| # taz.de -- Bohnen aus 30 Ländern | |
| > HEISS Eine kleine Rösterei in Bremen will der Leidenschaft für den Kaffee | |
| > eine Bühne bieten – durch ihre Produkte und Workshops | |
| Bild: Wollen mit Sorgfalt behandelt werden: Kaffeebohnen in den Händen von Oli… | |
| von Jannik Sohn | |
| Es ist eine kleine Halle in der Nähe der Waterfront in Bremen. Zwischen | |
| Kaffeesäcken aus Jute, 250-Gramm-Bohnenpackungen und Werbematerial steht | |
| eine große Maschine. An dieser röstet Cross-Coffee-Gründer Oliver Kriegsch | |
| täglich Rohbohnen. Kriegsch will aber nicht nur Kaffee verkaufen – er will | |
| auch seine Leidenschaft für das Getränk vermitteln. | |
| Kriegsch sagt, er möchte seinen Kunden alle 30 Anbauländer von Kaffee | |
| näherbringen. Der Kaffee kommt aus Direktimporten verschiedener | |
| Projektpartner. Ohne Umwege über Zwischenhändler finden die Rohbohnen den | |
| Weg von Kollektivbetrieben in die Rösterei. Etwa der „Lampocoy Kaffee“ aus | |
| Guatemala: Der gezahlte Preis liegt 15 Prozent über dem Weltmarktpreis. Der | |
| Gewinn kommt den Bauern zugute. | |
| Doch ein Bio- oder Fairtrade-Siegel ist auf den Verpackungen der Rösterei | |
| nicht zu finden. Teilweise verwende der Vertrieb bio-zertifizierte | |
| Rohkaffees, für manche Kollektive sei die Zertifizierung aber zu aufwändig, | |
| sagt Kriegsch. Auch ohne Siegel arbeiteten die Bauern ökologisch. Er | |
| vertraue den Projekten und seinen Netzwerken. | |
| Das gilt auch für die Fairtrade-Zertifizierung: Die Kollektivbetriebe | |
| erhalten schon vor der Ernte eine Vorauszahlung. „Damit haben Kaffeebauern | |
| schon Mal Geld in der Hand“, sagt Kriegsch. | |
| Neben dem Rösten geschieht einiges mehr in der Halle: Am Eingang befindet | |
| sich eine professionell ausgestattete Kaffeeküche. Ein Espressomaschine | |
| steht hier neben Kaffeemühlen, Filtern und Wasserkochern. Zu den | |
| Öffnungszeiten des Werksverkaufs finde sich hier eine „illustre Runde“ ein, | |
| erzählt Kriegsch, „die Kaffee trinkt, kauft und selber kocht“. | |
| Teilweise brächten LiebhaberInnen ihre Kaffeespezialitäten selber mit und | |
| versuchten sich an verschiedenen Methoden des Kochens, berichtet er. So | |
| lernt der 48-Jährige verschiedene Kaffeesorten kennen. „An manchen Tagen | |
| kann es sein, dass 20 Leute durch die Tür kommen“, sagt er. Ein großer Teil | |
| es Kaffees wird jedoch online vertrieben. | |
| Schon vor Gründung der Rösterei hatte Kriegsch beruflich mit Kaffee zu tun. | |
| Er absolvierte eine Lehre als Maschinenschlosser bei Jacobs und arbeitete | |
| nach seinem Studium für Eduscho und Tschibo als Verfahrenstechniker. | |
| Cross-Coffee ist, laut dem Gründer, „aus dem Hobby heraus entstanden“. | |
| Nachdem er für FreundInnen hobbyweise Kaffee geröstet hatte, begann er 2013 | |
| auf zwölf Quadratmetern und einer kleinen Röstmaschine mit der | |
| kommerziellen Produktion. | |
| Die Szene in Deutschland und Bremen sei am Wachsen, „der Umgang mit Kaffee | |
| wird anders, die Leute stellen fest, da ist mehr als im Supermarktregal“, | |
| sagt der Röster. Er kritisiert den Umgang der großen Röstereien mit Kaffee. | |
| Sie hätten den Kontakt zu ihrer Kundschaft verloren. Durch ihren Preiskampf | |
| sei Kaffee zu einem Ramschprodukt im Einzelhandel geworden. | |
| Cross-Coffee versucht, auf verschiedenen Wegen auf die Kunden einzugehen. | |
| So bietet die Rösterei Workshops an. In der „Kaffeeschule Bremen“ lernen | |
| EinsteigerInnen und Profis die Bohne genau kennen. Hier kooperiert der | |
| Betrieb mit anderen Röstereien Bremens, wie Espresso Prego oder Gollücke | |
| und Rothfos. | |
| Laut Kriegsch nehmen verschiedenste Menschen an den Workshops teils. Neben | |
| befreundeten RösterInnen oder ProjektpartnerInnen seien auch angehende und | |
| professionelle Gastronomen dabei. Der Barista-Kurs sei etwa auch „für | |
| Leute, die Geld damit verdienen wollen“, sagt er. Bei den Kursen gibt es | |
| keine Power-Point-Präsentation, die „Tätigkeit“ stehe im Vordergrund: „… | |
| muss experimentieren.“ | |
| Seit März wird in den Hallen von Cross Coffee außerdem der „Kaffeeclub | |
| Bremen“ veranstaltet. Hier treffen sich laut Konzept „professionelle | |
| Kaffeezubereiter und Kaffeeverrückte, die sich langfristig und grundlegend | |
| mit Kaffee beschäftigen wollen“. | |
| Workshops: Röster, 7. Mai, 09:00 – 18:00; Barista, 28. Mai, 09:00 – 17:00; | |
| Kaffeeentdecker, 19. Mai, 10:00 – 12:30 | |
| 30 Apr 2016 | |
| ## AUTOREN | |
| Jannik Sohn | |
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