# taz.de -- Präsidentenwahl in Nicaragua: Ex-Guerillero klebt an der Macht | |
> Eigentlich darf Daniel Ortega gar nicht wieder für als Präsident | |
> kandidieren. Genau das aber wird er tun, und eine gespaltene Opposition | |
> sichert wohl seinen Sieg. | |
Bild: Zwei alte linke Helden vereint: Fidel Castro und Daniel Ortega als Wandsc… | |
BERLIN taz | Die Präsidentschaftswahl in Nicaragua findet zwar erst am 6. | |
November statt, zumindest vorentschieden aber wird sie schon in diesen | |
Tagen. Immer, wenn die rechte Opposition in den vergangenen 20 Jahren mit | |
nur einem Kandidaten antrat, hat sie den Sandinisten-Chef Daniel Ortega | |
problemlos geschlagen. Diesmal ist sie, wie vor fünf Jahren, gespalten. | |
Ortega kann sich also beruhigt in den Wahlkampf stürzen. Nach regionalen | |
Parteitagen gab er in der vergangenen Woche offiziell bekannt, dass er | |
wieder antritt. | |
Die beiden rechten Kandidaten sind Expräsident Arnoldo Alemán (1997 bis | |
2002) und der Radio-Unternehmer Fabio Gadea. Beide sind Teil desselben | |
Clans: Ihre Kinder sind miteinander verheiratet. Alemán ist unumstrittener | |
Alleinherrscher der Liberal-konstitutionalistischen Partei (PLC), zu der | |
einst auch Gadea gehörte. | |
Doch wer selbst etwas werden will, muss gehen. Das gilt für die PLC genauso | |
wie für die von Ortega an kurzer Leine gehaltene Sandinistische | |
Befreiungsfront (FSLN). So hat Gadea zusammen mit Dissidenten aus beiden | |
Parteien die Sammelbewegung "Nationale Union für die Hoffnung" (UNE) | |
gegründet. | |
Ein Treffen der beiden Kontrahenten im Haus ihrer Kinder endete ohne | |
Einigung. Bleibt es dabei, könnte das Rennen schon gelaufen sein. Umfragen | |
geben Ortega 36 Prozent der Stimmen, Alemán 23 und Gadea 17. Ortega würde | |
das genügen, um gleich im ersten Wahlgang zu gewinnen. Nach | |
nicaraguanischem Recht reichen mehr als 35 Prozent und fünf Prozentpunkte | |
Vorsprung, um eine Stichwahl zu vermeiden. Auch Alemán wäre damit gedient. | |
Der Zweitplatzierte bekommt automatisch einen Parlamentssitz. | |
Ortega und Alemán haben dieses Wahlrecht gemeinsam ausgeheckt. Egal, ob sie | |
gewinnen oder verlieren: Als Chefs der einzigen landesweit organisierten | |
Parteien sichern sie sich so ihren Anteil an der Macht - und | |
strafrechtliche Immunität, die beide dringend brauchen. | |
Angesichts des drohenden Ortega-Siegs mischt sich US-Botschafter Robert | |
Callahan ganz undiplomatisch ein. Er beschwerte sich öffentlich über die | |
"persönliche Profilierungssucht" in der Opposition und warnte: Auch wenn | |
Ortega wegen seiner Sozialprogramme bei der armen Bevölkerungsmehrheit | |
beliebt sei: "Wir haben ernsthafte Zweifel an der Legitimität seiner | |
Kandidatur." | |
Diese Zweifel sind berechtigt: Die Verfassung verbietet die direkte | |
Wiederwahl eines Präsidenten. Doch Ortega hat den entsprechenden Artikel | |
von einer ihm hörigen Kammer des Verfassungsgerichts für verfassungswidrig | |
erklären lassen. Für eine Änderung des Gesetzes jedoch fehlt ihm die | |
Mehrheit. | |
Für den Fall, dass sich die Rechte doch noch einigen sollte, hat Ortega | |
schon Vorsorge getroffen. Bei der Wahl am 6. November würden keine | |
internationalen Beobachter zugelassen, kündigte er in einer | |
Fernsehansprache an. "Wir sind selber groß." Die Kommunalwahl von 2008 | |
hatte die FSLN nur auf Grund von Betrügereien haushoch gewonnen. Das haben | |
damals nicht nur internationale Wahlbeobachter festgestellt; das geben | |
selbst Parteigänger zu. Ohne Beobachter geht das Betrügen noch leichter. | |
3 Mar 2011 | |
## AUTOREN | |
Toni Keppeler | |
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