# taz.de -- Urteil gegen NPD bestätigt: "Rückführungsbriefe" strafbar | |
> Das Landgericht bestätigt ein Urteil gegen Funktionär Hähnel: Zehn Monate | |
> Haft auf Bewährung wegen Volksverhetzung. | |
Bild: Die NPD findet, ihre politischen Gegner müssten es ertragen, wenn sie "e… | |
Teilnahmslos saß der NPD-Funktionär Jörg Hähnel am gestrigen | |
Freitagnachmittag im Gerichtssaal, die Arme vor der Brust verschränkt, den | |
Blick gen Boden gerichtet. Einen Freispruch hatte er in seinem | |
Berufungsprozess verlangt, doch den verwehrte ihm das Berliner Landgericht | |
- und bestätigte damit ein Urteil des Amtsgerichts Tiergarten vom Dezember | |
2010. | |
Darin war der frühere NPD-Landesvorsitzende wegen Volksverhetzung zu zehn | |
Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt | |
worden. Dagegen legte Hähnel Berufung ein. | |
Rund 30 Briefe hatte die NPD im Spätsommer 2009 an Berliner Lokalpolitiker | |
mit Migrationshintergrund verschickt. Darin informierte ein | |
"Ausländerrückführungsbeauftragter" über einen "Fünf-Punkte-Plan" zur | |
Rückführung der Ausländer in ihre "Heimatländer". Dieser Plan wurde auch | |
auf der NPD-Homepage online gestellt. Daraufhin durchsuchte die Polizei die | |
NPD-Parteizentrale in Köpenick. Sie stellte fest, dass das Schreiben auf | |
Hähnels Arbeitscomputer geschrieben worden war. | |
Während das Gericht für den Aufruf weiterhin Hähnel verantwortlich macht | |
und darin eine Aufstachelung zum Hass sieht, verwies dessen Anwalt Wolfram | |
Nahrath auf die Meinungsfreiheit. Seiner Ansicht nach handele es sich bei | |
den verschickten Briefen um einen Beitrag zur politischen Meinungsbildung. | |
Außerdem müssten es politische Gegner der NPD ertragen, wenn sie "etwas | |
härter angegangen" würden. "Das gehört zum politischen Wettstreit", so | |
Nahrath. Zudem sei nicht bewiesen, dass der Angeklagte für die verschickten | |
Briefe verantwortlich sei. | |
Hähnel selbst verweigerte die Aussage und zeigte keinerlei | |
Unrechtsbewusstsein. Die vorgeladenen Zeugen mit Migrationshintergrund | |
beachtete er schlichtweg nicht. Bei den Empfängern der Briefe löste die | |
Argumentation des Anwalts im Gerichtssaal Fassungslosigkeit und | |
Kopfschütteln aus. | |
Zu ihnen gehört auch Gülaysan Karaaslan von der Neuköllner Linkspartei. | |
"Ich empfand den Brief als diskriminierend", sagte sie. Zudem habe sie | |
Angst um ihre Familie gehabt. Ähnliche Gefühle rief das Schreiben bei dem | |
SPD-Bezirksverordneten Vincent Paul aus Treptow-Köpenick. "Dieses Schreiben | |
hat mich getroffen, schockiert und verärgert", sagte er. Unweigerlich habe | |
Paul an deportiert werdende Menschen denken müssen. "Mein Vater stammt aus | |
Somalia, aber deshalb bin ich kein Mensch zweiter Klasse." Dementsprechend | |
zufrieden zeigten er und die anderen Empfänger der "Rückführungsbriefe" | |
sich nach dem Prozess. | |
1 Jan 1970 | |
## AUTOREN | |
Manuel Opitz | |
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