# taz.de -- Reaktion auf Street-View-Pläne: Politiker knöpfen sich Google vor | |
> CDU und SPD bemängeln bei Googles Street-View-Plänen eine zu kurze | |
> Widerspruchsfrist. Die Grünen fordern gleich eine Lizenzgebühr. | |
Bild: Google stößt mit seinem Street-View-Projekt nicht überall auf Gegenlie… | |
BERLIN dpa | Nach den Einwänden von Datenschützern wird nun auch von | |
Politikern die Kritik am Internet-Dienst Google Street View lauter. Union | |
und SPD kritisierten am Mittwoch das von Google geplante | |
Widerspruchsverfahren mit einer Frist von vier Wochen als zu kurz. Von | |
Seiten der Grünen wurde die Frage nach einem gesetzlichen Rahmen für | |
derartige Internet-Dienste aufgeworfen. | |
Die Frist sei viel zu kurz bemessen und falle zudem in die Urlaubszeit, | |
kritisierte CDU-Verbraucherpolitikerin Lucia Puttrich. Dies und der | |
Verzicht auf eine Telefon-Hotline ließen "den Verdacht aufkommen, das | |
Unternehmen wolle die Praktikabilität für das Unternehmen im Vordergrund | |
sehen, nicht aber den Schutz jeder Bürgerin und jedes Bürgers". Der | |
Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, äußerte sich ähnlich | |
und sagte: "Was Google plant, geht zu schnell und zu weit." | |
Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, sagte: "Es ist | |
das Hauptversäumnis der Politik, dass sie keinen verlässlichen gesetzlichen | |
Rahmen geschaffen hat. Dass muss sich auch die Bundesregierung vorhalten | |
lassen." Es werde viel mit Appellen gearbeitet, die Kernaufgabe der | |
Regierung bleibe aber unerfüllt, bemängelte der Abgeordnete. | |
"Street View ist eine interessantes Anwendung", sagte der Grünen- | |
Politiker. "Es müssten nur die datenschutzrechtlichen Gesetze und Kriterien | |
beachtet werden und die Sorgen der Bevölkerung müssen ernst genommen | |
werden." Von Notz stellte die Frage: "Kann es sein, dass der öffentliche | |
Raum im Netz monopolistisch privatisiert wird, ohne dass die Allgemeinheit | |
von dieser Kommerzialisierung profitiert?" | |
Ob die Bundesregierung selbst Widerspruch gegen die Aufnahme von Gebäuden | |
für Google Street View einlegen will, ließ sie zunächst offen. "Das | |
Hausrecht selbst obliegt ja jedem Hausherrn, damit den Ministerien | |
beispielsweise selbst", sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans | |
am Mittwoch in Berlin. Berlin mit seinem Regierungsviertel ist eine der 20 | |
Städte, deren umfassende Panorama-Fotos Google bis Ende des Jahres für | |
seinen Internet-Dienst veröffentlichen will. | |
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) begrüßte es grundsätzlich, | |
dass Google ein Widerspruchsrecht vor der Einführung des Dienstes | |
ermöglicht. In einem Gespräch mit der WAZ-Gruppe äußerte er sich aber | |
besorgt über einen "weltweit möglichen Eingriff in die | |
Persönlichkeitsrechte des Einzelnen". | |
Das Verbraucherministerium bekräftigte, es werde genau geprüft, ob Google | |
Street View erst nach der Bearbeitung der Beschwerden starte. "Wir werden | |
schauen, wie das jetzt wirklich umgesetzt wird in der Praxis und wie | |
effektiv da gearbeitet wird", sagte eine Sprecherin. | |
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat Google aufgefordert, das | |
Verfahren zur Bearbeitung der Widersprüche genau darzulegen. Eine | |
detaillierte Beschreibung liege bislang nicht vor, kritisierte er in den | |
"Ruhr Nachrichten" in Dortmund. Schaar äußerte sich besorgt darüber, dass | |
Fotos aus Google Street View mit Adressverzeichnissen oder Telefonbuchdaten | |
verknüpft werden könnten. Daraus könne ein ziemlich brisanter Daten-Mix | |
entstehen, der etwa Aufschluss geben könne über Zahlungsfähigkeit und | |
Kreditwürdigkeit von Privatleuten, sagte Schaar. | |
Der Datenschützer Moritz Karg sagte, eine Reform der Datenschutzgesetze sei | |
sinnvoll. Allerdings sei der Entwurf des Bundesrats zur Regulierung von | |
Street View nicht der richtige Weg, sagte der Jurist vom Unabhängigen | |
Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) in Kiel. "Wir | |
fordern eine technologieneutrale Reform der Datenschutzgesetze, die | |
unabhängig von einzelnen Technologien und Diensten dem Recht des Einzelnen | |
auf Privatsphäre im digitalen Zeitalter gerecht wird." Die derzeit gültigen | |
Paragraphen stammten aus einer "technologischen Steinzeit". | |
11 Aug 2010 | |
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