| # taz.de -- heute in hamburg: „Wie in einem Rausch“ | |
| > AuSstellung Der Musiker Alexander Schubert will der Wahrnehmung einen | |
| > Streich spielen | |
| Bild: Peggy Maerz | |
| taz: Herr Schubert, was gibt es heute in Ihrer Ausstellung „Solid State“ zu | |
| sehen? | |
| Alexander Schubert: Konkret ausgestellt wird nichts. Rotes Licht pulsiert | |
| in zwei mit Nebel gefüllten Räumen und verändert sich ständig. Mal blinkt | |
| das Licht in einem Raum, bevor er plötzlich in Dunkelheit gehüllt wird und | |
| der andere Raum zu leuchten beginnt. Das wiederhole ich immer wieder. Dazu | |
| spiele ich schnelle, elektronische Musik. Dort, wo sich die beiden Räume | |
| überschneiden, erliegt der Besucher einer Täuschung. | |
| Welcher? | |
| Er kann die Enden des Raumes nicht mehr sehen und seine Augen gewöhnen sich | |
| nicht schnell genug an die ständigen Lichtwechsel. Ich will einen Zustand | |
| schaffen, der nicht zu erfassen ist. Der Besucher soll sich etwas verloren | |
| fühlen. | |
| Was wollen Sie damit erreichen? | |
| Ich zeige kein Kunstwerk, das etwas ganz Bestimmtes ausdrücken soll. Mir | |
| geht es darum, der Wahrnehmung einen Streich zu spielen, die Menschen zu | |
| desorientieren und Halluzinationen hervorzurufen. Das ist ein bisschen so, | |
| als wären die Besucher in einem Rausch. Sie sollen das Gefühl haben, in | |
| einen endlosen Raum hineinzufallen. Ihre Reaktionen sind Teil der | |
| Ausstellung. | |
| Wollen Sie eigentlich eine bestimmte Zielgruppe ansprechen? | |
| Nein. Ich richte mich an alle Menschen, die es interessiert. Sie sollten | |
| nur wissen, dass es eine sehr intensive Erfahrung ist. | |
| Ist das Ihre erste Ausstellung dieser Art? | |
| Genau. Aber sie ist der direkte Anschluss an meine vorigen Arbeiten. | |
| Sie verbinden also häufiger Kunst mit kognitiven Experimenten? | |
| Schon häufiger, ja. Ich spiele oft ich mit der Wahrnehmung, nur immer auf | |
| verschiedene Art und Weise. Mal mit Videos, mal mit Licht. | |
| Wie sind Sie auf die Idee gekommen? | |
| Sonst komponiere ich vor allem Stücke für andere Musiker und inszeniere | |
| ihre Shows mit Lichteffekten. Die Interaktion mit dem Publikum ist für mich | |
| dabei immer weiter in den Vordergrund gerückt. Diese Ausstellung ist nun | |
| der nächste logische Schritt: Es gibt keine Musiker mehr, die im | |
| Mittelpunkt stehen. Alles dreht sich um den Besucher. Ohne ihn funktioniert | |
| es nicht. | |
| Interview: Johanna von Criegern | |
| Eröffnung: 19 Uhr, Frappant/Viktoria Kaserne, Zeiseweg 9. Bis Sonntag, 14. | |
| August, jeweils 14–19 Uhr | |
| 12 Aug 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Johanna von Criegern | |
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