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# taz.de -- Explosion auf Demo gegen Sparpläne: Sprengsatz mit viel Nebel
> Nach der Explosion auf einer Demo hat die Polizei noch keine heiße Spur.
> Auch in linken Foren wird diskutiert, was da eigentlich gezündet wurde.
Bild: Wumm: Aus nächster Nähe aufgenommenes Detonationsvideo
BERLIN taz | War es ein selbst gebauter Sprengsatz, ein manipulierter
Böller oder im Ausland frei verkäufliches Feuerwerk? Nach wie vor ist
unklar, was für eine Sprengladung es war, die am Samstag in Berlin zwei
Polizisten bei einer Demonstration an den Beinen verletzt hat. Die
Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen, sagte Polizeipräsident Dieter
Glietsch am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.
Auch wie der Sprengsatz gezündet wurde und wer die Täter sind, ist
weiterhin unklar. Einigkeit bestehe nur darin, dass es kein normaler
Feuerwerkskörper war. Dafür sei die Detonation zu heftig gewesen. Nicht
ausschließen wollte Glietsch, dass konventionelle Böller, zum Beispiel
"sogenannte Polen-Böller", manipuliert wurden, um die Wirkung zu
verstärken.
Der Sprengsatz war bei der Demonstration "Wir zahlen nicht für eure Krise"
explodiert, an der rund 20.000 Leute teilnahmen. Die Ladung detonierte in
unmittelbarer Nähe einer Einsatzhundertschaft, die den 450 Teilnehmer
zählenden schwarzen Block ins Spalier genommen hatte. Die Stimmung zu
diesem Zeitpunkt wird sowohl von Teilnehmern als auch von der Polizei als
aufgeheizt beschrieben. Laut Glietsch waren schon vorher Steine und
pyrotechnische Gegenstände auf die Beamten geworfen worden, bevor es
zischte, eine weiße Rauchwolke aufstieg und eine heftige Explosion
erfolgte.
Zwei von insgesamt 12 verletzten Beamten mussten operiert werden. Ihnen
seien Splitter aus den Beinen entfernt worden, die bis zu sechs Zentimeter
ins Fleisch gedrungen waren, sagte Glietsch. Bei den Splittern könne es
sich um Verpackungsmaterial des Sprengsatzes gehandelt haben. Die
Polizisten sollen am Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Noch am Samstag waren drei Tatverdächtige im Alter von 21, 21 und 33 Jahren
festgenommen wurden. Sie wurden in derselben Nacht wieder freigelassen.
Zivilbeamte hatten sich den Männern an die Fersen geheftet, weil sie sich
unmittelbar nach der Detonation des Sprengsatzes "anders verhielten" als
die übrigen Demonstranten, sagte Glietsch zur taz. Bei einer Durchsuchung
ihrer Wohnungen seien "große Mengen pyrotechnisches Material"
sichergestellt worden.
Das Ergebnis der Analyse liege noch nicht vor. Die drei Männer würden
weiterhin als Verdächtige gelten, ein dringender Tatverdacht bestehe aber
nicht. Ob der Sprengsatz der Bauanleitung entspricht, die in einer
linksradikalen Szenezeitung veröffentlicht worden war, so Glietsch, könne
man erst sagen, wenn die Untersuchungen abgeschlossen seien.
Denkbar ist auch, dass der Sprengsatz aus der Ferne gezündet wurde.
AlleHorrordings müssten dann Überreste einer technischen Zündvorrichtung
gefunden worden sein. Davon teilte die Polizei nichts mit. In linken
Internetportalen wird vermutet, dass auf der Torstraße ein
"[1][Horror-Knall]" explodiert ist. Das ist eine extrem laute Rakete, die
in der Schweiz hergestellt und verkauft wird, aber in Deutschland nicht
zugelassen ist. Toni Bussmann, Inhaber der Schweizer Firma Bugano, die den
"Horror-Knall" herstellt, hält dies jedoch für "absolut unmöglich".
Wenn bei der Demonstration ein "Horror-Knall" gezündet worden wäre, wäre
ein viel größerer Schaden entstanden, sagte Bussmann der taz, nachdem er
Videos des Vorfalls im Internet angesehen hat. "Mit einem Horror-Knall
können Sie eine Telefonzelle zerstören." Bussmann vermutet eher, dass ein
Bodenknaller wie die italienische "[2][Cobra]" gezündet wurde. Auch die
habe noch etwa doppelt so viel Sprengstoff wie in Deutschland zugelassenes
Feuerwerk.
Alle im Berliner Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien verurteilten den
Anschlag in einer gemeinsamen Erklärung. Auch in der linksautonomen Szene
stößt der Vorfall auf Ablehnung. Für diese Demonstration und zu diesem
Zeitpunkt sei die Aktion "sicher nicht das richtige Mittel gewesen", sagte
ein Aktivist.
15 Jun 2010
## LINKS
[1] http://www.youtube.com/watch?v=cmoTabqiKFA
[2] http://www.youtube.com/watch?v=I9pCKNfiis0
## AUTOREN
G. Asmuth
M. Kaul
P. Plarre
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