| # taz.de -- Kommentar Suhrkamp-Umzug: Kalter Arbeitsplatzabbau | |
| > Berlin hat Erfahrung damit, Medien in die Stadt zu locken. Bezahlen tut | |
| > das der Steuerzahler mit Subventionen. Dabei droht auch bei Suhrkamp | |
| > netto ein Arbeitsplatzabbau. | |
| Es scheint dieses Jahr ein Kommen und Gehen werden zu wollen am | |
| Medienstandort Berlin: Sat.1 zu großen Teilen raus - und Suhrkamp rein. | |
| Motto: Tausche Privatsender mit vermeintlichem Unterschichtsprogramm gegen | |
| intellektuellen Großverlag. | |
| Das hat auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Doch dahinter steckt | |
| zumindest teilweise das gleiche Kalkül. Denn der Steuerzahler zahlt bei | |
| solchen Aktionen immer brav mit, zumindest indirekt. Wirtschaftsförderung | |
| nennt sich so was dann: verbilligte Mieten, diverse Zuschüsse, | |
| Steuererleichterungen. Berlin hat damit Erfahrung. Der Musiksender MTV | |
| wurde durch freundliche Anreize von München an die Spree gelockt, die | |
| Bayern selbst hatten den Kanal zuvor Hamburg abspenstig gemacht. Wenn die | |
| an die Subventionen geknüpften Auflagen - meist Arbeitsplatzzusagen für | |
| eine bestimmte Zeit - ausgelaufen sind, zieht die Karawane weiter. Auch der | |
| Berliner Senat, der Sat.1 mit der Rückzahlpflicht von einigen Millionen | |
| Subventionskohle gedroht hatte, musste klein beigeben: Der Sender bekam | |
| zwar bis 2002 Investitionszuschüsse von 33 Millionen Euro, hatte sich aber | |
| nur verpflichtet, Arbeitsplätze für fünf Jahre zu garantieren. Es ist das | |
| alte Spiel. | |
| Aber es geht noch dreister: Denn natürlich sind solche Umzüge zusätzlich | |
| die wohl einfachste Möglichkeit für Unternehmen, MitarbeiterInnen | |
| loszuwerden: 350 Sat.1-MitarbeiterInnen sollen mit nach München, dort | |
| rechnen die Gewerkschaften aber damit, dass höchstens 200 von ihnen | |
| ankommen. Wer gibt schon gerne Wohnung, Schule, Freunde - vielleicht gar | |
| Heimat - auf? | |
| Auch bei Suhrkamp wird über den kalten Abbau von Arbeitsplätzen als Motiv | |
| spekuliert: Schließlich bleibt selbst ein ruhmreiches Verlagshaus auch | |
| immer ein Kaufmannsladen, der auf die Einnahmen schielt. Schwierig wirds, | |
| wenn das Gleichgewicht zwischen künstlerisch-kreativem Anspruch und dem | |
| Zocken um die Rendite aus den Fugen gerät. Bei Sat.1 ist das längst | |
| geschehen. Und mancher fürchtet, bald auch bei Suhrkamp. | |
| 23 Jan 2009 | |
| ## AUTOREN | |
| Steffen Grimberg | |
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