| # taz.de -- Kommentar unabhängige Richter: Unrettbar befangen | |
| > Lassen sich Richter am Verwaltungsgericht in Oldenburg von den | |
| > Ausländerbehörden vorab über geplante Abschiebungen, sind sie unrettbar | |
| > befangen. Daran kann überhaupt kein Zweifel bestehen. | |
| Bild: Macht keine Unterschiede - außer, scheints, in Oldenburg. | |
| Lassen sich Richter am Verwaltungsgericht in Oldenburg von den | |
| Ausländerbehörden vorab über geplante Abschiebungen informieren, sind sie | |
| unrettbar befangen. Daran kann kein Zweifel bestehen. | |
| In dem Moment, in dem sie die Akten der Betroffenen auf ihrem Schreibtisch | |
| haben, beginnt das Dilemma: Behalten sie den Abschiebetermin für sich, | |
| werden sie zum Geheimnisträger der Behörden und machen sich mit ihnen | |
| gemein. Geben sie aber bekannt, dass sie um den Termin wissen und die Akten | |
| zum Fall vorliegen haben, werden die Betroffenen und ihre Anwälte ihnen | |
| sofort Befangenheit vorwerfen und einen entsprechenden Antrag stellen. | |
| Unangekündigte Abschiebungen sind schon belastend genug. Wenn sich dann | |
| auch noch das Verwaltungsgericht auf die Seite der abschiebenden Behörde | |
| stellt – und nichts anderes tun die Richter, wenn sie mit den | |
| Ausländerbehörden heimlich zusammenarbeiten – wird es wirklich unschön. | |
| Wozu gibt es denn Gewaltenteilung? | |
| Um eben jene Interessenkonflikte zu vermeiden: Auf der einen Seite sollte | |
| in diesem Fall die Exekutive, also die ausführende Ausländerbehörde stehen | |
| und auf der anderen Seite die Judikative – vertreten durch unabhängige | |
| Richter. Und eben diese Unabhängigkeit geben die Richter natürlich dran, | |
| wenn sich sie sich zum Mitwisser machen und den Behörden Privilegien | |
| einräumen, die sie der Gegenseite nicht gewähren. | |
| 12 Apr 2013 | |
| ## AUTOREN | |
| Ilka Kreutzträger | |
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