| # taz.de -- Genmais: Ein entzweites Feld | |
| > Acht AktivistInnen stehen in Braunschweig vor Gericht, weil sie im April | |
| > 2009 das Versuchsfeld eines Bundesinstituts besetzten. Dessen Chefin, | |
| > Agrarministerin Aigner, hatte kurz zuvor eine Genmais-Sorte verboten. | |
| Bild: Legitimer Protest: Im Mai vergangenen Jahres kampierten Gentechnik-Gegner… | |
| Die Liste der Vorwürfe ist lang: Hausfriedensbruch, Verstoß gegen das | |
| Versammlungsgesetz, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte | |
| - und das niedersächsische Waldgesetz wurde ebenfalls missachtet. So steht | |
| es in der Anklage gegen acht Männer und Frauen, die aktiv gegen Genmais zu | |
| Felde ziehen. Und weil sie das vor einem Dreivierteljahr im Wortsinn taten, | |
| müssen sie sich ab Donnerstag in Braunschweig vor dem Landgericht | |
| verantworten. | |
| Im April vorigen Jahres hatte die Gruppe Äcker auf dem Forschungsgelände | |
| des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (VTI) nahe Braunschweig (siehe | |
| Kasten) besetzt. Dort sollte gentechnisch veränderter Mais des umstrittenen | |
| US-Saatgutkonzerns Monsanto ausgesät werden. Ziel des Experiments sei zu | |
| ergründen, erläutert Institutssprecher Michael Welling, "wie sich dieser | |
| Mais im Vergleich mit gentechnisch unverändertem Mais verhält". | |
| Dabei habe es sich aber nicht um die Sorte MON 810 gehandelt, die kurz | |
| zuvor von Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) verboten worden war. | |
| Diese produziert nach einer Genveränderung ein Gift gegen bestimmte | |
| Schädlinge. Aigner hatte darin erhebliche Risiken "für Tiere und Pflanzen" | |
| gesehen. | |
| Das Experiment in Braunschweig sei "wichtig für die Sicherheitsforschung", | |
| so Welling. Ein häufig vorgebrachtes Argument sei, dass man zu wenig über | |
| Umweltgefahren der Gentechnik wisse. Gerade deshalb müssten Versuche, die | |
| dies klären sollen, möglich bleiben, findet der Institutssprecher: "Sonst | |
| beißt sich die Katze argumentativ in den Schwanz." | |
| Das sehen die acht AktivistInnen vollkommen anders, die am 24. April 2009 | |
| die Äcker des Instituts besetzten. Sie campierten in Zelten auf der Fläche | |
| und brachten einen etwa eine Tonne schweren Betonblock mit - wie, haben sie | |
| bis heute nicht verraten. An diesem ketteten sie sich an, als die Besetzung | |
| nach drei Tagen von der Polizei beendet und das Feld geräumt wurde. | |
| "Zweieinhalb Stunden haben die fluchend mit Presslufthämmern an dem Block | |
| herumgemeißelt", berichtet Jörg Bergstedt, einer der acht AktivistInnen, | |
| die nun vor Gericht stehen. | |
| Zunächst hatte das VTI die Besetzung ebenso geduldet wie eine Mahnwache von | |
| Unterstützern. Letzteres sei "legitim", sagt Welling. "Aber die zunehmende | |
| massive Störung der Arbeitsabläufe auf dem Institutsgelände konnte nicht | |
| weiter hingenommen werden." Die Protestierer hätten Gräben gezogen und | |
| Stroh verteilt, "was die Feldbestellung erschwert". Damit seien die | |
| Voraussetzungen für eine Duldung entfallen. Es habe nie eine Zustimmung zur | |
| Besetzung gegeben, heißt es in der Klageschrift, sondern nur tageweise den | |
| Verzicht auf ein Räumung. "Uns lag von Anfang an daran, dass die Lage nicht | |
| eskaliert", beteuert Welling. | |
| Weil aber zudem der Zaun um das Gelände und am Tor ein Schloss beschädigt | |
| worden seien, verlangt die Bundesanstalt auch Schadenersatz in Höhe von | |
| 2.160 Euro von den acht AktivistInnen. Bergstedt hat "keine Ahnung", ob der | |
| Zaun beschädigt wurde und von wem. | |
| Er will vor allem gegen das ebenfalls beantragte "Betretungsverbot" | |
| vorgehen. "Das ist völlig absurd." Denn den Gentechnik-Gegnern soll | |
| verboten werden, das Institutsgelände an der Bundesallee 50 zu betreten. | |
| Neben anderen Einrichtungen befindet sich dort aber auch das Bundesamt für | |
| Verbraucherschutz. "Es kann ja nicht angehen, dass die Regierung Bürgern | |
| den Zutritt zur Verbraucherberatung verbieten lässt", findet Bergstedt. | |
| Auch Demonstrationen müssten dort zulässig bleiben: "Eine Bannmeile um ein | |
| Bundesinstitut ist nicht akzeptabel." | |
| Außerdem hat Jörg Bergstedt noch einen Trumpf im Ärmel. Am 10. März | |
| verhandelt das Verwaltungsgericht Braunschweig über seine Klage gegen | |
| Räumung des Institutsackers. Denn die, glaubt Bergstedt, "war | |
| rechtswidrig". | |
| 25 Jan 2010 | |
| ## AUTOREN | |
| Sven-Michael Veit | |
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