(SZ) Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, keine Frage. Der
  Mensch ist, nehmt alles nur in allem, ein Ergebnis des Verzehrs von
  Steaks und Spanferkeln, Lachstranchen und halben Hendln, Sauerkraut
  und Bananen, Preißelbeeren und Hasenpfeffer, Tunfisch und Hummer,
  Toast und Kaviar. Gut - Gemüse, Obst und alles zwischen Crème
  Bavaroise und Tiramisu gehören auch noch dazu. Zum Runterspülen dienen
  selbstverständlich ganze Paletten von Weißem und Rotem, die
  Hektoliterbanzen von Ober- und Untergärigem nicht zu vergessen und
  nicht das Gaumen kitzelnde Gebitzel in Flöten und Schalen. Wohl
  bekomm's!

  Deutschland nun war einst berühmt für braune Soßen und Knollen, die in
  jenen gequetscht wurden, Grundbeeren, die man schälen und pellen kann,
  braten, frittieren und pürieren. Was aber, oh Aromamma, große
  Knollengöttin der Inkas, ist los in diesem Land? In schwereren Zeiten
  wurden früher bis zu 200 Kilogramm pro Nase im Jahr verdrückt, heute
  immer weniger und weniger. Der Deutsche führt sich höchstens noch 200
  Gramm täglich zu Gemüte, aufs Jahr sollen es nurmehr rund 67 Kilo
  sein. Stattdessen Bouletten, Currywürste, Pizza etcetera. Die
  Verteidigung aber gilt Bamberger Hörnchen und guten Sieglinden,
  Holländer Erstlingen und mittelfrühen Bintjes, mit einem Wort:
  Kartoffeln. Der Erdäpfel essende Deutsche scheint Vergangenheit. Dabei
  retteten sie ihn einst vor Hungersnöten, und nicht nur ihn. Seit die
  Spanier die papas, wie sie die Inkas nannten, aus der Neuen Welt
  mitbrachten, machte der "essbare knollige Nachtschatten", das heißt im
  Lateinischen des Botanikers Caspar Bauhin solanum tuberosum
  esculentum, Karriere. Philipp II. schenkte ein paar der Mitbringsel
  aus Indioland dem Papst. Engländer, eher Piraten als Ehrenmänner wie
  Walter Raleigh oder Francis Drake, sollen sie auf die Britischen
  Inseln gebracht haben. An europäischen Fürstenhöfen ahnte man lange
  nichts vom Wesen der Pflanze, sondern ließ sich von den hübschen
  Blüten bezirzen. Andere probierten die grünen Beeren über der Erde und
  vergifteten sich. Doch irgendwann hatte man geschnallt, dass das Glück
  unter der Erde lag. Natürlich waren sofort die Weltuntergangspropheten
  zur Stelle: Kartoffeln entstünden aus dem Speichel des Teufels,
  dementsprechend drohe Kartoffelessern nichts als
  moralisch-körperlicher Verfall. Als der Alte Fritz den exotischen
  Grübling zu einer Pflichtaufgabe für die Bauern seines Preußen machte,
  hatten es die papas geschafft, die Kartoffelflut schwoll im ganzen
  Land an.

  Seitdem hat sie ihren Anteil dabei geleistet, uns den Leib und die
  Seele zusammenzuhalten. Das verpflichtet; Mindestens 67 Kilo, die auch
  in Zukunft möglichst rein genossen werden mögen, entzogen dem
  klebrigen Frittieröl.