam gewesen sei und dies noch nicht einmal auf | |
Deutsch habe formulieren können. Daran sieht man, dass Sprache alle | |
Lebensbereiche umfasst. | |
Die Sprachbrücke bietet schon seit 2014 in Hamburg Gesprächsrunden an. Ist | |
die Nachfrage in den vergangenen Monaten und Jahren gestiegen? | |
Nun, natürlich hat man auch in Hamburg gemerkt, dass deutlich mehr Leute | |
gekommen sind, die Deutsch lernen möchten. Doch der Spracherwerb von | |
Zugewanderten war schon immer ein Thema, gerade im weltoffenen Hamburg. Ich | |
bin froh, dass wir mit den Bildungsangeboten in Hamburg schon wesentlich | |
weiter als andere Gegenden sind. | |
Richten sich die Gesprächsrunden an Anfänger und Fortgeschrittene? | |
Ja, das ist uns auch sehr wichtig, denn die Teilnehmer helfen sich so auch | |
untereinander sehr gut. Viele Menschen haben Vorkenntnisse, aber trauen | |
sich nicht zu sprechen, weil man immer noch degradiert wird, wenn man nicht | |
perfekt spricht. Das passiert nicht unbedingt absichtlich. Wer nicht | |
einwandfrei spricht, wird zum Beispiel schnell geduzt statt gesiezt und nur | |
noch in Halbsätzen angesprochen, obwohl das nicht hilft. | |
Sie werben damit, dass die Gesprächsrunden sehr praxisnah seien. Wie | |
stellen Sie das an? | |
Wir achten darauf, dass die Gruppen nie mehr als zehn Teilnehmer haben. | |
Wichtig ist, dass die Teilnehmer nicht nach jedem Satz unterbrochen und | |
korrigiert werden. Nur so können sie Fortschritte machen. Und damit die | |
Runden nicht langweilig werden, verbinden wir sie mit Ausflügen und | |
Erkundungen in Hamburg. Das kann ein Besuch der Kunsthalle oder, jetzt wo | |
die Politik in aller Munde ist, ein Besuch des Rathauses sein. | |
Interview Leon Kirschgens | |
Gesprächsrunde: 15–16 Uhr, Bürgerhaus Eidelstedt, Alte Elbgaustraße 12 | |
30 Aug 2017 | |
## AUTOREN | |
Leon Kirschgens | |
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