| # taz.de -- Diskussionen nach Frigge-Rücktritt: "Koalition noch nicht überm B… | |
| > Nach dem Rücktritt von Finanzsenator Frigge diskutiert Hamburg über die | |
| > Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition. SPD und Linkspartei, sowie der | |
| > DGB forderten Neuwahlen. | |
| Bild: Abendhimmel in Hamburg. In der Hansestadt wird aktuell über die schwarz-… | |
| HAMBURG dpa | Der Rücktritt von Finanzsenator Carsten Frigge (CDU) hat in | |
| der Hamburger Politik die Diskussion um Neuwahlen für die Bürgerschaft | |
| wieder angefacht. Wie schon nach dem Rückzug von Bürgermeister Ole von | |
| Beust im Sommer forderten die beiden Oppositionsparteien SPD und Linke | |
| einen vorgezogenen Wahlgang. Die CDU lehnte das als "oppositionellen | |
| Reflex" ab. Die Hamburger Grünen (GAL) zeigten sich vorsichtig | |
| optimistisch, dass die Koalition hält. | |
| "Die Koalition ist noch nicht über dem Berg", betonte die | |
| GAL-Landesvorsitzende, Katharina Fegebank, in der Bild. "Es gibt bei uns | |
| vereinzelte Stimmen, die ein Ende der Koalition fordern, weil sie fürchten, | |
| dass wir von der CDU in einen Abwärtsstrudel gezogen werden." Sie selbst | |
| sehe derzeit aber keinen Grund für einen Ausstieg aus der Koalition und | |
| Neuwahlen. Innerhalb der Partei gebe es aber Diskussionsbedarf. | |
| Der Hamburger SPD-Vorsitzende Olaf Scholz sagte am Donnerstag: "Die beiden | |
| Regierungsparteien sind in eine ganz schwierige Situation geraten." Diese | |
| lasse sich nicht dadurch lösen, dass einfach ein neuer Senator benannt | |
| wird. Die Bürger müssten sehr zornig werden, wenn CDU und GAL über die | |
| Krise einfach hinweggehen würden. Beide Parteien müssten sich nun | |
| überlegen, die Bürger neu wählen zu lassen. | |
| Wenn es zu Neuwahlen in Hamburg kommen sollte, werde die SPD innerhalb | |
| kürzester Zeit einen Spitzenkandidaten benennen. "Wir sind darauf gut | |
| vorbereitet", sagte Scholz. Als wahrscheinlich gilt, dass der | |
| Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesarbeitsminister selbst gegen | |
| Ahlhaus antritt. Die Hamburgische Bürgerschaft wird regulär im Frühjahr | |
| 2012 neu gewählt. | |
| Auch die Linke möchte die Bürger vorzeitig an die Wahlurnen rufen. | |
| Unterstützung erhielten die beiden Oppositionsparteien vom Deutschen | |
| Gewerkschaftsbund DGB. "Der Senat befindet sich im freien Fall", sagte | |
| DGB-Chef Uwe Grund, der auch als SPD-Abgeordneter der Bürgerschaft | |
| angehört. "Dass unserer Regierung in kürzester Frist nicht nur der Erste | |
| Bürgermeister, sondern auch gleich serienweise Senatoren verloren gehen, | |
| hat es in der jüngeren Geschichte der Stadt so noch nicht gegeben." | |
| Dagegen erklärte der Hamburger CDU-Landes- und Fraktionschef Frank Schira, | |
| die schwarz-grüne Koalition verfüge über eine stabile Mehrheit und habe die | |
| Kraft, ihre Politik weiterzuführen. Schira verteidigte die Entscheidung von | |
| Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU), Frigge im August trotz bekannter | |
| Vorwürfe in der rheinland-pfälzischen CDU-Finanzaffäre erneut in den Senat | |
| geholtzuhaben. "Ich bin zu 100 Prozent auf einer Linie mit dem Ersten | |
| Bürgermeister." Er hätte es für fahrlässig gehalten, den Finanzsenator zu | |
| wechseln, während das größte Sparpaket in der Geschichte Hamburgs geschnürt | |
| wurde. | |
| Frigge selbst führte am Tag nach seiner Rücktrittsankündigung die Geschäfte | |
| in der Finanzbehörde weiter. "Herr Frigge nimmt seine Termine ganz normal | |
| wahr", sagte Behördensprecher Daniel Stricker. "Es herrscht business as | |
| usual". Bei den Haushaltsberatungen liege der Ball nach der Einbringung des | |
| Entwurfs in die Bürgerschaft jetzt ohnehin beim Parlament. Wirksam werde | |
| der Wechsel an der Spitze der Finanzbehörde erst am 16. Dezember, dann soll | |
| der CDU-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse als neuer Senator in der | |
| Bürgerschaft bestätigt werden. | |
| 26 Nov 2010 | |
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